Oppositioneller Lee gewinnt Präsidentschaftswahl in Südkorea mit deutlichem Vorsprung
VonSimon Schröder
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Der linke Oppositionelle Lee Jea-myung hat die Präsidentschaftswahl in Südkorea gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stiummen liegt er deutlich vorne.
Update, 19.02 Uhr: Der linke Kandidat Lee Jae-myung hat die Präsidentenwahl in Südkorea gewonnen. Der konservative Gegenkandidat Kim Moon-soo räumte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Yonhap seine Wahlniederlage ein. Nach Auszählung fast aller Stimmen liegt Lee laut Yonhap deutlich vorn.
Update vom 3. Juni, 5.50 Uhr: Rund 44 Millionen Südkoreanerinnen und -koreaner sind seit dem frühen Morgen zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen. Die Entscheidung über die Nachfolge des entmachteten und wegen Hochverrats angeklagten Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol gilt als eine Richtungswahl. Sie soll eine monatelange Staatskrise beenden und dürfte auch große Auswirkungen auf die Beziehungen des ostasiatischen Landes zu China und den USA, aber auch zu Europa haben.
Bis 11.00 Ortszeit (04.00 Uhr MESZ) lag die Wahlbeteiligung laut Angaben der nationalen Wahlkommission bei 18,3 Prozent und damit über zwei Prozentpunkte höher als noch bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2022 zur selben Uhrzeit. Die Wahllokale schließen um 20.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ). Kurz darauf wird eine erste Hochrechnung erwartet, nach der sich möglicherweise bereits ein Gewinner deutlich abzeichnen könnte. Laut Südkoreas amtlicher Nachrichtenagentur Yonhap sollte bis Mitternacht (17:00 Uhr MESZ) der Wahlsieger feststehen. Als Favorit gilt der linke Politiker Lee Jae Myung.
Wahl in Südkorea: Mehr als 44 Millionen Wähler zugelassen
Update vom 2. Juni, 22.55 Uhr: In Kürze öffnen 14.295 Wahllokale in Südkorea. Ab 6 Uhr (23 Uhr deutscher Zeit) können Wahlberechtigte einen neuen Präsidenten wählen. Die Wahllokale bleiben bis 20 Uhr geöffnet – zwei Stunden länger als bei sonstigen Wahlen, wie die Korean Times berichtet. Grund dafür sei, dass es sich eine Nachwahl nach der Amtsenthebung des bisherigen Präsidenten Yoon Suk Yeol handelt.
Zugelassen zum Urnengang seien rund 44,39 Millionen Menschen. Bereits vor dem eigentlichen Wahltermin sollen 15,42 Millionen Menschen ihre Stimme bereits abgegeben haben – mit 37,4 Prozent handele es sich dabei um die zweithöchste Wahlbeteiligung des Landes.
Erstmeldung: Seoul – Am 3. Juni ist es so weit: Südkorea wählt einen neuen Präsidenten. Nach dem Putschversuch Anfang Dezember wurde der ehemalige Präsident Yoon Suk-yeol abgesetzt. Yoon hatte am 3. Dezember 2024 unerwartet das Kriegsrecht verhängt. Soldaten der südkoreanischen Armee sollten das Parlament in Seoul abriegeln. Doch aus dem Putschversuch wurde nichts.
Drei Kandidaten kämpfen jetzt um die südkoreanische Präsidentschaft. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Oppositionsführer Lee Jae-myung von der Deobureo-minju-dang Partei (kurz DP). Die DP ist liberal ausgerichtet und möchte den Sozialstaat weiter ausbauen. Weiter hat Lee eine versöhnlichere Einstellung gegenüber Nordkorea als sein Amtsvorgänger Yoon.
Für die bisherige konservative Regierungspartei Gungminui-him (PPP) geht Kim Moon-soo ins Rennen. Während einige Parteimitglieder hinter der Absetzung des Präsidenten Yoon standen, witterten andere eine großangelegte Verschwörung. Kim gilt im Umgang mit Nordkorea als Hardliner und ist politisch sehr konservativ eingestellt. Lee Jun-seok von der Mitte-rechts-Partei Gaehyeok sindang (RP) gilt hingegen als weitgehend chancenlos, wie die Bundeszentrale für politische Bildung über die kommende Wahl schreibt.
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Wer gewinnt die Südkorea-Wahl? Umfragen und Prognosen zeigen deutlichen Trend
In den letzten Umfragen vor der Wahl führte Oppositionsführer Lee deutlich mit 48–50 Prozent. An zweiter Stelle folgte PPP-Kandidat Kim mit 37–40 Prozent. Der Ausgang der Wahl scheint somit recht sicher. Sollte alles glattgehen, dürfte Lee die Südkorea-Wahl mit deutlicher Mehrheit gewinnen.
Am Donnerstag hatte bereits die Stimmabgabe für die Präsidentschaftswahl begonnen. In den vergangenen Jahren haben zunehmend mehr Südkoreaner von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch gemacht. Bei der Präsidentschaftswahl 2022 gaben bereits 37 Prozent ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltag ab. Am Donnerstag lag die Wahlbeteiligung bereits bei 19,6 Prozent – und war damit die höchste jemals in Südkorea bei einer vorzeitigen Wahl am ersten Tag erzielte Quote. Auch die Wahlbeteiligung im Ausland erreichte mit vier Fünfteln der insgesamt 1,97 Millionen Wahlberechtigten einen historischen Höchststand.
Südkorea-Wahl: Rekordergebnis bei vorzeitiger Stimmabgabe
Auch Oppositionskandidat Lee gab seine Stimme bereits am Donnerstagmorgen in der Hauptstadt Seoul ab. Dort sagte er vor Journalisten: „Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass eine Stimme mehr Macht hat als eine Kugel.“ Selbst ein Aufstand könne „nur durch die Beteiligung der Bevölkerung an der Wahl wirklich überwunden werden“. Laut einer Gallup-Umfrage gaben mehr als die Hälfte von Lees Anhänger an, dass sie vorzeitig wählen wollten, während dies nur 16 Prozent der Anhänger von Kim vorhatten.
Kim hat angekündigt, dass er seine Stimme in Incheon westlich von Seoul abgeben wird. Seine Entscheidung, vorzeitig zu wählen, hat viele Menschen in rechtsgerichteten Kreisen überrascht, wo Verschwörungstheorien zu Wahlbetrug – insbesondere bei der vorzeitigen Stimmabgabe – weit verbreitet sind. Der 37-Jährige versicherte seinen Anhängern jedoch, dass es „keinen Grund zur Sorge“ gebe. „Wenn Sie zögern, frühzeitig zu wählen, und dann die Hauptwahl verpassen, wäre das ein großer Verlust“, sagte der konservative Kandidat. (sischr/afp)