Fumio Kishida machte in der Liberaldemokratischen Partei Japans Karriere. Seit seiner Wahl zum Premierminister am 4. Oktober 2021 schlägt er wirtschaftlich eher einen konservativen Kurs ein. Er überlebte im April 2023 einen Anschlag.
- Fumio Kishida führt seit 2012 die Faktion Kōchikai in der Liberaldemokratischen Partei Japans an.
- Er war von 2012 bis 2017 als Außenminister im Amt.
- Im Oktober 2021 wurde er zum Premierminister Japans ernannt.
Tokio – Die Politik schien Fumio Kishida in die Wiege gelegt worden zu sein. Schon Mitglieder seiner Familie machten Karriere bei der dauerregierenden Liberaldemokratischen Partei Japans. Dennoch musste der ehemalige Außenminister des Landes sich seinen Weg an die Spitze hart erkämpfen. Der neue Premierminister verfolgt im Gegensatz zu seinen Vorgängern eher einen konservativen politischen Stil, was die Wirtschaft des Landes betrifft.
Fumio Kishida: Sein Werdegang auf einen Überblick
- 1999: Ernennung zum Staatssekretär im Bauministerium
- 2001: Ernennung zum Staatssekretär im Bildungsministerium
- 2012: Ernennung zum Außenminister
- 2021: Wahl zum Vorsitzenden der LDP
- 2021: Wahl zum Premierminister Japans
Fumio Kishida: Die politischen Anfänge
Fumio Kishida wurde am 29. Juli 1957 in Tokio geboren. Er entstammt einer regelrechten Politikerfamilie der Liberaldemokratischen Partei Japans. Bereits sein Großvater Masaki Kishida war Unterhausabgeordneter und seine Tante war die Frau von Mizyazawa Hiroshi, der nicht nur Gouverneur von Hiroshima war, sondern auch noch der jüngere Brüder des früheren Premierministers Miyazawa Kiichi.
Bei dem Atombombenabwurf auf Hiroshima von 1945 kamen einige Verwandte von Kishida ums Leben. Seine Familie litt noch an den Spätfolgen. Aus diesem Grund hat sich der japanische Politiker stets für die Abschaffung von Atomwaffen ausgesprochen, wenngleich er die zivile Atomindustrie für die wirtschaftliche Entwicklung Japans weiter betreiben will.
1982 machte Kishida seinen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Waseda-Universität. Bis 1987 arbeitete er für die Long-Term Credit Bank of Japan. Dann trat er als Sekretär in die Dienste seines Vaters, dem Shūgiin-Abgeordneten Fumitake Kishida. 1993 beerbte er das Amt seines Vaters nach dessen Tod. Nach einer Wahlrechtsreform im Jahr 1996 übernahm er den Einmandatswahlkreis Hiroshima 1.
Fumio Kishida: Aufstieg zum Außenminister
Zunächst war Fumio Kishida als Staatssekretär im Bauministerium tätig, bevor er 2001 ins Bildungsministerium wechselte. 2007 wurde er von Premierminister Shinzō Abe bei der Kabinettsumbildung zum Staatsminister ernannt. Kishida war für das Gebiet um Okinawa sowie die Nördlichen Territorien des Landes zuständig, wo er sich um Lebensqualität, Wissenschaft, Technologie, aber auch Deregulierung kümmerte. Nach Abes Rücktritt wurde er in das Kabinett von Yasuo Fukuda übernommen, wurde aber 2008 wieder ersetzt.
Im Dezember 2012 wurde Kishida zum Außenminister im neu gebildeten Kabinett von Shinzō Abe ernannt. Das Amt hatte er fünf Jahre lang inne, bis er im August 2017 von Tarō Kōno abgelöst wurde. Im Sommer 2017 war Kishida kommissarisch als Verteidigungsminister im Einsatz.
Fumio Kishida wird Premierminister von Japan
Von 2017 bis 2020 gehörte Fumio Kishida sogar dem engsten Kreis der LDP-Führung an. Er wurde bereits als Nachfolger Abes gesehen, konnte sich bei den Wahlen 2020 nicht gegen seinen Konkurrenten Yoshihide Suga durchsetzen. Ein Jahr darauf wurde Kishida zum Vorsitzenden der LDP gewählt. Am 4. Oktober 2021 wurde er vom Parlament zum Premierminister designiert und erhielt noch am selben Tag durch die Ernennung des Kaisers seine Amtseinführung. Zwei Wochen später löste sein Kabinett das Abgeordnetenhaus auf trat zurück. Am 10. November 2021 wurde Kishida erneut zum Premierminister gewählt.
Fumio Kishida: Sein politischer Stil
Obwohl er in der Nachfolge von Shinzō Abe steht, lehnt er dessen neoliberale Wirtschaftspolitik ab. Der Grund soll vor allem die zunehmende Ungleichheit in der Mittelschicht sein. Zu seinen ersten Amtstätigkeiten zählten darum, dass er einen neuen Ministerposten für „wirtschaftliche Sicherheit“ und „neuen Kapitalismus“ schuf. Neben einem umfangreichen Konjunkturprogramm kündigte er auch Steuererleichterung für Unternehmen an, um die Löhne anzuheben. Außerdem will er Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie Kinder- und Altenpflege besser entlohnen.
Fumio Kishida präsentiert sich innerhalb der Partei als Reformer mit teils konservativen Werten. Er steht zudem der Nippon Kaigi nahe – eine überparteilich nationalistisch geprägte Organisation, die vor allem ein konservatives Weltbild verfolgt. Dazu gehören unter anderem auch die Verehrung des japanischen Kaiserhauses sowie eine patriotisch geprägte Erziehungspolitik.
Fumio Kishida: Anschlag vom 15. April 2023
Kishida überlebte am 15. April 2023 bei einem Wahlkampfauftritt einen Anschlag, der mit einer Rauchbombe verübt wurde. Das Attentat wurde nur neun Monate nach der Ermordung des früheren Regierungschefs Shinzō Abe verübt und einen Tag vor dem G7-Außemninistertreffen in Japan. Fumio Kishida konnte unverletzt in Sicherheit gebracht werden.