In einem Punkt unübertroffen

Foto aufgetaucht: Kims stärkste Haubitze offenbar schon in Putins Gebiet

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Im Ukraine-Krieg hat Wladimir Putin anscheinend Zugriff auf die größte Haubitze, die Nordkorea zu bieten hat. Ein Foto soll das bestätigen.

Krasnojarsk – Für Wladimir Putin scheint sich der Schulterschluss mit Kim Jong-un im Ukraine-Krieg immer mehr bezahlt zu machen. Nach dem verkündeten Deal zwischen dem Kreml-Chef und Nordkoreas Machthaber war bereits über die umfangreiche Lieferung von Munition und Waffensystemen von Pjöngjang an den Aggressor spekuliert worden.

In den vergangenen Wochen erhärtete sich der Verdacht, Kim hätte Putin auch Soldaten für seinen Eroberungsfeldzug zur Verfügung gestellt. Diese sollen sich zunächst wohl unter anderem darum verdient machen, die ukrainischen Einheiten aus der russischen Grenzregion Kursk zurückzudrängen. Nun gibt es erste Hinweise, dass Putin in seinem Kampf von seinem Partner auch Artillerie gestellt bekommt, die im Kriegsgebiet bislang ihresgleichen sucht.

Was man damit wohl alles zerstören kann? Wladimir Putin darf sich anscheinend auf Nordkoreas reichweitenstärkste Haubitze freuen.

Putin und der Ukraine-Krieg: Nordkorea liefert offenbar seine beste Haubitze an Russland

Der auf bewaffnete Konflikte auf der Welt spezialisierte Twitter-Kanal Status-6 versuchte, ein in sozialen Medien kursierendes Foto zweier auf einem Flachwagen verstauter nordkoreanischer Koksan zu lokalisieren. Die Analysten kam zu dem Schluss, dass es im russischen Krasnojarsk und damit mehr als 3300 Kilometer östlich von Moskau aufgenommen wurde. Das lässt zumindest befürchten, die Selbstfahrlafetten mit 170-Millimeter-Geschütz wären auf dem Weg in den Krieg, um Russlands mühsamen Vormarsch zu beschleunigen.

Laut dem nicht-kommerziellen Thinktank globalsecurity.org entstand das Bild am 13. November. Die Koksan gilt mit einer Reichweite von 45 bis 60 Kilometern als reichweitenstärkstes Feldgeschütz der Welt. Allerdings könne die nordkoreanische Produktion nur alle drei bis fünf Minuten einen Schuss abfeuern. Zudem sei sie anfällig für Beschuss, weil sie keinen Aufbau besitzt. Zwei große Schwächen, von denen sich aber wohl weder Kim noch Putin beirren lassen werden.

Offenbar auf dem Weg in den Ukraine-Krieg: Kim Jong-un scheint die Haubitze Koksan an Wladimir Putin zu übergeben. (Szene von einer Militärparade in Pjöngjang)

Der Name Koksan ist angelehnt an die nordkoreanische Region, in der das Geschütz im Jahr 1978 erstmals für den Westen sichtbar wurde. Die damalige Version M-1978 verfügte über keinen Vorrat an Bordmunition. Dagegen kann das modifizierte Modell M-1989 zwölf Schuss Bordmunition transportieren. Bekannt sind die Selbstfahrlafetten auch aus den vielen Militärparaden, in denen Nordkorea stolz sein Arsenal vor der Welt präsentiert.

Putin und Kim im Ukraine-Krieg: Koksan braucht seltene 170-Millimeter-Munition

Laut The War Zone basiert die Ursprungsversion M-1978 auf einem angepassten Panzer des chinesischen Type 59. M-1989 verwende zwar das gleiche Geschütz, sei aber auf einem moderneren Fahrgestell montiert, das der russischen 2S7 Pion ähnele. Als Nachteile werden hier erwähnt, dass die Geschützmannschaft separat transportiert werden muss und es an gepanzertem Schutz für die Besatzung fehlt, sobald das Geschütz in Betrieb ist.

Russland selbst verfügt demnach nicht über die nötige 170-Millimeter-Munition, die weltweit ohnehin selten ist. Aber gerade Nordkorea sollte genug davon parat haben und dürfte sie auch bereitwillig zur Verfügung stellen. Immerhin könnte Kim somit unterstreichen, wie wichtig seine Unterstützung für Putin ist.

Nordkorea – Kim Jong-uns abgeschottete Diktatur

Menschen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea
Nordkorea ist das wohl geheimnisvollste Land der Erde: eine totalitäre Diktatur, in der der Einzelne nichts zählt, ohne Freiheiten und Menschenrechte, abgeschottet vom Rest der Welt. Schätzungsweise 26 Millionen Menschen leben in dem Land, das im Norden an China und Russland grenzt und im Süden an das freiheitliche, demokratische Südkorea. Nordkoreas Grenzen sind für die meisten Menschen unüberwindbar – kaum einer kommt rein, noch weniger Menschen kommen raus.  © Ed Jones/afp
Die Skyline von Pjöngjang
Hauptstadt sowie kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes ist Pjöngjang. Rund drei Millionen Menschen leben in der nordkoreanischen Metropole, die so anders ist als die anderen Mega-Städte Asiens. Pjöngjang ist grau, geprägt von Hochhäusern, gesichtslosen Wohnblöcken und gigantischen Monumenten, die der herrschenden Kim-Familie huldigen sollen. Wer in der Hauptstadt leben darf, ist privilegiert: Hier ist die Stromversorgung besser als auf dem Land, die Regale der Geschäfte sind voller, es gibt Freizeitparks, Kinos, Theater. © Olaf Schuelke/Imago
Kim Jong-un auf einem Pferd
Beherrscht wird Nordkorea seit 2011 von Kim Jong-un, einem Diktator, der skrupellos vor allem ein Ziel verfolgt: den eigenen Machterhalt und den seiner Sippe. Nordkorea ist das einzige kommunistische Land der Welt mit einer Erb-Monarchie, in der die politische Macht vom Vater auf den Sohn übergeht. Die sogenannte „Paektu-Blutlinie“ kontrolliert das Land seit dessen Gründung im Jahr 1948. Die Macht der Kims ist unanfechtbar, Aufstände gab es nie, dafür sorgt die lückenlose Überwachung und Kontrolle der gesamten Gesellschaft. © KCNA via KNS/afp
Sowjetische Soldaten in Pjöngjang
Korea war über Jahrhunderte ein geeintes Land. Die Geschichte der Teilung beginnt erst im 20. Jahrhundert: Von 1910 bis 1945 ist Korea eine japanische Kolonie, nach der Niederlage der Japaner besetzen sowjetische Truppen den Norden des Landes, der Süden wird von amerikanischen Truppen besetzt. Weil Verhandlungen über eine Vereinigung der beiden Landesteile scheitern, gründen sich 1948 auf der koreanischen Halbinsel zwei Staaten. © Jacob Gudkov/Imago
Szene des Koreakriegs
Zwei Jahre später dann die Tragödie: Der Korea-Krieg bricht aus. Kim Il-sung, Machthaber im Norden, schickt seine Truppen in den Südteil des Landes, um Korea mit Gewalt zu vereinen. Wenige Wochen später greifen die UN-Truppen unter Führung der USA den Norden an, stoßen bis an die chinesische Grenze vor. Das beunruhigt Peking – das nun auf der Seite von Nordkorea in den Krieg eingreift. 1953 wird ein Waffenstillstand verhandelt, das Land bleibt entlang des 38. Breitengrades geteilt. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet. © Imago
Familie Kim
Kim Il-sung, der Gründer und erste Präsident Nordkoreas, ist ein Machthaber von Stalins Gnaden. Geboren 1912, ist er als junger Mann im Widerstand gegen die japanische Besatzungsmacht aktiv. 1940 geht er ins Exil in die Sowjetunion, wo er schließlich zum späteren Machthaber Nordkoreas aufgebaut wird. Ab 1948 etabliert Kim einen auf ihn zugeschnittenen Personenkult. Mit brutalen Säuberungsaktionen entledigt er sich seiner Gegner. Politisch pendelt sein Land zwischen China und der Sowjetunion, vor allem, nachdem sich die beiden kommunistischen Führungsmächte ab Ende der 50er-Jahre zunehmend voneinander entfremden. © Imago
Kim Il-sung und Kim Jong-il
Schon in den 1970ern beginnt Kim Il-sung, seinen Sohn Jong-il zu seinem Nachfolger aufzubauen. Als er 1994 stirbt, übergibt er Kim Jong-il ein verarmtes Land. Mit dem Untergang der Sowjetunion wenige Jahre zuvor hat Nordkorea seinen wichtigsten und engsten Partner verloren, es stürzt in eine wirtschaftliche Krise, auf die eine fatale Hungersnot folgt. Hunderttausende Menschen verhungern. Unter Kim Jong-il, der 1941 oder 1942 geboren wurde, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Nordkorea und dem Rest der Welt, das Land schottet sich immer mehr ab. Vor allem die USA sowie Südkorea – das sich seit den 80ern zur Demokratie gewandelt hat – werden zu Feindbildern. © KCNA via KNS/afp
Fernsehbilder vom ersten nordkoreanischen Atomtest 2006
Unter Kim Jong-il beginnt die beispiellose Aufrüstung des bettelarmen Landes. Wichtigstes Ziel Kims ist es, Nordkorea zur Atommacht zu machen. 2006 gelingt ihm das, Nordkorea testet erstmals eine Atombombe. Die Welt ist geschockt, die Vereinten Nationen erlassen Strafmaßnahmen, denen insgesamt neun weitere Sanktionsrunden folgen. Heute ist Nordkorea eine Atommacht, die wohl Dutzende Sprengkörper besitzt. © Jung Yeon-Je/afp
Kim Jong-un beobachtet einen Raketentest
Zudem testet das Land regelmäßig ballistische Raketen, auf denen die nuklearen Sprengköpfe montiert werden können. So kann das Regime mit seinen Atomwaffen sogar die USA erreichen – zumindest in der Theorie, denn noch ist unklar, wie leistungsfähig die Raketen tatsächlich sind. © KCNA via KNS/afp
Donald Trump und Kim Jong-un an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea
Kim Jong-il stirbt 2011. Ihm folgt einer seiner Söhne nach: Kim Jong-un. Der treibt das Raketen- und Nuklearprogramm seines Vaters weiter voran. Als Hauptfeinde hat er Südkorea und die USA ausgemacht, die sein Regime regelmäßig mit drastischen Beleidigungen überzieht. Unter US-Präsident Donald Trump sieht es für einen kurzen Moment so aus, als könnten sich die Spannungen zwischen Nordkorea und dem Westen abkühlen – dreimal treffen sich Kim und Trump, auch Südkoreas damaliger Präsident kommt mit Kim zu einem Gipfeltreffen zusammen. © Brendan Smialowski/afp
Passanten in Pjöngjang währen der Corona-Pandemie
Doch die diplomatischen Initiativen scheitern 2019. Ein Jahr später sucht die Corona-Pandemie die Welt heim. Auch Nordkorea schließt seine Grenzen – und schottet sich gegen das Virus so hermetisch ab wie kein anderer Staat weltweit. Trotzdem meldet das Regime im Mai 2022 erste Corona-Fälle. Auch nach dem Ende der Pandemie bleibt Nordkorea ein international isoliertes Land. © Imago
Putin und Kim in Russland
Enge Beziehungen unterhält das Regime in Pjöngjang heute vor allem zu seinen beiden nördlichen Nachbarn China und Russland. Zu Wladimir Putin pflegt Kim ein besonders gutes Verhältnis, denn Russlands Präsident benötigt Nordkoreas Unterstützung für seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine – als Lieferant von Waffen und Munition. Im Herbst 2023 treffen Putin und Kim in Russlands Fernem Osten zusammen, es ist Kims erste Auslandsreise seit der Pandemie. © KCNA via KNS/afp
Kim Jong-un und seine Tochter Ju-ae
Kim Jong-un wurde 1982, 1983 oder 1984 geboren, hat also möglicherweise noch viele Jahre vor sich. Nordkoreas Diktator ist allerdings bei schlechter Gesundheit. Er gilt als Kettenraucher und Alkoholiker und ist sichtbar übergewichtig. Was, wenn er stirbt? Experten glauben, dass Kim seine Tochter Ju-ae zu seiner Nachfolgerin aufbauen will. Seit November 2022 zeigen Staatsmedien das Mädchen, das wohl 2012 oder 2013 zur Welt gekommen ist, regelmäßig an der Seite ihres mächtigen Vaters. © KCNA via KNS/afp
Kim Yo-jong
Aber auch Kims Schwester Kim Yo-jong gilt als mögliche Erbin auf den Thron. Die Macht, die die Kims seit bald 80 Jahren innehaben, dürften sie jedenfalls so schnell nicht aus der Hand geben. © Jorge Silva/afp

Erwähnt wird auch, dass westliche Analysten infolge des Iran-Irak-Kriegs die Möglichkeit hatten, die Waffe genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn Pjöngjang hatte sie an den Iran geliefert, der Irak jedoch einige erbeutet und selbst eingesetzt. Als das US-Militär 2003 in den Irak einmarschierte, um offiziell nach Massenvernichtungswaffen zu suchen, stießen die Einheiten auch auf die nordkoreanischen Geschütze.

Kims Hilfe für Putin im Ukraine-Krieg: Koksan könnte zu Weiterentwicklungen animieren

Wie das Military Watch Magazine berichtet, ist die Koksan die zweitgrößte Haubitze der Welt – nach der sowjetischen 2S7M Malka, einer sowohl von Russland als auch von der Ukraine genutzten Modifizierung der 2S7 Pion. Ihr Einsatz im Ukraine-Krieg wird als wahrscheinlich angesehen, da sie eine zentrale Rolle unter den Artilleriestreitkräften Nordkoreas spielt.

Deal mit ungeahnten Folgen: Im Sommer besiegelten Wladimir Putin (l.) und Kim Jong-un in Pjöngjang eine engere Zusammenarbeit.

Zudem wird hier darauf verwiesen, dass Pjöngjang die mit Abstand größte Artillerietruppe der Welt befehligt und russische wie andere ausländische Analysten wegen der vorhandenen Fachkompetenz davon ausgehen, dass Nordkorea in diesem Bereich im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle spielen kann. Es sei wahrscheinlich, dass zumindest zunächst nordkoreanische Truppen die Koksan bedienen würden. Zuvor habe Kim lediglich Artilleriegeschosse vom Kaliber 122 Millimeter und in einem Fall von 152 Millimeter geliefert.

Möglich sei auch, dass Moskau und Pjöngjang künftig gemeinsam neue Klassen gelenkter 170-Millimeter-Geschosse entwickeln würden. Sollte sich die Koksan gegen die Ukraine bewähren, könnte Russland auch eine mobile Haubitze dieses Kalibers mit Unterstützung Nordkoreas kreieren. (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire, Twitter/@Archer83Able

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