VonPeter Siebenschließen
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sagt, er glaube nicht an die grüne Stahlproduktion. Dabei lobte ein Parteikollege das kürzlich noch als Chance.
Berlin/Düsseldorf – Beim CDU-Arbeitnehmerflügel CDA hatte man wahrscheinlich nicht mit dieser Aussage gerechnet: „Ich glaube persönlich nicht daran, dass der schnelle Wechsel hin zum wasserstoffbetriebenen Stahlwerk erfolgreich sein wird“, sagte Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz am Montag (13. Januar) bei der CDA-Betriebsrätekonferenz – ausgerechnet in Bochum, im Herzen des Ruhrgebiets. Die Stahlindustrie steckt dort mitten in der Transformation.
Die Thyssenkrupp-Tochter TKS aus Duisburg, einer der größten Stahlproduzenten Europas, forciert seit Jahren den Umstieg auf die Stahlerzeugung mithilfe von Wasserstoff statt Kohle. Dafür gibt es saftige Subventionen, 700 Millionen Euro allein vom Land NRW. CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst nannte das Projekt 2023 noch eine „einzigartige Chance“. Das Bundesland sieht sich beim Thema Wasserstoff als Vorreiter, baut eine Wertschöpfungskette auf.
Merz hinterfragt Stahlproduktion bei Termin vor Bundestagswahl: „Wo soll der Wasserstoff herkommen?“
Und jetzt das. Ein CDU-Politiker, der bald Kanzler werden will, fragt: „Wo soll der Wasserstoff denn herkommen? Den haben wir nicht. Und wenn wir das mit Wasserstoff machen, dann ist die Tonne Stahl immer noch mindestens 300 Euro teurer, als wenn sie bisher konventionell erzeugt wird.“
Harsche Kritik gab es jetzt von den Grünen in NRW. Die Landeschefin der Partei, Yazgülü Zeybek, sagte der Frankfurter Rundschau: „Ich bin entsetzt über die Aussage von Friedrich Merz. Grüner Stahl ist kein Weihnachtsmann, an den man glaubt oder nicht glaubt. Grüner Stahl ist eine Schlüsseltechnologie, die uns unabhängig von chinesischem Stahl macht.“
Bund und Länder finanzieren Umstieg auf grüne Stahlproduktion
Stahl aus Kohle werde wegen steigender CO2-Preise immer teurer. „Deutschland kann bei der Produktion von Stahl aus grünem Wasserstoff weltweit Vorreiter werden. Unternehmen und der Staat haben viel investiert, damit wir uns an die Spitze dieser Technologie setzen.“
Nicht nur in NRW investiert man in die neue Technologie. Auch etwa die Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl AG setzen auf die neue Produktionsweise – eine Alternative bleibt nach Ansicht von Experten kaum, wenn die Branche langfristig wettbewerbsfähig sein will. 4,6 Milliarden Euro kostet der Umstieg, etwas mehr als die Hälfte stammt von Bund und Land, den Rest finanziert das Unternehmen.
Merz Äußerung „Schlag ins Gesicht“ für Belegschaft
Ein Festhalten an konventioneller Produktion mit Kohle bringe die deutsche Stahlproduktion indes in Gefahr, sagt Zeybek. „Zehntausende Menschen könnten allein in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit verlieren.“ Allein Thyssenkrupp hat 26.000 Mitarbeiter. „Für die Belegschaft, die aktuell für ihre Arbeitsplätze und den Standorterhalt kämpfen, ist die Äußerung von Friedrich Merz ein Schlag ins Gesicht“, so die Grünen-Politikerin. Grüner Stahl sei keine Frage des Glaubens, sondern knallharte Industriepolitik. Friedrich Merz offenbare sich als eine „Standortgefahr für Deutschland“.
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