Vor dem Internationalen Weltfrauentag

EU: Erstmals Sanktionen wegen Gewalt gegen Frauen verhängt

+
Wopke Hoekstra

Die Europäische Union hat erstmals Sanktionen wegen Gewalt gegen Frauen verhängt.

Brüssel in Belgien - Kurz vor dem Internationalen Weltfrauentag hat die Europäische Union erstmals Sanktionen wegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen verhängt. Die Strafmaßnahmen richten sich unter anderem gegen Minister der radikalislamischen Taliban in Afghanistan sowie gegen hochrangige russische Militär- und Polizeiangehörige, wie aus der Sanktionsliste hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Brüssel vorlag. Insgesamt verhängt die EU demnach Vermögens- und Einreisesperren gegen neun Verantwortliche und drei Institutionen.

Die Sanktionen richten sich unter anderem gegen den afghanischen Minister für höhere Bildung, Neda Mohammed Nadim, sowie den Minister „für die Verbreitung der Tugend und Vorbeugung des Lasters“, Scheich Muhammad Chalid Hanafi. Die EU wirft den beiden Angehörigen der radikalislamischen Taliban vor, Frauen und Mädchen zu unterdrücken und systematisch von Schulen und Universitäten fernzuhalten.

Die russischen Verantwortlichen in Militär und Polizei sollen unter anderem Frauen-Proteste gegen den Ukraine-Krieg unterdrückt und teils sexuelle Gewalt gegen Demonstrantinnen ausgeübt haben. Auch Verantwortliche aus dem Sudan und aus Myanmar sowie ein Frauengefängnis im Iran stehen auf der Sanktionsliste, die am Dienstag mit Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft treten sollte.

„Es ist das erste Mal, dass die EU für die Opfer von sexueller Gewalt in der Welt eintritt“, erklärte das niederländische Außenministerium, das nach eigenen Angaben eine feministische Außenpolitik vertritt. Außenminister Wopke Hoekstra zeigte sich überzeugt, dass die Sanktionen auf andere mögliche Gewalttäter eine abschreckende Wirkung haben. lob/gt

Stündlich werden fünf Mädchen und Frauen durch Familienmitglied getötet

Jede Stunde werden weltweit fünf Mädchen und Frauen von einem Familienmitglied oder ihrem Partner getötet. Im Jahr 2021 waren es insgesamt 45.000 Todesfälle, wie laut einer Mitteilung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) vom Dienstag aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Dies entspreche über der Hälfte aller Mordfälle an Frauen. Zudem erfahre eine von drei Frauen weltweit in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt.

„Geschlechtsspezifische Gewalt ist Ausdruck ungleicher Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern, die sich in Familien und in der gesamten Gesellschaft manifestieren“, mahnte DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg vor dem internationalen Frauentag am Mittwoch. Die Gewalt untergrabe „die Freiheit und das Potenzial von Frauen weltweit“. Kreutzberg forderte eine „umfassende Sexualaufklärung“ für Jungen und Männer, um „überholte Geschlechterbilder abzulegen“.

Am höchsten war das Tötungsrisiko für Frauen 2021 laut dem UN-Bericht in Afrika. Dort gab es stündlich pro hunderttausend Frauen durchschnittlich zweieinhalb sogenannte Femizide, also Tötungen von Frauen vor dem Hintergrund von Besitz- und Machtfantasien. Der weltweite Durchschnitt zählt stündlich 1,1 Femizide pro hunderttausend Frauen, während es in Europa 0,6 Tötungen sind. tbh/cfm

Kommentare