- VonAnna Lorenzschließen
Am Sonntag beginnt in Katar die Fußball-WM. Ob Scholz im Falle eines Finaleinzugs der deutschen Nationalmannschaft anreisen wird, ist offensichtlich noch unklar.
Berlin – Weder ausgeschlossen, aber auch noch nicht klar, so steht es laut Regierungssprecher Steffen Hebestreit um die Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der WM in Katar. Das Turnier beginnt am Sonntag (20. November), das Endspiel ist für den 18. Dezember angesetzt. Wegen der fragwürdigen Menschenrechtslage in Katar ist die Weltmeisterschaft stark umstritten, diverse Prominente haben bereits angekündigt, das Turnier zu boykottieren. Wie aber positioniert sich die deutsche Politik?
Kanzler-Beistand im Falle eines Finaleinzugs der deutschen Mannschaft: Pflicht?
Seit dem Titelgewinn der deutschen Mannschaft bei der Heim-WM 1974 waren die Bundeskanzler stets im Stadion, wenn Deutschland im Finale stand. 1974 in München beim Sieg gegen die Niederlande und 1982 in Madrid drückte Helmut Schmidt der Mannschaft auf der Tribüne die Daumen, Helmut Kohl war 1986 in Mexiko-Stadt und 1990 beim Titelgewinn im Olympiastadion von Rom dabei. 2002 reiste Gerhard Schröder nach Japan, um die deutsche Mannschaft in Yokohama gegen Brasilien zu unterstützen. Sogar in der Kabine feierte Angela Merkel 2014 im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro den WM-Titel mit der DFB-Auswahl.
Zwei WM-Endspiele bestritt die deutsche Mannschaft hingegen ohne die Kanzler-Unterstützung von der Tribüne: Konrad Adenauer ließ sich 1954 das Wunder von Bern entgehen und Ludwig Erhard war nicht dabei, als Deutschland 1966 im Londoner Wembley-Stadion gegen England verlor.
Reist Scholz zur WM nach Katar? – „Wir man sich dann genau angucken“
In welche Richtung es jetzt bei der WM in Katar geht, ist noch komplett offen. Wie Hebestreit am Freitag (18. November) mitteilte, wird der Kanzler die Spiele der deutschen Mannschaft zunächst einmal im Fernsehen verfolgen, „wenn es sein Terminkalender erlaubt“. Ob Scholz bei einem möglichen Einzug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins WM-Finale nach Katar reisen wird, werde „man sich dann genau angucken.“
Nach vormals proklamierter Ungewissheit kündigte Bundesinnenministerin Nancy Faeser hingegen nun an, dass sie die deutsche Mannschaft vor Ort unterstützen wolle. Die Planungen seien aber noch nicht ganz abgeschlossen. Neben dem Fussball-Schauen will die SPD-Politikerin bei einem Besuch den Dialog mit der katarischen Regierung zu dortigen Reformen, insbesondere zur Verbesserung der Menschenrechtssituation und der Situation der Wanderarbeiter, fortsetzen.
Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa