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Elwira Nabiullina hat derzeit alles andere als einen leichten Job: Putins Zentralbankchefin soll die Sanktionsfolgen für Russland eindämmen.
Moskau – Russlands Zentralbankchefin Elwira Nabiullina gilt als Funktionärin mit internationalem Renommee. Diese leidet unter ihren westlichen Kolleginnen und Kollegen im Ukraine-Krieg, denn ihre Aufgabe ist es, die Sanktionsfolgen für die russische Wirtschaft bestmöglich einzugrenzen. Der Angriffskrieg Russlands unter Wladimir Putin auf die Ukraine droht derzeit Elwira Nabiullinas wirtschaftspolitischen Errungenschaften zunichtezumachen. Es gibt Gerüchte über einen gescheiterten Rücktritts-Versuch der Technokratin.
Elwira Sachipsadowna Nabiullina: Putins Präsidentin der russischen Zentralbank mit globalem Renommee
Elwira Sachipsadowna Nabiullina, Putins Präsidentin der russischen Zentralbank, genoss in ihrer Funktion hohes internationales Ansehen, zumindest war dem bis Kriegsbeginn so. Die Errungenschaften der Notenbankleiterin lassen sich sehen: Elwira Nabiullina gelang es, die Inflation in Russland vor Beginn des Ukraine-Kriegs auf den niedrigsten Stand seit dem Zerfall der Sowjetunion zu drücken. Schon 2014 hatte sie den Rubel aus der Krise gebracht. Auch jetzt spielt die Technokratin und Zentralbankchefin, die noch vor einem Jahr auf der Forbes-Liste der einflussreichsten Frauen weltweit stand, für Putin eine entscheidende Rolle.
Erst im Frühjahr soll Nabiullina das Ziel formuliert haben, die Inflation in Russland unter vier Prozent zu bringen. Von der aktuellen Situation hat die Zentralbankchefin ein wohl realistischeres Bild als Russlands Präsident Putin. Nabiullina erklärte kürzlich, es würde voraussichtlich bis 2024 dauern, die Inflation wieder auf vier Prozent zu bringen. Derzeit liegt sie bei einem Höchstwert der letzten 20 Jahre, das hängt vor allem mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. Russlands Inflationsrate beläuft sich aktuell auf ein Vielfaches des angestrebten Wertes, zuletzt waren es 17,49 Prozent. Nabiullina sagt hierzu: „Der Anstieg der Inflation sollte nicht unkontrollierbar sein“. Der Umgang mit der ökonomischen Entwicklung in Russland ist ihr Aufgabengebiet – eines, um das sie derzeit wohl kaum einer beneidet.
Elwira Nabiullina – Resignation? Putin soll Rücktritt von Zentralbankchefin im Ukraine-Krieg abgelehnt haben
Glaubt man unbestätigten und vom Kreml längst dementierten Gerüchten, war auch Nabiullina selbst mit ihrer Aufgabe zuletzt alles andere als überglücklich. Laut Freitag hatte zuerst der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk auf Facebook erklärt, Nabiullina habe wegen des Ukraine-Kriegs zurücktreten wollen. Das US-Portal Bloomberg berichtete anschließend von Quellen, die erklärt haben sollen, es habe ein Veto von höchster Stelle der russischen Politik gegeben: von Wladimir Putin selbst. Der Guardian wiederum schrieb über mögliche Konsequenzen, die ein Rücktritt für die Zentralbankchefin und ihre Familie gehabt hätte.
Elwira Nabiullina: Resignation und Rücktrittspläne? Was davon stimmt, ist einmal mehr nicht eindeutig zu sagen. Ob Nabiullina wirklich zurücktreten wollte, ist unklar. Bisher hatte sie laut Freitag als Vertraute des Präsidenten gegolten, Putin hatte sie auch öffentlich mit ihrem Vornamen angeredet – eine Geste des Vertrauens. Ob freiwillig oder nicht: Nabiullina, die seit 2013 die Zentralbank leitet, wird wohl vorerst auch weiter die Aufgabe haben, die russische Wirtschaft durch Zeiten der Sanktionen zu lenken.
„Elwira Nabiullina brooch“ – senden Broschen und Kleiderwahl der Zentralbankchefin versteckte Botschaften?
Schaut man bei Suchmaschinen im Internet nach der Zentralbankchefin, stößt eine gängige Suchanfrage auf Verwunderung: „Elwira Nabiullina brooch“, was so viel heißt wie „Elwira Nabiullina Brosche“. Diese auf den ersten Blick irritierende Suchanfrage erklärt sich durch einen Ruf der Notenbankchefin: Sie soll durch ihre Kleiderwahl versteckte Nachrichten vermitteln. Der britische Guardian etwa schreibt, sie sei „berühmt dafür, mit ihrer Kleidung verschlüsselte Botschaften zu senden“. Als die Regierung Russlands die Menschen 2020 aufforderte, zu Hause zu bleiben, trug sie etwa eine Haus-förmige Brosche. Sie selbst sagte laut Guardian einst: „Ich habe in jedes Symbol etwas hineingelegt, aber ich werde es nicht erklären.“
Der Krieg gegen die Ukraine unter Wolodymyr Seleneskyj schadet der russischen Wirtschaft selbst in erheblichem Maße. Was Nabiullina davon halten dürfte, ist klar. Über ihre persönliche Haltung zum Ukraine-Krieg lässt sich kaum etwas Gesichertes sagen, alle dahingehenden Informationen basieren auf bisher unbestätigten Gerüchten. Sollten die Behauptungen zu ihrer Kleiderwahl tatsächlich stimmen, könnte ein Auftritt Nabiullinas Aufschluss über ihre Einschätzung zur aktuellen Lage geben: Erst kürzlich hatte sie über die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland berichtet, in Schwarz gekleidet. Ob es sich dabei um ein wirkliches Indiz zu ihrer Meinung oder um Zufall handelt, ist unklar. Klar hingegen ist, vor Elwira Nabiullina liegen schwere Zeiten.
Rubriklistenbild: © Mikhail Klimentyev / Sputnik/ Kr / dpa


