Minister a.D. legt nach

„Maßlose Kritik“: Gabriel stellt sich hinter Katar-WM – und rügt „deutsche Arroganz“

+
Sigmar Gabriel (Archivbild von 2020)
  • schließen

Ein Tweet Sigmar Gabriels zur Katar-WM hatte für Aufsehen gesorgt. Jetzt verteidigt der Ex-Minister seine Aussagen zu dem umstrittenen Gastgeberland. 

Hamburg - Der SPD-Politiker und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel hat umstrittene Äußerungen zur Fußball-WM in Katar in einem Interview mit dem Magazin Stern bekräftigt: „Mein Tweet hat natürlich provoziert und das sollte er auch. Weil ich mich seit geraumer Zeit über die Überheblichkeit gegenüber Qatar ärgere.“

Zuvor hatte Gabriel Folgendes gepostet:

Gabriel zur Fußball-WM 2022: „Überziehen Katar mit maßloser Kritik“

„Es ist ja keineswegs so, dass ich nicht auch sehe, welche Probleme es in Qatar gibt und das übrigens gegenüber den Qataris auch sage“, sagte Gabriel dem Stern . „Ich sehe aber ebenso, was sich dort in den letzten Jahren alles zum Besseren getan hat. Und speziell in Deutschland wird das komplett ausgeblendet. Stattdessen überziehen wir das Land mit maßloser Kritik und helfen ungewollt denen, die in Katar Gegner der Reformen des Emirs sind.“

Diese Gegner nutzten Angriffe auch aus Deutschland als Ausrede, um alles so zu lassen, wie es war, erklärte Gabriel: „Die sagen jetzt: ‚Egal, was wir machen, wir werden immer beschimpft.‘“ Natürlich sei das Land noch deutlich entfernt von „unseren Standards“: „Doch gerade wir Deutschen müssten doch wissen, dass Reformen nicht über Nacht alles gut machen. Sondern dass sie Schritt für Schritt kommen.“ Unter anderem die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht sich gegen einen Boykott der Fußball-WM in Katar aus.

Gabriel forderte eine Doppelstrategie im Umgang mit Katar: „Sagen, was sich noch verändern muss. Aber auch respektieren, was schon erreicht wurde. Was wir jetzt erreicht haben, ist doch, dass die Qataris beginnen, die Ohren zu verschließen.“

Umfragen zur Fußball-WM in Katar: Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen

Am 20. November beginnt das Turnier in Katar. Eine Umfrage von Merkur.de unter Bundestagsabgeordneten zur Fußball-WM 2022 zeigte ein gespaltenes Bild. Die Turniervergabe steht nicht zuletzt in der Kritik, weil dem Emirat massive Verletzungen von Menschenrechten beim Bau der Stadien und der Organisation vorgeworfen werden. Insbesondere ein unmenschlicher Umgang mit Gastarbeitern wird den WM-Verantwortlichen zur Last gelegt. Experten sprachen bei Merkur.de von IPPEN.MEDIA von einem enger werdenden Verhältnis zwischen Deutschland und Katar(frs)

Kommentare