Anders sieht es laut einer Umfrage des Europaparlaments aber im Osten der EU aus.
Brüssel – In dem Begleittext zu einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Europaparlaments heißt es, es gebe ein „starkes Interesse der Bürger:innen an den Europawahlen“. Doch so ganz stimmt das nicht: So geben zwei von fünf Menschen an, sich nicht für die Wahl in zwei Monaten zu interessieren. In einigen Ländern, vor allem in Ost- und Südosteuropa, ist sogar eine Mehrheit „absolut nicht“ oder „nicht sehr“ daran interessiert. In Deutschland sagen sieben von zehn Befragten, die Wahl sei ihnen wichtig. Interessant: Europaweit gaben mehr als 70 Prozent der Befragten an, im Juni wahrscheinlich wählen gehen zu wollen. Unter den Parteien zeichnet sich die Union als stärkste Kraft ab.
Das „Eurobarometer“ beleuchtet seit 2007 zweimal im Jahr Einstellungen zur EU. Für die aktuelle Umfrage wurden im Februar und März gut 26 400 EU-Bürgerinnen und -Bürger befragt.
Im Allgemeinen sind demnach 41 Prozent der Befragten dem EU-Parlament gegenüber positiv eingestellt, 18 Prozent haben ein negatives Bild der Institution – ein etwas wohlwollenderes Bild als noch im Herbst. Die meiste Zustimmung gibt es in Portugal und Dänemark, die größte Ablehnung in Frankreich und Tschechien. Die Werte für Deutschland liegen nah am EU-Schnitt.
Europa und die Krisen: Menschen mit Politik unzufrieden
Teil der Umfrage war auch, wie die Menschen den Umgang der EU mit Krisen wie Corona beurteilen, der Wirtschaftslage, der Klimakrise oder dem Brexit. Die Urteile fallen dabei mehrheitlich negativ aus, am deutlichsten beim Thema Migration. Allerdings gab es keine Nachfragen dazu, ob sich die Menschen eine offenere oder noch stärker abschottende Politik wünschen. Mehr als 70 Prozent waren mit der Handhabe des Themas der EU unzufrieden, am größten ist die Ablehnung in den EU-Grenzstaaten Zypern, Griechenland und Malta.
Große nationale Unterschiede gibt es in der Sicht auf den Umgang der EU mit Russlands Angriff auf die Ukraine. Das Agieren der EU sehen etwa in Zypern und Slowenien weniger als ein Viertel der Menschen als zufriedenstellend an, in den skandinavischen Ländern sind es zwei Drittel.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Persönliche Lagen in der EU haben sich seit 2019 verschlechert
In Summe haben die Krisen zur Folge, dass die Menschen ihre persönliche Lage seit 2019 verschlechtert sehen. Nur jede zwanzigste Person gibt an, dass sich ihr Lebensstandard verbessert hätte, je knapp die Hälfte der Befragten sehen eine Stagnation oder Verschlechterung. Auch für die nahe und mittlere Zukunft herrscht Pessimismus vor. Am optimistischsten zeigten sich die Befragten in Dänemark, Irland und Litauen. (Daniel Roßbach)