VonPatrick Mayerschließen
Offenbar liegen ungenutzte Röhren für die Gas-Pipeline Nord Stream 2 an einem deutschen Fährhafen herum. Robert Habecks Ministerium sucht nach einer Lösung.
München/Greifswald - Es war die vielleicht aufsehenerregendste Sanktion Deutschlands gegen Russland im Ukraine-Krieg: Die Ampel-Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stoppte das Genehmigungsverfahren für die Gas-Pipeline Nord Stream 2 angesichts der Vorbereitungen für den russischen Überfall auf die Ukraine.
Nord Stream 2: Ungenutzte Röhren kosteten Bund offenbar viele Millionen Euro
Die Pipeline sollte ursprünglich Gas aus Ust-Luga in der Region Leningrad ins deutsche Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern leiten. Jüngst wurde jedoch bekannt: Die Bundesrepublik hat es geschafft, sich in wenigen Monaten komplett unabhängig von russischem Gas zu machen.
Wofür die Politik in Kauf nahm, dass der Gaspreis zwischenzeitlich bundesweit in die Höhe stieg. Und wohl auch, dass übrig gebliebene Röhren, gekauft für viel Geld, nicht genutzt werden. Laut Business Insider soll der Bund die riesigen Rohre für 70 Millionen Euro gekauft haben.
Nord Stream 2: Deutschland kaufte offenbar 3000 Röhren
Konkret soll Deutschland noch im Frühjahr 2022 von der Nord Stream 2 AG rund 3000 Röhren erworben haben, schreibt das Portal. Ob Deutschland bei Vertragskündigung zum Kauf der Hardware verpflichtet war, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) äußerte sich zurückhaltend. „Über die Menge der Rohre und die Kosten können wir keine Auskunft geben, da die Verträge als vertraulich eingestuft wurden“, zitierte Business Insider das Ressort.
Im Video: Vor Explosion: Waren russische Schiffe nahe der Nord-Stream-Pipeline?
Immerhin soll ein Teil dieses Materials nun verwendet werden. Denn: Wie das Online-Wirtschaftsmagazin schreibt, plant die Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP den Bau eines LNG-Terminals im Fährhafen von Sassnitz auf Rügen. In Mukran, einem integrierten industriell genutzten Hafen, sollen zwei Spezialschiffe Flüssigerdgas umwandeln.
LNG-Terminals auf Rügen: 50 Kilometer lange Gas-Pipeline durch die Ostsee?
Von diesen soll dann eine 50 Kilometer lange Pipeline das Gas durch die Ostsee hindurch weiter nach Lubmin auf das deutsche Festland transportieren, heißt es. Eben jene Pipeline soll aus besagten Riesen-Röhren entstehen, die laut Agentur-Fotos aktuell bereits auf einem Gelände neben dem sogenannten Mukran Port im Osten der Insel Rügen herumliegen.
Das beseitigt aber nicht die politische Sprengkraft des Vorgangs: Der deutsche Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 etwa kündigte seine Geschäftsbeziehungen mit dem russischen Energiekonzern auf, der zuvor jahrelang Trikotsponsor gewesen war. Kassierte Gazprom vor seinem Rückzug aus Deutschland unterdessen noch Millionen von der Bundesregierung für Rohre? (pm)
