Hohe Kosten für Verbraucher

Gasnotstand in Deutschland: Die Gaspreise könnten weiter explodieren

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Die Energiekrise 2022 ist in vollem Gange, die schlechten Nachrichten häufen sich. Doch wie geht es weiter mit dem Gaspreis – und wo liegt er aktuell?

Berlin – Die Energiekrise 2022 ist in vollem Gange, ein Ende ist bei der Angst vor dem Gasnotstand nicht in Sicht. Die schlechten Nachrichten für Verbraucherinnen und Verbraucher scheinen kaum abzureißen. Auch die Maßnahmen aus dem Entlastungspaket 2022 können die Folgen der Energiekrise in Deutschland nicht abfedern. Der Gaspreis bereitet vielen Menschen Sorgen – besonders mit Blick auf kommende Nachzahlungen. Weitere angedachte Entlastungen sorgen bisher kaum für Hoffnung, den finanziellen Mehraufwand wirklich abzufedern. Doch was kann bei der Entwicklung des Gaspreises noch erwartet werden und was ist der Status Quo?

Gasnotstand in Deutschland: Wie hoch sind die Gaspreise aktuell?

Mit Blick auf die Energiekrise und insbesondere den Gasnotstand in Deutschland fragen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher: Wie hoch sind die Gaspreise aktuell? Die Energiekrise 2022 hat den Preisdruck noch einmal verschärft. Die Angst davor, dass es bei Gas zu Engpässen kommen könnte, hat den Gaspreis in Europa weiter in die Höhe getrieben. Am Dienstag, dem 05. Juli 2022, stieg der Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden bis auf etwa 175 Euro – pro Megawattstunde.

Der Gaspreis steigt, ein Ende ist nicht in Sicht. Mietern drohen horrende Nachzahlungen. (Symbolbild)

Im Vergleich zu den vergangenen Monaten ist das der höchste Stand beim Gaspreis seit März, im Vergleich zum Vortag ein etwa achtprozentiger Anstieg. Verbraucher fragen sich, womit sie in der Gaskrise rechnen müssen.

Gasnotstand in Deutschland: Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 verknappen Gaslieferung

Ursache für die hohen Gaspreise ist die Sorge vor Engpässen. Russland hat die Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 drastisch reduziert. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befürchtet eine gänzliche Blockade der Pipeline. Moskau begründet die Kürzungen bisher mit technischen Schwierigkeiten und Wartungen, westliche Staaten sehen darin eine Reaktion auf die Sanktionen.

In Norwegen könnten zudem Streiks der Öl- und Gasarbeiter die Zufuhr vorübergehend verknappen. Für Deutschland hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zuletzt vor einem Gaspreis gewarnt, der die Rechnungen von Verbrauchern massiv erhöhen könnte. Nicht grundlos ist mancherorts die Rede von einer drohenden Verdreifachung der Rechnung bei Gas.

Gaspreis und Gasnotstand in Deutschland: Wird Gas 2022 wieder günstiger?

Doch wird Gas 2022 wieder günstiger? Mit Blick auf den Gaspreis und den bevorstehenden Gasnotstand in Deutschland gab es zuletzt wenig erfreuliche Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. Der Gaspreis ist komplex zu durchschauen, in ihn spielen verschiedenste Faktoren neben dem Ukraine-Krieg hinein. Deutschland kauft derzeit Gas auf dem Weltmarkt zu hohen Preisen. Um die Gasspeicher bis zum Winter zu füllen, wird das auch erst einmal weiter der Fall sein: Die Wirtschaftswoche berichtet von einem Füllstand von etwa 60 Prozent, bis Herbst sollen es mehr als 90 sein. Volle Speicher reichen für 2,5 Monate – also zu kurz, für den Winter. Zwischen November und März muss daher auch weiter Gas fließen, teures Gas.

Eine wirkliche, bedrohliche Versorgungslücke droht nach Einschätzung verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute derzeit dennoch nicht. Kurzfristige Käufe sind allerdings besonders teuer, die geringe Zufuhr aus Nordstream 1 schmerzt daher. Erst bei Kontrakten über mehr als sechs Monate Laufzeit sollen die Preise wieder sinken. Noch profitieren Energieversorger von langfristigen, günstigeren Lieferverträgen der vergangenen Jahre. Experten gehen vorerst nicht von sinkenden Preisen aus – im Gegenteil. Die Perspektive hängt auch davon ab, welche Maßnahmen die Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) ergreift, um Verbraucher zu schützen.

Gaspreis, Energiekrise, Notfallplan Gas: Wird Gas noch teurer 2022?

Die Antwort auf die Frage „Wird Gas noch teurer 2022“ hängt auch damit zusammen, wie die Bundesregierung mit der knappen Versorgungslage umgeht. Auch die Alarmstufe des Notfallplans Gas spielt dabei eine Rolle: Sollte die Bundesnetzagentur eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen“ feststellen, könnte, da die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen wurde, das „Preisanpassungsrecht“ aus dem „Energiesicherungsgesetz“ greifen. Für Verbraucher könnte das die Energiekrise 2022 weiter verschärfen.

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Gaspreise 2022: Energiekrise in Deutschland könnte sich weiter verschärfen

Die Klausel würde es erlauben, dass „alle hiervon betroffenen Energieversorger entlang der Lieferkette das Recht, ihre Gaspreise gegenüber ihren Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen.“ Problem dabei: Was „angemessen“ ist, ist nicht vorgegeben – sprich Forderungen wären nach oben hin offen. Die Preise könnten in diesem Fall massiv steigen. In jedem Fall rechnen Experten mit weiteren Anstiegen.

Es bleibt die Frage, was die Ampel für Lösungen anbietet: Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, wirbt etwa für eine Deckelung der Energiepreise, also eine Preisgarantie, doch es gibt noch weitere Vorschläge. Welche von ihnen Gehör finden, geschweige denn Umsetzung – und vor allem mit welchem Effekt – bleibt abzuwarten. Viele Menschen in Deutschland verfolgen die Entwicklung ebenso mit Spannung, wie mit Sorge.

Rubriklistenbild: © Archiv/Imago

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