Militärische Unterstützung

Krieg in der Ukraine: Nato ringt um Lieferung von Kampfjets aus Polen

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Wettrüsten gegen Russland: Die Ukraine will alte Mig-29-Kampfjets aus den Beständen Polens.
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Trotz Warnung aus Russland: Die Nato prüft die Lieferung von alten Kampfflugzeuge aus Polen in die Ukraine. Ministerin Baerbock hält die Idee nicht für abwegig.

Berlin – Militärische Unterstützung im Ukraine-Krieg: Trotz scharfer Warnungen aus Russland geht die Debatte um die Aufrüstung der Ukraine weiter. So untersucht die Bundesregierung die Möglichkeit für weitere Waffenlieferungen. „Alles, was möglich ist, ist in der Prüfung“, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Montag im ZDF. Konkrete Details nannte sie nicht. Doch zuletzt war eine Debatte innerhalb der Nato über eine mögliche Lieferung von Kampfflugzeugen aus Polen entbrannt. Im Zuge dessen könnte innerhalb des westlichen Verteidigungsbündnisses eine Umverteilung von Kriegsgerät angestrebt werden.

Ukraine-Krieg: Liefert die Nato Kampfflugzeuge aus Polen vom Typ Mig 29 an die Ukraine? Russlands Präsident Wladimir Putin warnt

Nach dem von Präsident Wladimir Putin befohlenen Überfall hatte die Ukraine bereits vergangene Woche einen Hilferuf gestartet und die Nato um Lieferung von Panzern, U-Booten und Kampfflugzeugen gebeten. Bei den Kampfjets etwa wäre es denkbar, dass Polen aus seinen Beständen alte sowjetische Kampfjets vom Typ Mig 29 der Ukraine zur Verfügung stellt. Denn die ukrainische Armee ist den Angaben zufolge nur darauf ausgebildet – und Polen besitzt als einziges Nato-Mitglied noch Jets dieser Modellreihe.

In einer ersten Reaktion lehnte die polnische Regierung, die ansonsten der Ukraine bei der Aufnahme von Flüchtlingen massiv zur Seite steht, das Ansinnen ab und verwies auf die eigene Verteidigungsfähigkeit. Die USA wollen aber zur Not innerhalb der Nato umschichten und Polen im Gegenzug moderne F16-Jets überlassen. Sowohl US-Außenminister Antony Blinken als auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bestätigten entsprechende Überlegungen. „Die Vorbereitungen laufen, wie jetzt Polen diese Flugzeuge liefern könnte, ohne dass sie selber nicht mehr verteidigungsfähig wären“, sagte Baerbock im ZDF.

Hat die Luftwaffe der Ukraine noch Kampfflugzeuge? Russland wirft Nato militärische Hilfe im Ukraine-Konflikt vor

Die US-Regierung ist eigenen Angaben zufolge in einem engen Austausch mit der ukrainischen Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Öffentlich ist derzeit völlig unklar, in welchem Zustand die ukrainische Luftwaffe ist. In den ersten Tagen hatte Russland mit gezielten Angriffen die Luftabwehrsysteme der Ukraine ausgeschaltet. Moskau warf der Nato jedoch vor, die Ukraine gezielt zu unterstützen und Kampfflugzeuge der ukrainischen Armee auf Nato-Gebiet versteckt zu halten. „Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass ukrainische Flugzeuge nach Rumänien und in andere Nachbarländer geflogen sind“, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Igor Konaschenkow, laut der Berliner Morgenpost am Montag. Unabhängig überprüfen ließ sich der Vorwurf nicht.

Ukraine aktuell: Die Ukraine will eine Flugverbotszone – Nato lehnt das ab

Für die Nato ist eine Unterstützung der Ukraine aber heikel. Das westliche Verteidigungsbündnis unternimmt derzeit einiges, um den Eindruck zu vermeiden, direkt militärisch in den Krieg zwischen Russland und der Ukraine einzugreifen. Andernfalls wird ein europaweiter Flächenbrand befürchtet. Mit diesem Argument hatten die Allianz auch die von Kiew geforderte Einrichtung einer Flugverbotszone über dem Kriegsgebiet abgelehnt. In diesem Fall wäre „Deutschland direkt in den Krieg involviert“, stellte Baerbock klar und fügte hinzu: „Wir tragen eine Verantwortung für die Menschen in der Ukraine, aber auch für die Millionen Europäer in unseren Ländern. Das sind die Momente, wo man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen kann.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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