Unglück an ukrainischer Grenze

Wurde das russische Flugzeug abgeschossen? Deutsches Flugabwehrsystem in der Diskussion

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Nach dem Flugzeugabsturz an der ukrainischen Grenze verdichten sich die Hinweise, dass die Iljuschin Il-76 abgeschossen wurde. Aber von wem?

Moskau/Kiew - Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dürfte es heute ein besonders freudloser Geburtstag werden. Es ist weiter ein zähes Ringen um ausreichend Hilfe von USA und EU im Kampf gegen Wladimir Putin und seine Armee: Die Europäer streiten um die Auslieferung weiterer Taurus-Marschflugkörper und die USA setzen wegen interner Streitereien die Waffenlieferung an die Ukraine aktuell komplett aus.

Und jetzt sitzt ihm auch noch der mysteriöse Flugzeugabsturz einer russischen Iljuschin Il-76 an der ukrainischen Grenze im Nacken. Angeblich sollen sich 65 ukrainische Kriegsgefangene zum Austausch an Bord befunden haben, was der Sache noch eine ganz besondere Brisanz gibt. Wie es zu dem Absturz kam, ist noch nicht klar. Die Ukraine und auch das deutsche Iris-T Raketenabwehrsystem sind noch nicht gänzlich von der Verantwortung freigesprochen.

Nach dem Flugzeugabsturz an der ukrainischen Grenze verdichten sich die Hinweise, dass die Iljuschin Il-76 abgeschossen wurde. Aber von wem?

Ukraine oder Russland: Wer hat das russische Flugzeug vom Himmel geschossen?

Fakt ist: Es verdichten sich so langsam die Beweise, dass das russische Flugzeug von einer Flugabwehrrakete abgeschossen wurde. Hierfür sprechen diverse Videos und Augenzeugenberichte und auch der Zustand der Wrackteile. Auch die Art, wie die Iljuschin Il-76 abgestürzt ist, würde für die Abschusstheorie sprechen, wie ein DLF-Korrespondent die aktuelle Lage einordnet. Es sei allerdings aber noch völlig offen, welche Kriegspartei für den Abschuss verantwortlich gemacht werden kann.

Aktuell sind folgende Flugabwehrsysteme im Ukraine-Krieg involviert:

  • Das Mim-104 Patriot Flugraketen-Abwehrsystem der US-Armee
  • Die Iris-T SLM ein bodengestütztes Flugabwehraketen-System der Bundeswehr
  • Der sowjetische S-300 Flugabwehrraketenkomplex aus alten Sowjetbeständen
  • sowie russische Flugabwehrraketen

Flugraketen-Abwehrsystem: Was sich hinter den Namen verbirgt

Mim-104 Patriot ist ein bodengestütztes us-amerikanischesFlugabwehrraketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Mittelstreckenraketen. Patriot wird als Akronym übersetzt mit: Phased Array Tracking Radar to Intercept On Target. Iris-T SLM ist ein bodengestütztes Flugabwehrraketen-System. IRIS-T SLM steht für Infra Red Imaging System –Tail/Thrust Vector Controlled, Surface Launched Medium Range. S-300 ist ein Flugabwehrraketenkomplex des ehemaligen russischen Rüstungsherstellers NPO. Es existiert eine Vielzahl von Varianten. S-300-Systeme wurden bereits in der Sowjetunion zur Abwehr oder Bekämpfung gegnerischer Kampfflugzeuge und Marschflugkörper konzipiert. 

Patriot-System für Ukraine-Krieg vermutlich zu wertvoll, um es bei Belgorod zu stationieren

Gegen die für die Ukraine enorm wertvollen Patriot-Abwehrsysteme spricht laut DLF-Journalist, dass diese Kriegswaffe für die Ukraine viel zu wertvoll ist, um sie in so einer Region zu positionieren. Und diese müsste dort in der Nähe positioniert sein, um ein Flugzeug abschießen zu können. Außerdem gebe es bisher keinerlei Informationen darüber, dass so ein Patriot-System in die Grenzregion gebracht wurde. Auch hält er den Einsatz der Iris-T für sehr unwahrscheinlich, dafür seien diese zu weit weg stationiert, um den Abschuss bewerkstelligen zu können.

Könnte der Abschuss ein Versehen im Ukraine-Krieg gewesen sein?

Nicht ausschließen kann der DLF-Korrespondent indes, dass die Ukraine, möglicherweise aus Versehen, mit einem S 300 Flugraketenkomplex die Iljuschin Il-76 vom Himmel geholt hat. Und natürlich bleiben da noch die Flugabwehrsysteme, die Russland im Krieg gegen die Ukraine einsetzt. Hierzu sind aber die Informationen bekanntermaßen rar.

Wer hat also geschossen, ist die Frage, deren Antwort weitreichende Konsequenzen für alle Beteiligten haben könnte. Selenskyi fordert nun eine internationale Untersuchung des Flugzeugabsturzes. Sämtliche Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag hat er abgesagt.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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