Kleines Problem, große Wirkung: US-Militär lässt F-35-Kampfjets nicht mehr fliegen
VonMarkus Hofstetter
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Die Bundeswehr soll die US-amerikanische F-35 erhalten. Doch die Liste mit Mängeln bei dem Tarnkappenjet wird immer länger.
Bethesda - Der US-amerikanische Kampfflieger F-35 steht oft in den Schlagzeilen. Doch das ist nicht immer im Sinne des Herstellers Lockheed Martin. Denn dazu zählen auch Berichte über Probleme mit den Jets. Sogar Greenpeace warnte vor einer Vielzahl von Mängeln bei dem Flieger.
Fehler, unter anderem bei dem Triebwerk, führten dazu, der die F-35 im Jahr 2020 im Durchschnitt eine Verfügbarkeit von 54 Prozent hatte, 2021 waren es immerhin 61 Prozent. Dennoch ist das ein niedriger Wert, da die normale Verfügbarkeit eines modernen Kampfjets bei 80 Prozent liegt.
F-35-Jet muss am Boden bleiben: Schleudersitze können nicht richtig auslösen
Nun hat der Wunderflieger ein weiteres Problem. Das US-Portal AirForceTimes und andere Medien berichten, dass bei der F-35 ein Fehler bei den Schleudersitzen festgestellt wurde, diese lösen offenbar im Notfall nicht richtig aus. Dies führt dazu, dass derzeit die meisten der Kampfjets des US-Militärs am Boden bleiben müssen, wenn auch nur vorübergehend.
Der Fehler bei den Schleudersitzen wurde laut dem Sitz-Hersteller Martin-Baker bereits im April bei der Routineinspektion einer F-35 der US Air Force (USAF) entdeckt. Da dieser Fehler zunächst als ein isolierter Vorfall betrachtet wurde, wurde nicht sofort gehandelt. Erst im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Problem auf einen Produktionsfehler zurückzuführen ist.
F-35-Jet muss am Boden bleiben: Fehlendes Magnesiumpulver verhindert Zündung des Schleudersitzes
Ursache für den Defekt ist demnach, dass in einer Patrone Magnesiumpulver fehlt, das zur Zündung des Schleudersitzes und dem Öffnen des Fallschirms gebraucht wird. Zudem soll das Teil lose gewesen sein. Martin-Baker hat demnach den Produktionsprozess bereits umgestellt, sodass der Fehler nicht mehr auftritt.
Nachdem die Fehlerursache erkannt worden war, ordnete die US Air Force an, in 90 Tagen die Schleudersitz-Patronen der F-35-Jets, die innerhalb der USA im Einsatz sind, zu inspizieren. Das sind die meisten der rund 300 im Besitz der US-Luftwaffe befindlichen Jets. Es ist nicht bekannt, wie bei Tarnkappenjets, die von der USAF in Europa oder Japan geflogen werden, vorgegangen wird.
F-35-Jet muss am Boden bleiben: Nach erfolgreicher Inspektion können Maschinen der US-Airforce wieder in den Einsatz
Die Inspektionen in den USA starteten laut AirForceTimes am 19. Juli. Um den Vorgang zu beschleunigen wurde die betroffenen Flugzeuge zehn Tage später gegroundet. Nach erfolgreich durchlaufener Inspektion kann die Maschine sofort wieder in den Dienst zurückkehren. Es wird erwartet, dass im Laufe dieser Woche (Beginn 1. August) wieder eine normale Einsatzbereitschaft der F-35 vorliegen wird.
Die US-Luftwaffe hat zudem rund 300 weitere Kampfjets des Typs T-38 Talon und T-6 Texan II vorübergehend gegroundet, da in ihnen die gleichen Schleudersitz-Patronen von Martin-Baker verwendet werden. Dabei handelt es sich allerdings hauptsächlich um Trainingsflugzeuge.
F-35-Jet muss am Boden bleiben: Auch US Navy und US Marine Corps lassen Maschinen nicht fliegen
Auch die US Navy und das US Marine Corps lassen ihre F-35B- und F-35C-Jets während der laufenden Untersuchungen zunächst nicht mehr fliegen. Beide Teilstreitkräfte haben eine andere Vorgehensweise als die Luftwaffe. Sie wollen jedes einzelne Flugzeug direkt vor seinem Einsatz inspizieren, anstelle alle auf einmal innerhalb kurzer Zeit.
Lockheed-Martin will insgesamt bis zu 3000 F-35-Maschinen herstellen. Bisher wurden über 800 Modelle ausgeliefert, von denen mehr als die Hälfte vom US-Militär geflogen wird. Vor kurzem wurde entschieden, dass auch die deutsche Luftwaffe F-35-Jets erhalten wird.