VonMarcus Giebelschließen
Beim G20-Gipfel in Neu-Delhi treffen sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Nationen. Von der Affen-Plage sollen sie nichts mitbekommen.
Neu-Delhi – Zum Stadtbild von Neu-Delhi gehören neben dem India Gate und dem Präsidentenpalast, hunderttausenden Menschen und zehntausenden Fahrzeugen auch unzählige Rhesusaffen. Was wiederum die Organisatoren des G20-Gipfels vor eine heikle Aufgabe stellt. Denn die Primaten scheren sich eben nicht darum, dass mehr als ein Dutzend der bedeutendsten Politiker der Welt in ihrer Wahlheimat zusammentreffen, um sich auszutauschen und Strategien für eine bessere Zukunft festzulegen.
Um es schonungslos auszusprechen: Der Rhesusaffe an sich hätte kein Problem damit, Bundeskanzler Olaf Scholz sein Redeskript aus der Hand zu reißen oder US-Präsident Joe Biden in den Finger zu beißen – auch wenn Beißattacken dann doch sehr selten sind. An der Augenklappe des SPD-Politikers hätten die Tiere wahrscheinlich erst recht ihren Spaß.
Affen-Plage bei G20-Gipfel: Männer imitieren Laute der natürlichen Feinde
Damit solche folgenschweren Begegnungen aber gar nicht erst zustande kommen, haben die Inder in ihrer Hauptstadt vorgesorgt, wie unter anderem der Spiegel, die Bild und die Kleine Zeitung aus Österreich berichten. Demnach kommen rund um den Gipfel an diesem Wochenende sogenannte „Affen-Männer“ zum Einsatz. Mehr als 30 dieser „Monkey Wallahs“ seien vom Stadtrat engagiert worden, um die Rufe der aggressiven Languren nachzuahmen. Diese sind die natürlichen Feinde der Rhesusaffen und flößen ihnen entsprechend deutlich mehr Respekt ein als es irgendein Staats- oder Regierungschef auf dieser Welt je könnte.
Die Nachrichtenagentur afp zitiert den Vize-Stadtratsvorsitzenden Satish Upadhyay: „Wir können die Affen nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernen, deshalb haben wir eine Mannschaft von 30 bis 40 Männern aufgestellt, die die Affen verscheuchen.“ Stationiert würden diese Languren-Imitatoren in den Delegationshotels sowie an Orten, wo die Rhesusaffen häufig gesichtet werden.
Rhesusaffen in Neu-Delhi: Languren-Dummys und Fütterungen in Wäldern sollen helfen
Weil der Stadtrat aber wirklich nichts dem Zufall überlassen will – schließlich schaut die ganze Welt auf Indiens Hauptstadt –, werden obendrein noch lebensgroße Languren-Dummys aufgestellt, heißt es weiter. Ein weiteres Mittel, um den Rhesusaffen, die laut dem Deutschen Primatenzentrum eine Körperlänge von bis zu 66 Zentimetern erreichen können, Angst zu machen.
Außerdem hätten die Behörden schon im Vorfeld des G20-Gipfels damit begonnen, die Rhesusaffen in bewaldeten Gebieten zu füttern. Dabei schwingt die Hoffnung mit, dass sich die Tiere dort niederlassen und um Neu-Delhi einen Bogen machen.
Mit anderen wilden Tieren sollen die Behörden rigoroser verfahren sein. So wird berichtet, die Straßenhunde seien eingefangen worden. Sie sollen jedoch – so die offizielle Verlautbarung – später wieder freigelassen werden.
Affen und Indien: Tiere sind wegen Gottheit heilig und leben auch in Tempeln
Von den Rhesusaffen müssen sie dagegen die Hände lassen. Auch wenn diese längst als Plage wahrgenommen werden. Aber neben Kühen, Elefanten oder Tigern sind auch Affen den Indern heilig. Hintergrund ist die Legende um den Affengott Hanuman. Der soll etwa mit seiner Affenarmee losgezogen sein, um Sita, die Frau des Gottes Rama, aus der Gewalt eines Dämons zu befreien. Auch in den heiligen Tempeln des Landes leben mittlerweile viele Affen.
Bereits in der Vergangenheit war in Neu-Delhi mithilfe von extra angelernten Languren versucht worden, die Rhesusaffen zu vertreiben. Über Jahrzehnte patrouillierten Männer mit ihnen zu diesem Zweck durch die Straßen der Stadt. Aus Tierschutzgründen ist diese Praxis jedoch Vergangenheit.
So werden die Rhesusaffen auch nach dem G20-Gipfel weiter das Bild von Neu-Delhi mitprägen. Auch wenn es hinsichtlich des Hintergrunds ihrer Anwesenheit verschiedene Meinungen gibt, sehen Tierschützer den Menschen selbst als Hauptursache. Denn die selbsternannte Krone der Schöpfung würde den Tieren zunehmend den natürlichen Lebensraum wegnehmen – indem dort immer mehr Gebäude gebaut würden. (mg)
Rubriklistenbild: © IMAGO / imagebroker


