Belarus nicht qualifiziert

„Habe unsere Spieler nicht bei der WM gesehen“: Lukaschenko rügt Sportminister

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Alexander Lukaschenko während eines Fußballspiels bei der WM 2018 in Russland. Belarus selbst war noch nie für eine Endrunde qualifiziert.
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Belarus ist wahrlich keine Fußballnation und fehlt dementsprechend auch bei der WM. Machthaber Lukaschenko will das nicht akzeptieren.

Minsk – In der Fifa-Weltrangliste der besten Fußballnationalmannschaften liegt Belarus auf Rang 97, zwischen Vietnam und Äquatorialguinea. Noch nie nahm das Land an einem großen Turnier teil, auch bei der aktuell laufenden WM in Katar ist Belarus nicht qualifiziert. Machthaber Alexander Lukaschenko will das nicht wahrhaben.

Belarus nicht bei WM dabei: „Habe ich einfach nicht genug geschaut?“

„Die WM läuft gerade“, sagte Lukaschenko nun bei einem Termin mit seinem Sportminister Sjargei Kawaltschuk. „Aber aus irgendeinem Grund habe ich unsere Spieler dort nicht gesehen. Oder habe ich die WM einfach nicht genug geschaut?“ „Nein, Sie haben Sie genug geschaut“, entgegnete daraufhin der Minister. Dass Belarus nicht dabei ist, „erschreckt mich“, meinte Lukaschenko. Die Nationalmannschaft scheiterte als Letzter in der WM-Qualifikation. Dabei bezeichnete er sich als einen „Ex-Fußballer, der sehr viel gespielt hat“. Auf der Homepage des belarussischen Präsidenten sind tatsächlich ein paar Fotos zu finden, die Lukaschenko mit Ball am Fuß zeigen.

Anschließend rechnete der „letzte Diktator Europas“ mit dem Fußball ab. „Der Sport ist, wie viele andere, in einem schrecklichen Zustand.“ Damit meinte er wohl die Verfassung des belarussischen Fußballs. Denn Lukaschenko hatte prompt einen Auftrag für seinen Minister. „Als ich Sie ernannt habe, hoffte ich, dass Sie, ein Militärmann, als jemand, der Sport mag und ihn versteht, etwas an der Situation ändert.“

Lukaschenkos Sportpolitik: Fußball als „regierungsfreundliches Propagandainstrument“

Die Sportpolitik spielt in autokratischen Ländern wie Belarus eine große Rolle. Durch Erfolge der Nationalmannschaft oder das Austragen von Sportereignissen soll die eigene Politik gestärkt werden. Belarus versuchte das etwa über die Eishockey-WM 2014. Vergangenes Jahr sollte die Endrunde abermals in Minsk stattfinden, doch aufgrund der politischen Spannungen in Belarus rund um die skandalöse Präsidentschaftswahl entzog der Eishockeyweltverband nach öffentlichem Druck Belarus das Turnier.

Der Fußball spielt in der nationalen Sportpolitik ebenfalls eine große Rolle. So ging aus einem internen Bericht hervor, dass sich das Lukaschenko-Regime systematisch in die Führung des belarussischen Fußballverbands eingemischt und den Sport als „regierungsfreundliches Propagandainstrument“ eingesetzt habe. Das berichtete der britische Guardian. Für die WM-Qualifikation reicht auch das nicht. (as)

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