Integration

Geflüchtete aus der Ukraine: In Deutschland angekommen

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Viele Ukrainerinnen wollen bleiben.
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Ukrainische Geflüchtete finden sich laut einer Studie in Deutschland immer besser zurecht. 44 Prozent der Befragten können sich vorstellen mehrere Jahre oder länger zu bleiben.

Mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine haben seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 in Deutschland Schutz gesucht. Wie ist die Situation der Geflüchteten - von denen die meisten Frauen und Kinder sind - und wie hat sie sich verändert? Antworten liefert eine Studie von vier Forschungsinstituten, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Der Studie zufolge könnten sich mittlerweile 44 Prozent der Befragten vorstellen, langfristig in Deutschland zu bleiben. Das sind fünf Prozent mehr als zum Zeitpunkt einer ersten Befragung der Forschenden im vergangenen Spätsommer. Damals wurden mehr als 11 000 geflüchtete Ukrainer:innen zwischen 18 und 70 Jahren befragt. Zuletzt, von Januar bis März dieses Jahres, waren es knapp 7000. Die Forschenden erkundigten sich etwa nach Bleibeabsichten, Deutschkenntnissensowie dem Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen, zu denen rund ein Drittel der Geflüchteten zählt.

Jobsuche nach Deutschkurs

„Das Zwischenfazit ist durchaus ermutigend“, sagte Markus Grabka vom Sozio-oekonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, und weiter: „Die gesellschaftliche Teilhabe hat zuletzt deutliche Fortschritte gemacht.“ So hätten drei von vier ukrainischen Geflüchteten einen Deutschkurs besucht oder abgeschlossen, am häufigsten einen Integrationskurs. „Da ein Großteil der Geflüchteten zu Jahresbeginn noch einen Integrationskurs besuchte, sollte der Anteil mit Abschlüssen mittlerweile weiter gestiegen sein“, berichtete Nina Rother vom Forschungszentrum des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge.

Bleibeperspektive fehlt

Erwerbstätig waren laut der Studie zuletzt 18 Prozent der Geflüchteten. Im Spätsommer 2022 waren es 17 Prozent. Die Zahl sei nur gering gestiegen, weil eine Jobsuche meist Deutschkenntnisse voraussetze und im Frühjahr sehr viele der Geflüchteten noch Sprachkurse belegt hätten, sagte Rother.

Es gibt aber auch Hürden für die Integration. Bisher ist nämlich nicht klar, ob das derzeit bis März 2024 befristete Aufenthaltsrecht für Ukrainer:innen verlängert wird. „Die Geflüchteten benötigen Planungssicherheit, ob sie sich in Deutschland langfristig aufhalten dürfen – auch wenn der Krieg beendet sein wird“, betonte deshalb Yuliya Kosyakova vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Insbesondere für die Motivation Deutsch zu lernen und anschließend eine Arbeit zu finden, seien langfristige Perspektiven enorm wichtig.

Als weiteren Kritikpunkt nennen die Forschenden die Kinderbetreuung. „Ein ausreichend großes Angebot an Kita-Plätzen ist wichtig, um Sprachkurse besuchen und eine Erwerbstätigkeit aufnehmen zu können“, sagte Andreas Ette vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Für Kinder sei die Betreuung zentral, „um die Sprache zu lernen, einen strukturierten Alltag zu haben und Freunde zu finden“.

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