Nordmazedonien und Albanien sind nun nach langer Wartezeit in der ersten Phase der Beitrittsverhandlungen mit der EU.
Brüssel in Belgien - Als "historischen" Schritt, bezeichnete dies EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag in Brüssel. Die beiden Westbalkanländer harren schon seit Jahren im Wartesaal der EU aus:
Nordmazedonien
Das Land mit rund 2,1 Millionen Einwohnern ist bereits seit 2005 offizieller EU-Beitrittskandidat. Doch wegen Bedenken einzelner Mitgliedsländer war der Beginn der Beitrittsverhandlungen jahrelang blockiert. Der Erweiterungsprozess erfordert einstimmige Beschlüsse der Mitgliedsländer.
Vorbehalte des EU-Mitglieds Bulgarien konnten nun ausgeräumt werden. Nordmazedonien stimmte einer EU-vermittelten Verfassungsänderung zu. Damit werden unter anderem die Bulgaren im Land als ethnische Minderheit anerkannt.
Auch vorher hatte Nordmazedonien einiges für die Annäherung an die EU getan: Das frühere Mazedonien ergänzte 2019 seinen Namen um den Vorsatz "Nord", um einen Konflikt mit Athen über eine gleichnamige Region in Griechenland auszuräumen. Das ebnete der früheren jugoslawischen Republik ein Jahr später den Weg in die Nato.
Albanien
Das Land mit rund 2,8 Millionen Einwohnern sah sich lange als "Geisel" des Streits um Nordmazedonien. Denn die EU wollte die Beitrittsverhandlungen mit den Regierungen in Tirana und Skopje gleichzeitig eröffnen. Die EU-Kommission hatte beiden Staaten bereits 2018 bescheinigt, dafür die nötigen Reformen umgesetzt zu haben.
Albanien hatte sich nach dem Fall des Kommunismus dem Westen zugewandt und trat bereits 2009 der Nato bei. Im selben Jahr beantragte Albanien den EU-Beitritt, seit 2014 hat das Land den Kandidatenstatus.
Als besonders problematisch in Albanien gelten die Korruption und die organisierte Kriminalität. Außerdem sind wie in Nordmazedonien weitere Reformen in Justizsystem und Verwaltung nötig sowie eine Umsetzung der vielfältigen europäischen Rechtsvorschriften. Der Prozess dürfte viele Jahre in Anspruch nehmen. Im Gegenzug versprechen sich die Europäer eine Stabilisierung auf dem Westbalkan gegen russischen und chinesischen Einfluss. lob/dja