Deutscher Ärztetag

Feuerprobe für Nina Warken

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Als Gesundheitsministerin braucht es Ausdauer. Nina Warken muss sich als neue Ministerin behaupten – dabei war Gesundheitspolitik bislang nicht ihr Steckenpferd.

Die Erwartungen sind groß. Daraus macht der Präsident der Bundesärztekammer keinen Hehl. Seine Bestandsaufnahme des deutschen Gesundheitswesens fällt ernüchternd aus. Es brauche grundlegende strukturelle Veränderungen, es gebe komplexe Herausforderungen, die „in der Summe ein mehr als bedenkliches Ausmaß“ annehmen würden, fasst Klaus Reinhardt zusammen. Es sind bittere Warnungen. Die vor allem direkt an einen Gast adressiert sind: die neue Gesundheitsministerin Nina Warken.

Neue Gesundheitsministerin unter Merz: Feuerpause für Warken bei Deutschem Ärztetag

Seit nicht einmal drei Wochen ist die CDU-Politikerin im Amt. Ihre Einarbeitungszeit in das Mega-Ministerium mit über 1000 Mitarbeitern und Milliarden-Etat gleicht null. Nach der Antrittsrede folgt gleich der Besuch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Doch die eigentliche Feuerprobe für eine Gesundheitsministerin ist der Deutsche Ärztetag. Jährlich tummeln sich dann hunderte Ärzte in einer Stadt. Sie tauschen sich aus, stimmen sich ab. Die Bundesärztekammer spricht vom „Parlament der Ärzteschaft“. Kein Wunder also, dass es vor allem auch politisch wird.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Reinhardt macht in Leipzig seine Stoßrichtung gleich zu Beginn der Veranstaltung am Dienstag deutlich. Ohne die Verantwortlichen im Gesundheitswesen miteinzubeziehen, seien Reformen „bestenfalls gut gemeint“. An Warken gerichtet fügt er hinzu: Bei „einiger Ihrer Vorgänger ging dieser Erkenntnis ein längerer Erfahrungsprozess voraus – ich bin froh, dass wir uns diesen Umweg sparen können“. Willig verspricht Warken einen Austausch, sie setze auf „gute Kommunikation“, um „im Idealfall auch zusammen an Lösungen arbeiten“ zu können. Es klingt danach, dass sie sich als Ministerin des Kompromisses, nicht des Konflikts begreift.

Warken als Gesundheitsministerin – überraschend und fachfremd ins Amt gekommen

Eine Linie, die ihr Vertrauen schaffen soll. Denn Warken ist nicht nur überraschend, sondern auch fachfremd ins Amt gekommen. Zuvor wurden Fachpolitiker dafür gehandelt, am Ende wurde es die recht unbekannte Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg. Die Volljuristin war zuvor Mitglied im Innenausschuss, befasste sich mit der Pkw-Maut, dem Bundestags-Wahlrecht und Innerer Sicherheit. Erst am Sonntag hat sie sich in einer Kampfkandidatur zudem als neue Chefin der Frauen-Union der CDU durchgesetzt.

Das erste persönliche Treffen: Ärztepräsident Klaus Reinhardt begrüßt die neue Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

Anders als frühere Minister kann sie somit aber auch mit einem unvoreingenommenen Blick an die politischen Mammut-Aufgaben herangehen. Ihr Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) – Gesundheitspolitiker durch und durch – hat mit seinem Tatendrang immer wieder für Verstimmungen gesorgt – bei Ärzten, bei Apothekern, bei Krankenkassen. Beim Ärztetag 2024 hatten Ärzte sogar gegen seine ganzen Vorhaben protestiert. Und dessen Vorgänger Jens Spahn (CDU) hatte sich als Minister in der Corona-Pandemie ohnehin mindestens ein blaues Auge zugezogen.

Herausforderungen für Warken: Mittel-Geschachere ist in der Koalition vorprogrammiert

Das Amt ist also keineswegs ein dankbares – zu groß ist der Reformdruck, und zwar von allen Seiten. Allein mit Blick auf die Finanzlage der Sozialkassen hat Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Sonntag klargestellt: „Der Finanzminister kann nicht dauernd angerufen und nach mehr Geld gefragt werden.“ Mittel-Geschachere ist also in der Koalition vorprogrammiert.

Nach außen will Warken aber den Koalitions-Frieden wahren. Inhaltlich hangelt sie sich deswegen bei ihrer ersten Rede vor dem Deutschen Ärztetag an den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag entlang. Sie verspricht den vereinbarten Bürokratieabbau, mit dem es ihr „ernst“ sei. Die elektronische Patientenakte soll weiter eingeführt werden, die Krankenhausreform im Grundsatz bestehen bleiben – aber weiterentwickelt werden. Und die Vergabe von Facharztterminen soll künftig besser gesteuert werden. Das Ziel: Die Hausarztpraxis soll als „erste Ansprechstelle mit einer beschleunigten Terminvermittlung zur fachärztlichen Weiterbehandlung“ dienen, sagt Warken. Zum Abschluss geleitet Präsident Reinhardt die neue Ministerin nach draußen. Er ist zufrieden mit dem ersten persönlichen Treffen. Damit ist für Warken die Feuerprobe geschafft.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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