Putin und der Ukraine-Krieg: Nordkorea liefert offenbar seine beste Haubitze an Russland
Der auf bewaffnete Konflikte auf der Welt spezialisierte Twitter-Kanal Status-6 versuchte, ein in sozialen Medien kursierendes Foto zweier auf einem Flachwagen verstauter nordkoreanischer Koksan zu lokalisieren. Die Analysten kam zu dem Schluss, dass es im russischen Krasnojarsk und damit mehr als 3300 Kilometer östlich von Moskau aufgenommen wurde. Das lässt zumindest befürchten, die Selbstfahrlafetten mit 170-Millimeter-Geschütz wären auf dem Weg in den Krieg, um Russlands mühsamen Vormarsch zu beschleunigen.
Laut dem nicht-kommerziellen Thinktank globalsecurity.org entstand das Bild am 13. November. Die Koksan gilt mit einer Reichweite von 45 bis 60 Kilometern als reichweitenstärkstes Feldgeschütz der Welt. Allerdings könne die nordkoreanische Produktion nur alle drei bis fünf Minuten einen Schuss abfeuern. Zudem sei sie anfällig für Beschuss, weil sie keinen Aufbau besitzt. Zwei große Schwächen, von denen sich aber wohl weder Kim noch Putin beirren lassen werden.
Offenbar auf dem Weg in den Ukraine-Krieg: Kim Jong-un scheint die Haubitze Koksan an Wladimir Putin zu übergeben. (Szene von einer Militärparade in Pjöngjang)
Der Name Koksan ist angelehnt an die nordkoreanische Region, in der das Geschütz im Jahr 1978 erstmals für den Westen sichtbar wurde. Die damalige Version M-1978 verfügte über keinen Vorrat an Bordmunition. Dagegen kann das modifizierte Modell M-1989 zwölf Schuss Bordmunition transportieren. Bekannt sind die Selbstfahrlafetten auch aus den vielen Militärparaden, in denen Nordkorea stolz sein Arsenal vor der Welt präsentiert.
Putin und Kim im Ukraine-Krieg: Koksan braucht seltene 170-Millimeter-Munition
Laut The War Zone basiert die Ursprungsversion M-1978 auf einem angepassten Panzer des chinesischen Type 59. M-1989 verwende zwar das gleiche Geschütz, sei aber auf einem moderneren Fahrgestell montiert, das der russischen 2S7 Pion ähnele. Als Nachteile werden hier erwähnt, dass die Geschützmannschaft separat transportiert werden muss und es an gepanzertem Schutz für die Besatzung fehlt, sobald das Geschütz in Betrieb ist.
Erwähnt wird auch, dass westliche Analysten infolge des Iran-Irak-Kriegs die Möglichkeit hatten, die Waffe genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn Pjöngjang hatte sie an den Iran geliefert, der Irak jedoch einige erbeutet und selbst eingesetzt. Als das US-Militär 2003 in den Irak einmarschierte, um offiziell nach Massenvernichtungswaffen zu suchen, stießen die Einheiten auch auf die nordkoreanischen Geschütze.
Kims Hilfe für Putin im Ukraine-Krieg: Koksan könnte zu Weiterentwicklungen animieren
Wie das Military Watch Magazine berichtet, ist die Koksan die zweitgrößte Haubitze der Welt – nach der sowjetischen 2S7M Malka, einer sowohl von Russland als auch von der Ukraine genutzten Modifizierung der 2S7 Pion. Ihr Einsatz im Ukraine-Krieg wird als wahrscheinlich angesehen, da sie eine zentrale Rolle unter den Artilleriestreitkräften Nordkoreas spielt.
Zudem wird hier darauf verwiesen, dass Pjöngjang die mit Abstand größte Artillerietruppe der Welt befehligt und russische wie andere ausländische Analysten wegen der vorhandenen Fachkompetenz davon ausgehen, dass Nordkorea in diesem Bereich im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle spielen kann. Es sei wahrscheinlich, dass zumindest zunächst nordkoreanische Truppen die Koksan bedienen würden. Zuvor habe Kim lediglich Artilleriegeschosse vom Kaliber 122 Millimeter und in einem Fall von 152 Millimeter geliefert.
Möglich sei auch, dass Moskau und Pjöngjang künftig gemeinsam neue Klassen gelenkter 170-Millimeter-Geschosse entwickeln würden. Sollte sich die Koksan gegen die Ukraine bewähren, könnte Russland auch eine mobile Haubitze dieses Kalibers mit Unterstützung Nordkoreas kreieren. (mg)