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Die türkische Regierung reagiert erbost auf eine Erdogan-Puppe, die in Stockholm kopfüber aufgehängt wurde. Ankara bestellt den schwedischen Botschafter ein.
Ankara - Zwischen Schweden und der Türkei nehmen die Spannungen erneut zu. Der schwedische Botschafter in Ankara, Staffan Herrström, wurde ins Außenministerium bestellt. Zudem wurde der Besuch des schwedischen Parlamentspräsidenten Andreas Norlen am 17. Januar durch seinen türkischen Amtskollegen Mustafa Şentop abgesagt. Grund dafür sind Proteste in der Nähe des Rathauses, die sich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine AKP-Regierung richten. Dabei wurde eine Erdogan-Puppe kopfüber aufgehängt.
Turkey summons Swedish ambassador over Erdogan puppet protest in Stockholm https://t.co/kQmXdbrw4H pic.twitter.com/bktAeDSXVO
— Mutlu Civiroglu (@mutludc) January 13, 2023
Türkei wirft Demonstranten Terrorismus vor
„Die PKK und YPG legen Schweden Minen auf den Weg zur Nato-Mitgliedschaft. Es liegt nun an Schweden, ob es diese Minen räumt oder wissentlich darauf tritt“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstagabend dazu - und machte damit die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG verantwortlich, die Ankara als Ableger der PKK sieht.
Ähnlich äußerte sich auch der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidialamtes. „Wir verurteilen auf das Schärfste, dass Mitglieder der terroristischen Organisation PKK in Schweden die Türkei und ihren demokratisch gewählten Präsidenten ins Visier genommen haben. Wir fordern die schwedischen Behörden nachdrücklich auf, unverzüglich die notwendigen Schritte gegen terroristische Gruppen zu unternehmen“.
We condemn in the strongest possible terms the targeting of Türkiye and its democratically elected president by members of the terrorist organization PKK in Sweden.
— Fahrettin Altun (@fahrettinaltun) January 12, 2023
We urge the Swedish authorities to take necessary steps against terrorist groups without further delay. https://t.co/B13nyTE1TV
Schwedischer Außenminister verurteilt Protestaktion in Stockholm
Auch der schwedische Außenminister Tobias Billström hat sich in die Diskussion eingeschaltet und die Proteste in der schwedischen Hauptstadt verurteilt. „Die Regierung setzt sich für eine offene Debatte über politische Entscheidungen ein, lehnt aber Drohungen und Hass gegen politische Vertreter entschieden ab. Die Darstellung eines hingerichteten gewählten Präsidenten vor dem Rathaus ist bedauerlich“, empörte sich Billström auf Twitter.
Regeringen värnar en öppen debatt om de politiska vägvalen men tar starkt avstånd från hot och hat mot politiska företrädare. Att porträttera en folkvald president som avrättad utanför Stadshuset är avskyvärt.
— Tobias Billström (@TobiasBillstrom) January 12, 2023
Hinter der Protestaktion steht offenbar eine schwedische Organisation, die sich selbst als „ein Netzwerk für Solidarität und Austausch mit der revolutionären Bewegung in ganz Kurdistan“ bezeichnet. Schweden hatte gemeinsam mit Finnland im Mai 2022 Antrag auf eine Aufnahme in die Nato gestellt. Der Prozess hängt derzeit aber an einer Blockade der Türkei.
Türkei wirft Schweden Unterstützung von Terrororganisationen vor
Die Erdogan-Regierung wirft Schweden vor, nicht entschieden genug gegen Personen und Gruppierungen vorzugehen, die Ankara „terroristisch“ nennt. Zudem fordert Ankara die Auslieferung von mehreren Türkeistämmigen, unter ihnen auch mehrere Journalisten. Die schwedische Regierung hatte zuletzt den Forderungen von Erdogan eine Absage erteilt. Die Türkei habe „Forderungen, die wir nicht erfüllen können und wollen“, hatte Ministerpräsident Ulf Kristersson bei einer Sicherheits- und Verteidigungskonferenz am vergangenen Sonntag im westschwedischen Sälen gesagt. (Erkan Pehlivan/dpa)
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