VonChristian Störschließen
Bei der Parlamentswahl in Südkorea zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Das macht auch die letzte Umfrage vor der Abstimmung deutlich.
Seoul – Am 10. April findet in Südkorea die Parlamentswahl 2024 statt. Der Ausgang scheint völlig offen. Umfragen zufolge könnte es zu einem knappen Rennen zwischen den beiden größten Parteien kommen, die seit Jahren die Politik in Asiens viertgrößter Volkswirtschaft bestimmen. Wer am Ende die Nase vorne haben wird, ist derzeit aber noch nicht abzusehen.
Die Wahl gilt auch als Zwischenbewertung der konservativen Regierung von Präsident Yoon Suk Yeol, der seit Mai 2022 im Amt ist. Yoons Volksmacht-Partei (PPP) hat jedenfalls ein klares Ziel: Sie will in der Nationalversammlung die Mehrheit von der linksliberalen Demokratischen Partei (Minju) zurückgewinnen. Diese wird von Lee Jae Myung angeführt, der erst im Januar von einem Mann niedergestochen wurde.
Letzte Umfrage zur Südkorea-Wahl 2024: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen PPP und Minju erwartet
In der letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup Korea vor der Wahl steht die PPP zwar auf Platz eins, doch ihr Vorsprung ist möglicherweise nicht groß genug, um dem progressiven Block die Kontrolle über das Parlament zu entreißen. Zudem gaben immerhin 17 Prozent der Befragten an, noch unentschlossen zu sein, wem sie bei der bevorstehenden Wahl in Südkorea ihre Stimme geben werden.
Auffallend ist zum zweiten, dass die erst am 3. März vom ehemaligen Justizminister Cho Kuk gegründete Partei für den Wiederaufbau Koreas in der jüngsten Gallup-Umfrage um vier Prozentpunkte auf zwölf Prozent stieg. Cho ist ein lautstarker Kritiker der Regierung Yoon, die er laut Korea JoongAng Daily als „von Staatsanwälten geführte Diktatur“ bezeichnet hat. Voraussichtlich wird die RKP ein Bündnis mit der progressiven Demokratischen Partei eingehen.
| Partei | Ergebnis in % |
|---|---|
| PPP | 37 |
| Minju | 29 |
| Cho-Kuk-Partei | 12 |
| GSP | 3 |
| GJP | 1 |
| Offen | 17 |
(Hinweis: Gallup Korea befragte vom 26. bis 28. März insgesamt 1001 Menschen in Südkorea. Die Fehlerquote beträgt +- 3,1 Prozentpunkte.)
Letzte Umfrage in Südkorea sagt enges Rennen bei Parlamentswahl voraus
Das Wahlsystem in Südkorea ist äußerst kompliziert. Insgesamt stimmt das Volk über 300 Mandate in der Nationalversammlung ab. Davon werden 253 Abgeordnete direkt in einfacher Mehrheitswahl in den Wahlkreisen gewählt, 47 im Proporzverfahren über Parteilisten. Überdies schicken die großen Parteien in der Regel auch noch Schwesterparteien in die Wahl. Laut Angaben der staatlichen Wahlkommission haben sich diesmal mehr als 950 Kandidierende und 38 Parteien registrieren lassen.
Im Präsidialsystem des Landes laufen die wichtigsten Entscheidungen über das Staatsoberhaupt. Der Präsident kann auch gegen eine Mehrheit der Opposition im Parlament regieren, doch können in diesem Fall wichtige Vorhaben der Regierung von der Opposition blockiert werden. Die Wahl eines neuen Parlaments ist alle vier Jahre, eines neuen Präsidenten alle fünf Jahre vorgesehen. (cs/dpa)
