Streit um Korruption

Verdienen am Erdbeben-Unglück: Bevorteilt Erdogan seine „Fünferbande“ beim Wiederaufbau?

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100.000 Gebäude wurden nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei ganz oder teilweise zerstört. Durch einen Erlass könnte vor allem die „Fünferbande“ davon profitieren.

Ankara – Das verheerende Erdbeben in der Türkei am 6. Februar hat über 100.000 Gebäude ganz oder nur teilweise gestört. Diese sollen jetzt schnellstmöglich wiederaufgebaut werden. „Wir werden alles von null aufbauen, aber gestattet uns ein Jahr dafür“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Investitionen in die Gebäude und andere Infrastruktur dürften in die Milliarden gehen. Schon jetzt laufen die ersten Arbeiten dazu. Doch es gibt Streit.

Erdbeben in der Türkei: Streit um Erlass von Erogan – Keine Mitbestimmung bei Wiederaufbau

Denn zur Beschleunigung der Bauarbeiten hat Erdogan einen neuen Erlass verfügt. Die neuen Regelungen verhindern praktisch jegliche Widersprüche gegen die Bauarbeiten. Einen Stopp zu erwirken, ist nahezu ausgeschlossen. Denn Erdogans Erlass gibt vor allem dem Städtebauministerium umfangreiche Befugnisse.

Experten kritisieren das Vorgehen. „Normalerweise haben die Stadtverwaltungen und Nichtregierungsorganisationen ein Mitspracherecht bei solchen Bebauungen. Mit diesem Erlass wird ihnen das Recht auf Mitsprache und Mitbestimmung weggenommen“, gibt der ehemalige Staatsanwalt im Schweizer Exil im Gespräch, Hasan Dursun, mit fr.de von IPPEN.MEDIA zu bedenken.

Erdbeben in der Türkei und in Syrien: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Erdbeben erschüttern Türkei und Syrien
Zivilschutzmitarbeiter und Anwohner durchsuchen die Trümmer eingestürzter Gebäude nach Überlebenden. © Ghaith Alsayed/AP/dpa
Erdbeben
Die Moschee in Malatya (Türkei) wurde durch das Erdbeben zerstört. © Uncredited/DIA Images/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Frauen weinen, während sie zusehen, wie die Rettungskräfte in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana nach Menschen suchen. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbeben
Menschen und Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Bahre aus einem eingestürzten Gebäude in Adana. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Rettungskräfte suchen nach Menschen in den Überresten der zerstörten Häuser. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien
Ein Mann sucht nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Bild der Verwüstung: Eingestürzte Gebäude in Aleppo in Syrien. © -/SANA/dpa
Erdbeben
Die Zahl der Opfer des Erdbebens steigt am Dienstagmorgen auf fast 5000. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Zivilisten und Mitglieder des syrischen Zivilschutzes bergen in Harem in der Region Idlib ein Erdbebenopfer. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe
Dichter schwarzer Rauch steigt auf aus brennenden Containern im Hafen von Iskenderun in der Türkei. © Serdar Ozsoy/Depo Photos/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Gaziantep
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in den Trümmern von Gebäuden in Gaziantep. © Muhammad Ata/IMAGESLIVE/ZUMA/dpa
Erdbebenkatastrophe
Notfallteams suchen nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana. © Hussein Malla/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Idlib
Idlib in Syrien: Mit allen Mitteln versuchen Rettungskräfte die unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen zu retten. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe - Adana
Zwei Männer tragen eine Leiche aus einem zerstörten Gebäude. © Hussein Malla/AP/dpa

Erlass von Erdogan: Wälder können trotz Schutz nach Erdbeben in der Türkeei bebaut werden

Zugleich beklagt der Experte das Fehlen von Kontrollmechanismen. Nach dem Erdbeben in insgesamt zehn Provinzen herrscht in der Katastrophenregion der Ausnahmezustand, wodurch der türkische Präsident praktisch „das Sagen“ habe. Nun bestehe die Gefahr, dass die Verfassung nicht beachtet werde. „Wälder, die von der Verfassung geschützt sind, können zu Bauflächen umgewandelt werden“, kritisiert der Jurist. Somit eröffne der Erlass des türkischen Präsidenten der Korruption Tür und Tor, warnt der ehemalige Staatsanwalt. „Welche Firma in der Katastrophenregion bauen will, kann vom Präsidenten bestimmt werden. Dadurch entsteht wieder Freiraum für Schmiergeldzahlungen“, so Dursun.

Türkei nach dem Erdbeben: Milliardengeschäfte für „Fünferbande“ in Erdbebenregion

Gemeint ist die sogenannte „Fünferbande“. Dahinter stecken fünf Geschäftsmänner und ihre Konzerne (Cengiz Holding, Limak Holding, Kolin Holding, Kalyon Grubu und Makyol Grubu), die die meisten staatlichen Großaufträge unter sich aufteilen. Unter anderem sollen ihnen 418 Milliarden US-Dollar Steuern erlassen worden sein. Diese Unternehmen hatten erst kürzlich bei der großen TV-Spendengala für die Erdbebenregion Gelder gespendet und damit Spott den Opposition geerntet. „Liebe Fünferbande. Eure Leistung heute Abend hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Hebt die Kontoauszüge auf. Ich werde das Geld von euren 418 Milliarden-Schulden abziehen“, schrieb Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu auf Twitter.

Auch die pro-kurdische HDP kritisiert immer wieder die „Fünferbande“, die immer wieder staatliche Hilfen erhält. „Ihr werdet die Garantiezahlungen und die milliardenschweren Steuererlasse zurücknehmen“, hatte die Abgeordnete und stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der HDP, Meral Danis Bestas, im Mai vergangenen Jahres in einer Pressekonferenz gesagt. (Erkan Pehlivan)

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