Strategisch bedeutsame Siedlung

Massiver Erfolg? Russische Armee flieht angeblich aus ukrainischem Dorf

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Russische Truppen sollen eine strategisch wichtige Siedlung vor Bachmut fluchtartig verlassen haben. Bricht ihre Verteidigung südlich der Donbass-Stadt ein?

München/Frankfurt/Bachmut - Bahnt sich ausgerechnet hier der erste große militärische Erfolg der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg an? Aus Mangel an Munition sollen russische Truppen sich aus einem strategisch bedeutsamen Dorf wenige Kilometer südlich der Stadtgrenze von Bachmut zurückgezogen haben.

„Wir haben Klischtschijiwka verlassen. Das ist in der Nähe von Bachmut. Es muss noch überprüft werden, und wenn es widerlegt wird, bin ich froh. Wenn es wahr ist, ist das schlecht und Bachmut wird unter der Feuerkontrolle der Ukraine stehen“, schreibt der prorussische Kriegsberichterstatter Alexander Sladkow auf Telegram.

Ukraine-Gegenoffensive: Angeblich fliehen russische Truppen südlich von Bachmut

Bei Twitter verbreiten bereits mehrere proukrainische Kanäle die mutmaßliche Erfolgsmeldung, die so von der Regierung aus Kiew noch nicht bestätigt wurde (Stand Mittwochabend, 5. Juli, 18 Uhr). Sind die Angaben korrekt, wäre der Nachschub für die in Bachmut verbliebenen Truppen Russlands aus der südlicher gelegenen Großstadt Donezk abgeschnitten.

Unter anderem das unabhängige osteuropäische Online-Portal Nexta teilte die Nachricht und veröffentlichte bei Twitter einen Screenshot vom Telegram-Kanal Sladkows. Das russische Verteidigungsministerium hatte hingegen behauptet, die russischen Streitkräfte hätten gleich drei ukrainische Armeegruppen in der Region zurückgeschlagen. Ein Bluff? Ein Ablenkungsmanöver? Angesichts der offenbar stark dezimierten russischen Einheiten rund um Bachmut ist diese vermeintliche Information aus Moskau wohl zu hinterfragen. In den vergangenen Tagen hatte stattdessen die 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Armee wiederholt bei Twitter Videos geteilt, wie sie Schützengraben um Schützengraben rund um die Donbass-Stadt einnimmt.

Gegenoffensive: Ukrainer rücken südlich und nördlich von Bachmut vor

Laut der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) gaben ukrainische Militärbeamte zudem an, dass die ukrainische Armee am Dienstag (4. Juli) einige nicht näher bezeichnete Vorstöße an Bachmuts Nord- und Südflanke gemacht hätte. Ein weiterer russischer Militärblogger behauptete demnach, dass die Ukrainer nördlich von Bachmut vorgerückt seien. Gleichzeitig hatte die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin, Hanna Maljar, am Dienstagabend ein Vorrücken „an der Südflanke um Bachmut“ vermeldet.

Ende Juni 2023 in Slowjansk: Ein Junge verabschiedet die Besatzung eines ukrainischen Radpanzers, der an die östliche Front bei Bachmut fährt.

Seit Wochen sind die russischen Truppen rund um die völlig zerstörte Donbass-Stadt mit einstmals 70.000 Einwohnern in der Defensive. Bereits am 14. Juni sollen ukrainische Truppen die Siedlung Berchiwka rund zwei Kilometer nördlich der Stadtgrenze eingenommen haben. Dabei handelt es sich um eine Anhöhe, von der aus man beste Sicht auf die komplette Stadt hat. Hier haben die Ukrainer wohl schon länger die Artillerie-Hoheit. Ukrainische Soldaten hatten exemplarisch ein Video von ihrem Einsatz in einer deutschen Panzerhaubitze 2000 gepostet, die demnach bei Bachmut stationiert sein soll.

Einkesselung von Bachmut? Ukrainische Truppen treffen wohl bei Soledar auf Gegenwehr

Ziel soll laut verschiedener Beobachter die Einkesselung der Russen in der Stadt sein. Offenbar kommen die Einheiten Kiews nordöstlich von Bachmut aber noch nicht an den befestigen Salzstollen von Soledar vorbei. Eine Einnahme der seit Langem schwer umkämpften Stadt hätte wohl eine hohe symbolische Bedeutung.

Zuletzt hatte Außenminister Dmytro Kuleba westliche Kritik an ausbleibenden Erfolgen der ukrainischen Gegenoffensive entschieden zurückgewiesen. „Kommt her und versucht, auch nur zehn Schritte auf dem Schlachtfeld zu gehen, ohne getötet zu werden. Wir fühlen uns frustriert von denen, die jetzt sagen: Oh, das läuft nicht gut“, sagte er der Welt und sah „keinen einzigen Grund, warum unsere Gegenoffensive nicht erfolgreich sein sollte“. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Celestino Arce

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