VonBedrettin Bölükbasischließen
Griechenland eilte nach dem Erdbeben in der Türkei sofort zur Hilfe. Außenminister Dendias wurde dort nun von seinem Amtskollegen Cavusoglu am Flughafen mit einer Umarmung empfangen.
München – Bei dem verheerenden Erdbeben im Süden der Türkei haben in dem Land bislang fast 25.000 Menschen ihr Leben verloren. Rettungsteams aus unzähligen Ländern sind der herbeigeeilt, um die Überlebenden aus Trümmern zu befreien und die Türkei zu unterstützen. Dazu gehört ausgerechnet auch Griechenland, obwohl es mit der Türkei immer wieder zu schweren Spannungen kommt. Im Moment aber scheinen die Differenzen auf beiden Seiten der Ägäis vollkommen bedeutungslos zu sein.
Türkisch-griechische Umarmung nach Erdbeben – „sehr froh, ihn hier zu haben“
Griechenland war eines der ersten Länder, die nach dem Erdbeben am 6. Februar in der südtürkischen Stadt Kahramanmaras vor Ort eingetroffen waren. Bewegende Bilder gingen schon in den ersten Tagen durch die Medien, als griechische Rettungsarbeiter ein kleines Kind aus den Trümmern befreiten und schließlich mit Tränen in den Augen auf den Boden sackten. Der griechische Staatssender eröffnete das Tagesprogramm mit Bildern aus dem Erdbebengebiet und türkischen Liedern, während die griechischen Teams in der Türkei als Helden gefeiert wurden.
Die aktuelle Annäherung der beiden Seiten im Hintergrund des Erdbebens hat sich am Sonntag (12. Februar) auch auf der politischen Ebene deutlich gemacht. Der griechische Außenminister Nikos Dendias landete in der vom Erdbeben getroffenen Stadt Adana und wurde dort am Flughafen von seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu empfangen. Es blieb nicht bei einem trockenen Handschlag: Die zwei Top-Diplomaten umarmten sich. Es sind erstaunliche Bilder, denn noch vor einem Jahr war es zwischen den beiden Außenministern zu einer äußerst hitzigen und angespannten Pressekonferenz in Ankara mit gegenseitigen Vorwürfen gekommen. Doch nun scheint davon nicht mal Schimmer geblieben zu sein.
„Ich bin sehr froh, ihn hier zu haben“, sagte Cavusoglu jetzt stattdessen in einer kurzen Stellungnahme gegenüber dem griechischen Sender Skai. „Ich wünschte, ich wäre für glücklichere Themen hier, aber die Lage ist nunmal so“, erklärte Dendias seinerseits, bevor die beiden Minister Schulter an Schulter weiterliefen.
Greek Foreign Minister Nikos Dendias arrives in Türkiye's southern Adana province after powerful earthquakes struck the region, welcomed by Turkish Foreign Minister Mevlut Cavusoglu
— ANADOLU AGENCY (@anadoluagency) February 12, 2023
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Erdbeben in der Türkei: Athen will offenbar noch mehr Hilfe auch auf europäischer Ebene
Im Anschluss an ihre Gespräche stellten sich Dendias und Cavusoglu für ein gemeinsames Statement vor die Kameras. Die griechischen Teams würden seit ihrer Ankunft „Tag und Nacht, rund um die Uhr“ arbeiten, sagte der türkische Außenminister. „Gute Nachbarschaft zeigt sich in solchen Tagen“, ergänzte er. Schon beim Erdbeben in der Ägäis im Oktober 2020 habe er betont: „Wir müssen nicht auf ein weiteres Erdbeben oder eine weitere Katastrophe warten, um unsere Beziehungen zu verbessern.“ Heute sei er immer noch dieser Meinung. Auch damals hatten sich die Türkei und Griechenland gegenseitig geholfen. Cavusoglu bedankte sich „bei meinem Freund Nikos Dendias“, der griechischen Regierung und der Bevölkerung des Nachbarlandes „für die Hilfe in diesen schwierigen Tagen“.
Dendias äußerte sich ähnlich. „Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht auf ein neues Erdbeben warten müssen, um unsere Beziehungen zu verbessern“, sagte er. Zudem versprach Dendias weitere Hilfe. Athen werde sowohl auf bilateraler Ebene als auch auf europäischer Ebene alles tun, „damit diese schwierigen Tage zurückgelassen werden“. Er sei stolz darauf, dass griechische Bürger aushelfen würden. Daneben bedankte er sich für die türkische „Gastfreundlichkeit“. Ob die sogenannte „Erdbeben-Diplomatie“ zu einer dauerhaften Verbesserung der Beziehungen führt, bleibt zu sehen. Ohne Zweifel zeigt diese Katastrophe jedoch, dass hierfür sehr wohl Raum besteht. (bb)
