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9 Leute erinnern wehmütig an Galeria Kaufhof – „warmes Gebläse im Eingang im Winter“

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Der Konzern beantragt erneut ein Insolvenzverfahren. Die Warenhäuser und ihre Spülbürsten werden Kund:innen schmerzlich vermissen.

Update vom 09. Januar, 14 Uhr: Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Essen mit. Galeria sucht demnach einen neuen Eigentümer. Gespräche mit potenziellen Investoren seien bereits angelaufen, Ziel sei die Fortführung von Galeria.

Galeria-Chef Olivier van den Bossche sagte: „Galerias operativer Erfolg wird durch die Rahmenbedingungen der alten Eigentümerstruktur belastet. Wir sehen in dem heutigen Tag ausdrücklich einen Befreiungsschlag.“ Weiter heißt es in der Mitteilung: „Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftige Entwicklungsmöglichkeit stark ein.“

Nach der vergangenen Insolvenz hatte der Warenhauskonzern etwa 40 Filialen schließen müssen. Die letzten 18 davon machen im Laufe dieses Monats dicht. Galeria betreibt aktuell 92 Warenhäuser und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Menschen.

Update vom 17. März 2023, 10 Uhr: Galeria Karstadt Kaufhof wird die Filiale in Leipzig doch nicht schließen. Wie ein Unternehmenssprecher am Donnerstag mitteilte, bleibt das Warenhaus wegen weiterer Zugeständnisse des Vermieters erhalten. Gleiches gilt demnach für die Filialen in Bayreuth, Erlangen, Oldenburg und Rostock. Die Zahl der geplanten Filialschließungen bei Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern verringert sich damit auf 47. Die Zahl der fortgeführten Häuser steigt auf 82.

Erstmeldung vom 14. März 2023, 12:15 Uhr: Wenn Unternehmen pleitegehen, dann ist der Aufschrei in Deutschland meist groß. So etwa beim Toilettenpapierhersteller Hakle, den wir bald hinter(n) uns lassen müssen. Im September kündigte er Insolvenz an – zu groß die Energie- und Materialkosten. Auch Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Jetzt will sie 52 der noch verbliebenen 129 Warenhäuser schließen. „Wo sollen wir jetzt in Zukunft unsere Koffer und Schneidebretter kaufen?“, fragen sich Twitter-User:innen verzweifelt.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt 52 Filialen – „für uns alle ein schwerer Tag“

„Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag“, sagte der Galeria-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Montag, 13. März 2023, bei der Veröffentlichung der Schließungsliste. Das Unternehmen habe in den vergangenen Wochen intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen. Insgesamt 52 Warenhäuser könnten aber angesichts der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der lokalen Gegebenheiten nicht fortgeführt werden.

Betroffen von den Filialschließungen sind Warenhäuser in Großstädten wie Berlin und Düsseldorf ebenso wie Filialen in kleineren Kommunen wie Paderborn, Reutlingen oder Pforzheim, insgesamt sechs Galeria Kaufhof Filialen in Baden-Württemberg, wogegen Verdi angehen will. Insgesamt 21 Filialen sollen nach den Plänen des Konzerns bereits zum 30. Juni 2023 ihre Türen für immer schließen, die übrigen 31 Häuser zum 31. Januar 2024.

Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats werden im Zuge des Insolvenzverfahrens „weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren“. Geplant seien neben den Stellen, die in den Filialen wegfallen, auch Flächenreduzierungen und ein Personalabbau in den verbleibenden Häusern und in den Zentralfunktionen. Das Unternehmen selbst sprach von mehr als 4000 Betroffenen.

„Das Beste an Kaufhäusern war das warme Gebläse im Eingang im Winter...“, sagt diese Person auf Twitter zu den Galeria Kaufhof Schließungen.

Auch andere Läden, wie die der Marke „Original Unverpackt“ mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.

9 Twitter-Reaktionen auf die Schließungen von Galeria Karstadt Kaufhof

Auf X (ehemals Twitter) reagieren die Menschen nicht gerade mit Überraschung auf die Schließungen. „Hand aufs Herz, wann waren Sie das letzte Mal bei Galeria Kaufhof einkaufen? Ich vor circa vier Jahren und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich fand, was ich suchte“, schreibt ein User.

Und doch: Ein bisschen Wehmut schwingt mit. So vermissen einige das „warme Gebläse im Eingang im Winter“ oder das Gefühl, mit Oma in die Stadt zu gehen, Parfüms zu testen und anschließend im Kaufhof-Bistro Kuchen zu essen. BuzzFeed News DE sammelt neun Twitter-Reaktionen von Leuten, an denen die Schließung von Galeria Kaufhof nicht liegen kann, weil sie dort doch erst „ne Spülbürste gekauft“ haben.

1. WO???

Und WO gibt es in Zukunft Wrigley‘s Kaugummi-Streifen??? Die verschwinden, wie andere sieben Süßigkeiten vor ihnen aus den Supermarktregalen.

2. Hmmm... schön mollig...

3. „Hätte Galeria Kaufhof mit Diesel geheizt, würde die FDP sie jetzt retten.“

4. An ihr liegen die Schließungen von Galeria Kaufhof nicht...

5. „Wann wart ihr zuletzt in einer Galeria Kaufhof Filiale?“ Eben.

6. Selbst schuld, findet diese Person. Warum bestellen wir auch bei Amazon und Co.?

7. Oder war doch die „alte Herrenmode“ schuld?

8. Dieser User war vor etwa vier Jahren im Galeria Kaufhof und ist sich „nicht einmal sicher“, ob er fand, was er suchte.

9. Das Konzept Kaufhaus muss neu gedacht werden, findet dieser Nutzer.

Mehr zu Insolvenz bei Unternehmen? Elon Musk schließt Twitter-Pleite nicht aus, sagte er im Herbst 2022.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa/Collage Twitter @SheldoxE

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