Begehrlichkeiten in der Energie-Krise: Der Gasspeicher in Haidach ist aktuell nur am deutschen Netz. Österreich will das offenbar ändern - Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger appelliert.
Update vom 25. Juli, 13.21 Uhr: „Wir beobachten die Entwicklungen mit großer Sorge“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nun zur Versorgung aus dem Gasspeicher Haidach. „Zu Haidach scheint es ja eine Vereinbarung zwischen Berlin und Wien zu geben. Diese besagt, dass der überwiegende Teil für Bayern vorgesehen ist. Daher unsere klare Forderung: Der Bund muss die Vereinbarung mit Österreich transparent machen und deutlich sagen, wann und wie viel Gas nach Bayern fließt.“
Bayern könne in dieser Frage nicht selbst handeln, das sei Bundesangelegenheit, sagte der CSU-Chef. Der Bund agiere aber seit Monaten leider viel zu zögerlich. „Heute haben wir eher den Eindruck, dass sich nur zugunsten von Österreich etwas bewegt hat. Es geht bei Haidach aber um die Versorgung von ganz Deutschland. Sie betrifft neben Bayern auch Baden-Württemberg und andere Bundesländer.“
Söder warnte: „Sollte Bayern als wirtschaftsstärkstes Bundesland nicht ausreichend versorgt werden, betrifft das die Gesamtwirtschaft. Wer den Süden abkoppelt, legt das ganze Land lahm.“
Österreich will Gasspeicher anzapfen, der aktuell Bayern versorgt
Erstmeldung vom 25. Juli: Wien - Österreichs Regierung will einen ans deutsche Netz angeschlossenen Gasspeicher noch in diesem Jahr anzapfen. Wie die Süddeutsche Zeitung(SZ) berichtet, geht es um den Gasspeicher in Haidach bei Salzburg, der bislang vor allem Bayerns Haushalte und Industrieunternehmen mit Gas versorgte.
„Wir haben beschlossen, dass alle Gasspeicher auf österreichischem Staatsgebiet an unser Netz angeschlossen werden müssen“, zitierte die Zeitung die österreichische Klimaschutz- und Energieministerin Leonore Gewessler. Sie erwarte, dass „ein erster Anschluss“ an das österreichische Gasnetz „noch in diesem Jahr“ erfolgen werde, sagte Gewessler der SZ. Die Gasspeicher in Österreich seien derzeit zu 50 Prozent gefüllt.
Gas-Speicher in Haidach: Aiwanger reagiert gelassen
Die Pläne sind nach Ansicht von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwangers verständlich. „Wir sitzen aber ohnehin europaweit in einem Boot was die Gasversorgung betrifft und müssen uns gegenseitig unterstützen“, sagte der Freie-Wähler-Politiker dem Bayerischen Rundfunk auf Nachfrage.
Auf der Suche nach Alternativen zu russischem Gas setzt Österreichs Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) nicht zuletzt auf Israel als künftiges Exportland. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert angesichts des geplanten milliardenschweren Rettungspakets für den Energiekonzern Uniper auch einen Rettungsschirm für Stadtwerke.
Gas-Krise in Europa: Putin droht mit Nord Stream 1
Österreich ist in hohem Maße abhängig von russischen Energieimporten und steht deshalb wie Deutschland stark unter Druck. Der russische Energieriese Gazprom hat die Lieferungen durch Nord Stream 1 seit Juni deutlich reduziert. Kremlchef Wladimir Putin drohte kürzlich damit, dass die Lieferungen weiter sinken könnten - und zwar auf 20 Prozent der täglichen Höchstmenge.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Angesichts der gedrosselten russischen Gaslieferungen hatte Österreich bereits im Juni beschlossen, ein abgeschaltetes Kohlekraftwerk zu reaktivieren. Auch Importe über Terminals zur Anlandung von Flüssiggas an den deutschen Küsten werden erwogen. (frs mit AFP-Material)