Epsteins Trump-Bänder laut Biograf zu brisant für eine Veröffentlichung
VonMax Nebel
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Neue Epstein-Enthüllungen erschüttern Trumps Präsidentschaft. Das Justizministerium schließt eine Veröffentlichung aus.
Washington, D.C. – Die Affäre um die sogenannten „Epstein-Bänder“ und ihre Brisanz für Donald Trump ebbt nicht ab. Der prominente Biograf Michael Wolff hält laut eigenen Angaben stundenlange Tonbandaufnahmen von Gesprächen mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein über den amtierenden US-Präsidenten zurück – und begründet dies mit deren Sprengkraft.
Epsteins Trump-Bänder laut Biograf zu brisant für eine Veröffentlichung
„Ich habe mit unzähligen Medienhäusern über diese Tapes gesprochen, und immer heißt es am Ende: ‚Das ist zu heiß, das kann keiner verantworten.‘ Und das sagen führende Medienunternehmen“, sagte Wolff in dem Podcast The Court of History mit Sidney Blumenthal und Sean Wilentz.
Der Skandal um Trumps langjährige und dokumentierte Freundschaft mit Epstein hat sich zuletzt massiv zugespitzt – nicht zuletzt, weil das US-Justizministerium diese Woche erklärte, so die Washington Post, es gebe keine Liste von prominenten Männern in Epsteins Umfeld und keine belastbaren Hinweise auf Erpressung oder Mord. Justizministerin Pam Bondi, eigentlich eng mit Trumps Basis verbunden, erklärte wörtlich: „Es gibt keine Klientenliste.“ Noch im Februar hatte Bondi das Gegenteil behauptet und gesagt, die Liste liege „auf meinem Schreibtisch und werde für die Veröffentlichung vorbereitet“.
Die sogenannte „Klientenliste“ gilt als so brisant, weil sie vermutlich Namen von Politikern, Prominenten und anderen einflussreichen Personen enthält, die mit Epsteins Taten in Verbindung stehen könnten. Ihre Veröffentlichung hätte das Potenzial, Karrieren zu zerstören, politische Systeme zu erschüttern, juristische Konsequenzen nach sich zu ziehen und Verschwörungstheorien sowie das allgemeine Misstrauen gegenüber den Eliten weiter anzuheizen. Schon das Gerücht um eine solche Liste entfalte gewaltige Sprengkraft in der Öffentlichkeit, urteilt die Washington Post.
Brisante Bänder: Wolff spricht von „Stunden über Stunden“ mit Epstein über Trump
Michael Wolff, der unter anderem durch Enthüllungsbücher über Trump und das Weiße Haus bekannt wurde, beschreibt die Aufnahmen in seinem Podcast als „Stunden und Stunden“ von Gesprächen mit Epstein, in denen es explizit um Trump und seine privaten wie geschäftlichen Machenschaften gehe. „Ich warte noch auf den richtigen Moment, diese Geschichte zu erzählen“, so Wolff. Medienhäuser hätten aber bislang Angst, diese Inhalte zu veröffentlichen. Besonders brisant: Auf den Tapes spreche Epstein unter anderem über Trumps Umgang mit Frauen, seine vermeintliche „Skrupellosigkeit“ und seine engen Verbindungen zu Epstein selbst. Laut Wolff schildert Epstein, er sei „Trumps engster Freund“ gewesen und habe Dinge erlebt, „die die Welt schockieren würde“.
Die Inhalte der Aufnahmen, wie von Wolff beschrieben, decken sich mit anderen Berichten: So schilderte Epstein im Gespräch mit Wolff, Trump sei „charmant, immer unterhaltsam, aber auch ein notorischer Betrüger in seinen Ehen und liebe es, mit den Ehefrauen seiner besten Freunde zu schlafen“. Wolff habe Fotos gesehen, auf denen Trump gemeinsam mit Epstein und jungen Mädchen zu sehen sei; diese Aufnahmen vermutet er heute im Besitz des FBI.
Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen
Streit um Veröffentlichung: Trump, Bondi und die zerrissene MAGA-Basis
Die Reaktionen in Trumps eigener republikanischen Partei und Basis sind heftig, wie unter anderem die New York Times berichtet. Während Trump auf Truth Social seine Generalstaatsanwältin Bondi demonstrativ in Schutz nimmt – „Lasst Pam Bondi ihre Arbeit machen – sie ist großartig!“ – tobt in konservativen Kreisen ein offener Machtkampf. In Tampa, Florida, bei einem Treffen der rechten Organisation Turning Point USA, forderten Teilnehmer lautstark Bondis Entlassung. „Trump, wir haben dich gewählt, weil du anders sein solltest – beweise es!“, zitiert NBC News eine 24-jährige Teilnehmerin.
Auch Trumps langjährige Unterstützer wenden sich gegen ihn. Ex-Abgeordneter Anthony Sabatini nannte Trumps Auftritt, ebenfalls gemäß NBC News, „abgehoben“: „Trump verliert den Bezug.“ Die Loyalität innerhalb des Trump-Lagers gerät ins Wanken. FBI-Direktor Kash Patel und dessen Stellvertreter Dan Bongino, beide zuvor glühende Verfechter von Epstein-Verschwörungstheorien, gelten mittlerweile als Kritiker von Bondi. Bongino, so berichten US-Medien, habe nach einem offenen Streit mit Bondi über deren Umgang mit den Epstein-Dokumenten sogar mit Rücktritt gedroht.
Jeffrey Epstein und Donald Trump bei einer Veranstaltung in früheren Jahren (links). Rechts: US-Justizministerin Pam Bondi, die im aktuellen Skandal um die „Epstein-Akten“ im Zentrum der politischen Debatte steht.
Elon Musk: „Ein System, in dem Täter nie belangt werden“
Noch deutlicher wurde Elon Musk: Der Tech-Milliardär und Ex-Trump-Berater forderte öffentlich die vollständige Veröffentlichung der Epstein-Dateien. „Was ist das für ein System, in dem Tausende Kinder missbraucht werden, die Regierung Beweise hat – und keiner der Täter wird angeklagt?“, schrieb Musk auf seiner Social-Media-Plattform X.
Derweil ist weiter unklar, was auf den von der Polizei sichergestellten Festplatten und USB-Sticks aus Epsteins New Yorker Anwesen gespeichert ist. „Was sich darauf befindet, wissen wir bis heute nicht“, sagte Dave Aronberg, Ex-Staatsanwalt in Palm Beach County, am Wochenende im US-Fernsehen, wie das Portal Raw Story bemerkt. „Ich glaube, es gibt viele Bilder und Hinweise auf verschiedene Personen. Vielleicht glaubt das Justizministerium, es reicht nicht für eine Anklage.“
Zentrale Ereignisse im Epstein-Trump-Skandal
Datum
Ereignis
2008
Epstein schließt Deal mit Staatsanwaltschaft, erhält milde Haftstrafe
6. Juli 2019
Epstein wird erneut verhaftet, neue Anklagen wegen Menschenhandels
10. August 2019
Epstein stirbt im Gefängnis, offiziell Suizid
12. August 2019
FBI durchsucht Epsteins Anwesen auf Little Saint James
2019–2023
Zahlreiche Ermittlungen und Untersuchungen zu den Todesumständen, Justizskandal
Juni 2023
Justizministerium bestätigt offiziell Suizid, schließt Fremdverschulden aus
Februar 2025
Pam Bondi spricht öffentlich von „Klientenliste auf ihrem Schreibtisch“
Juli 2025
FBI und Justizministerium bekräftigen erneut: Keine Klientenliste, kein Fremdverschulden
Juli 2025
Journalist Michael Wolff erklärt, Epstein-Tapes seien „zu brisant“ für Veröffentlichung
Juli 2025
Offener Streit in Trumps Basis über Akten, Trump verteidigt Bondi öffentlich
US-Justizministerium: Keine „Klientenliste“, Fall Epstein offiziell geschlossen
Das US-Justizministerium und das FBI erklärten am Wochenende erneut, der Fall Epstein sei offiziell abgeschlossen, es gebe keine neue Beweislast gegen prominente Dritte. Bereits in den Monaten zuvor hatten Trump und führende Republikaner immer wieder angekündigt, sämtliche Epstein-Dokumente „ohne Ausnahme“ offenzulegen – was nun durch die Stellungnahme des Ministeriums faktisch revidiert wurde, schreibt die Washington Post. Die Entscheidung löste in Trumps Basis einen Sturm der Entrüstung aus, zahlreiche rechte Meinungsmacher und Influencer sprechen offen von Vertuschung und drohen mit politischen Konsequenzen.
Steve Bannon, Trumps langjähriger Weggefährte, forderte gemäß NBC News die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers für den Epstein-Komplex: „Epstein ist der Schlüssel, der so viele Türen aufschließt – zu Individuen, aber auch Institutionen und Regierungen.“
Die „Epstein-Bänder“ als Gefahr für Trump
Wolffs zurückgehaltene Aufnahmen und die wachsende Ungeduld konservativer Kreise verdeutlichen die politische Sprengkraft des Falls. Ein hoher Trump-Mitarbeiter sagte dem Magazin Rolling Stone: „Er macht es seinen treuesten Anhängern verdammt schwer, nicht zu glauben, dass sein Name tatsächlich in den Epstein-Files steht.“
Wolff selbst nennt die Freundschaft zwischen Trump und Epstein „eine der zentralen Geschichten unserer Zeit“. Die Tatsache, dass sich bislang kein Verlag traue, seine Bänder zu veröffentlichen, mache ihn fassungslos: „Ich kann nicht glauben, dass niemand diese Geschichte erzählen will, nicht einmal aus kommerziellen Gründen.“
Die innerparteiliche Krise im Trump-Lager hält an. Trumps verzweifelte Appelle zur Geschlossenheit verpuffen bislang wirkungslos. Die von Medien und Wolff beschriebenen Tondokumente über das Verhältnis zwischen Trump und Epstein könnten zum größten Risiko für die politische Zukunft des Präsidenten werden – sofern sie je veröffentlicht werden.