Kritiker warfen Macron vor, hochnäsig zu sein. Obwohl Frankreichs Staatschef regelmäßig Besserung gelobte, lieferte er mehrere flapsige und abfällige Bemerkungen.
Paris - Die Präsidentschaftswahl in Frankreich wird kurz vor der ersten Runde am Sonntag (10. April) noch einmal spannend. In den Umfragen verringert sich der Abstand zwischen Amtsinhaber Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen, Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon sieht sich sogar bereits in der Stichwahl. Staatschef Macron, der für eine zweite Amtszeit kandidiert, legte vor der Wahl nur einen großen Wahlkampfauftritt hin. Es sprach viel über Gerechtigkeit, Europa und die Rente.
Macron-Gegner dürften bei seinem Auftritt aber noch einmal genau hingehört haben: Denn Frankreichs Präsident geriet schon mehrfach wegen markiger Sprüche in die Kritik. Es ist nicht immer klar, ob es sich dabei um sprachliche Ausrutscher oder gezielte Provokationen handelte. Hier ein Überblick über einige Äußerungen, die für Aufsehen sorgten:
Sprüche von Macron: „Menschen, die nichts sind“
Macron war sichtlich stolz, als er im Juli 2017 den weltgrößten Start-up-Campus in einem ehemaligen Bahn-Gebäude eröffnete. Er erinnerte in seiner Ansprache an einen Bahnhof, „wo man Menschen begegnet, die Erfolg haben, und Menschen, die gar nichts sind“. Eine Beschreibung, die in den Ohren vieler Franzosen verächtlich klang.
Präsidentschaftswahl in Frankreich - Macron über afrikanische Großfamilien
In einer Rede auf dem G20-Treffen im Juli 2017 zur Zukunft Afrikas widmete sich Macron dem Problem der Überbevölkerung. „Wenn in manchen Ländern Frauen noch sieben oder acht Kinder haben, können Sie Milliarden ausgeben, ohne die Lage in den Griff zu bekommen“, sagt er. Dies seien rassistische Stereotype, erklärten seine Kritiker.
Macron will zweite Amtszeit in Frankreich: „Statt hier Chaos anzurichten“
In der Nähe einer Fabrik, deren von der Entlassung bedrohte Arbeiter streikten, erklärte Macron im Oktober 2017: „Statt hier Chaos anzurichten, sollten sie lieber zusehen, dass sie Arbeit finden.“ Dabei benutzte er einen derben Ausdruck (foutre le bordel), der in Frankreich zwar zur Alltagssprache zählt, den viele Franzosen aber nicht aus dem Mund ihres Präsidenten hören wollen.
Video: Infos zur Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022
Sprüche von Macron: „Ich brauche nur die Straße zu überqueren“
Bei einem Tag der offenen Tür im Elysée im September 2018 traf Macron auf einen arbeitslosen jungen Gärtner und hatte gleich einen Rat für ihn. Er solle es mal im Gastgewerbe oder auf dem Bau versuchen. „Ich brauche nur die Straße zu überqueren und finde einen Job für Sie“, sagte Macron.
Frankreichs Präsident Macron und die widerspenstigen Gallier
Asterix lesen Franzosen eigentlich gerne, aber wenn ihr Präsident im Ausland die Franzosen als „widerspenstige Gallier“ bezeichnet, kommt das nicht gut an. Macron tat das im August 2018 bei einem Besuch in Dänemark, um zu erklären, dass es in Frankreich gewisse Widerstände gegen Veränderungen gebe.
Macron als Staatschef: Du nennst mich „Herr Präsident“
„Wie geht‘s, Manu?“, rief ein Schüler Macron im Juni 2018 zu - um dann umgehend eine kalte präsidiale Dusche abzubekommen. „Du nennst mich Herr Präsident der Republik, einverstanden?“, antwortete Macron am Rand einer Gedenkfeier. „Mach erstmal deinen Abschluss und verdiene selber deine Brötchen, bevor du die Revolution ausrufst“, schob er hinterher.
Sprüche von Macron: Einen „Haufen Kohle“ für nichts
Es war ein internes Treffen, aber ausgerechnet seine Sprecherin veröffentlichte das Video, in dem Macron sich über die seiner Ansicht nach geringe Wirkung der Sozialhilfen ereiferte. „Wir geben einen Haufen Kohle für die Sozialhilfe aus, und die Leute kommen trotzdem nicht auf die Beine“, sagte er im Juni 2018.
Frankreichs Präsident Macron und die Nation der Staatsanwälte
Macron musste viel Kritik für seine Corona-Politik einstecken. Bei einem Besuch in Essonne im Januar 2021 platzte ihm der Kragen. „Wir sind eine Nation von 66 Millionen Staatsanwälten geworden“, frotzelte er. Es gebe eine „ständige Jagd nach dem Fehler“.
Macrons Lust, zu nerven
Auch ein Spruch zu Impf-Gegnern löste eine heftige Kontroverse aus: „Ich habe Lust, ihnen so richtig auf die Nerven zu gehen“, sagte Macron über die Ungeimpften und benutzte dafür ein recht grobes Wort (emmerder) - das aber schon sein einstiger Vorgänger Georges Pompidou benutzte, um über die Bürokratie zu lästern.
Frankreichs Präsident Macron: Die Nato wieder zum Leben erweckt
Der Nato kommt im Ukraine-Krieg eine besondere Bedeutung zu. Dabei erklärte Macron sie 2019 für „Hirntod“. Zu dieser Kritik stehe er 2022 weiterhin, unter den damaligen Umständen sei das eine angemessene Beschreibung gewesen. Doch er blieb im Bild, als er kürzlich sagte, das Verteidigungsbündnis habe nun einen „Elektroschock“ erlebt.
Beobachter fragen sich, warum sich Macron immer wieder zu solchen verbalen Entgleisungen hinreißen lässt. Wie viel Kalkül ist dabei? Unter den westlichen Machthabern ist der französische Präsident auch nicht der einzige, der mit markigen Sprüchen für Aufsehen sorgt. Als US-Präsident Joe Biden den russischen Machthaber Wladimir Putin einen „Schlächter“ nannte, distanzierte sich Macron aber von dieser Wortwahl. Ob weitere Sprüche von Macron die Franzosen irritieren werden, wird auch vom Ausgang der Wahl abhängen. (AFP/cibo)