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Papst Franziskus hat einer italienischen Zeitung seinen Blick auf die Nato-Rolle im Ukraine-Krieg dargelegt. Und stößt damit auf Widerspruch.
Vatikanstadt - In der Ukraine laufen weiter heftige Kämpfe. Die Diskussionen um den Krieg reichen nun bis zum Vatikan. Papst Franziskus legte in einem aktuellen Interview seine Sicht auf den Ukraine-Krieg und dessen Ursachen dar. Seine Vorwürfe gegenüber der Nato stoßen auf empörte Kritik.
Papst Franziskus und der Ukraine-Krieg: „Bellen vor Russlands Tür“ hat russischen Angriff „vielleicht begünstigt“
Franziskus spekuliert offen über mögliche Beweggründe, die Wladimir Putin zu einem solch brutalen Krieg bewegt haben könnten und zieht mit seinen Schlussfolgerungen entschiedene Reaktionen auf sich. Die Osterweiterungen der Nato seien wie ein „Bellen vor Russlands Tür“ gewesen und hätten den russischen Angriff nicht unbedingt „provoziert“, aber „vielleicht begünstigt“, äußerte der Papst gegenüber der italienischen Zeitung Corriere della sera. Denn die Nato habe Putin wütend gemacht durch ihr Handeln.
Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann reagierte auf die Äußerungen aus dem Vatikan laut der katholischen Nachrichtenagentur KNA und Bild mit Unverständnis: „Erst heuchelt Putin Frömmigkeit mit Kerze in der Hand in der russisch-orthodoxen Osternacht, jetzt steht ihm auch noch der Vatikan bei. Bravo. Der liebe Gott schaut fassungslos auf die Erde, während die Menschen in der Ukraine sterben“.
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen ist der Ansicht, dass Franziskus sich mit Lage der baltischen und osteuropäischen Staaten nicht genug auseinandergesetzt habe: Um sich eine Meinung zu bilden, solle Franziskus „nicht nur nach Moskau reisen, sondern nach Riga, Vilnius oder Tallinn“ , äußerte er am Freitag (6. Mai) der Bild gegenüber. Und er hält Kritik am Papst für durchaus berechtigt: „Wenn der Papst sich auf das Feld der Politik begibt, ist er nicht unfehlbar.“
Ansicht des Papstes zum Ukraine-Krieg: „Siegt Pazifismus über Logik“ ab einem gewissen Alter?
Auch der frühere religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck kritisierte, dass die Aussagen nicht zielführend seien: „Der Papst entschuldigt mit seinem Schwadronieren den Aggressor. Die Rolle der Kirche sollte darin bestehen, Russland zur Beendigung der Kampfhandlungen zu bewegen“, so der Religionswissenschaftler.
Autor Wladimir Kaminer glaubt, dass die Haltung des Papstes (85) wohl (auch) dessen Alter zuzuschreiben sei. Der Bild sagte er: „Bei alten Menschen siegt der Pazifismus über die Logik.“ Über Putin und dessen angedrohte Reaktionen zu den Nato-Beitritten verschiedener nord- und osteuropäischer Länder (jüngst Schwedens und Finnlands) meint er: „Er hatte nie Angst vor dem Bündnis. Er benutzt die Ost-Erweiterung nur für sein Ziel: Machterhalt um jeden Preis, auch wenn er dafür Nachbarländer überfällt und Tausende Menschen ermordet.“
Ukraine-Krieg Putins: „Der Papst diskreditiert sich und die katholische Kirche“, meinen teils auch Theologen
Der Münsteraner Theologe Thomas Bremer befand im Online-Magazin kirche-und-leben.de: „Der Papst diskreditiert sich und die katholische Kirche, wenn er den Angreifer nicht benennt.“
Von manchen Seiten wurden die Bemühungen des Papstes dagegen honoriert: „Jede Bemühung, um einen Waffenstillstand zu erreichen, ist gut“, resümierte am Freitag der Schweizer Bundespräsident Ignazio Cassis laut KNA. Wie das im Einzelnen funktionieren könne, müsse jeder Akteur für sich selbst entscheiden. Guten Willen, zu einer Lösung und einem Kriegsende beizutragen, zeigen auch rangniedrigere Kirchenvertreter und es ist wohl besser als gar keine Bemühung. Die Äußerungen des Kirchenoberhaupts zum Krieg in der Ukraine bleibt für viele aber schwer nachvollziehbar.
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