VonPatrick Mayerschließen
Videos sollen zeigen, wie ukrainische Soldaten in die Randbezirke von Bachmut vorrücken. Was wir zum erneuten Kampf um die Donbass-Stadt wissen - und was nicht.
München/Bachmut - 47.000 russische Soldaten sollen mindestens getötet worden sein, nachdem Moskau-Machthaber Wladimir Putin den Ukraine-Krieg lostrat. Das geht aus einer Analyse des unabhängigen russischen Nachrichtenportals Meduza in Zusammenarbeit mit einem Recherche-Team der britischen BBC hervor. Untersucht wurden etwa Erb-Auflösungen in Russland.
Ukraine-Gegenoffensive: Russische Truppen in Bachmut angeblich „in der Falle“
Ferner wird eine hohe Dunkelziffer erwartet. Gut möglich, dass die Verluste der russischen Streitkräfte gerade im Donbass zeitnahe erheblich steigen.
Die Ukraine erklärte am Montag (11. Juli), ihre Einheiten hätten russische Besatzungstruppen in Bachmut „in eine Falle gelockt“. General Oleksander Syrskyi, Oberbefehlshaber der Bodentruppen, schrieb bei Telegram: „Bachmut. Der Feind sitzt in der Falle. Die Stadt ist unter der Feuerkontrolle (unserer) Verteidigungskräfte. Der Feind wird aus seinen Stellungen gedrängt.“ Doch, was bedeutet das? Merkur.de erklärt, was über den militärischen Showdown um Bachmut bekannt ist - und was nicht.
Ukraine-Gegenoffensive: Einkesselung der Russen in Bachmut dauert an
- Einkesselung von Bachmut ist nicht abgeschlossen: Wie unter anderem das Kartenmaterial des Institute for the Study of War (ISW) veranschaulicht, rücken die ukrainischen Truppen am Südrand und Nordrand der Stadt mit einstmals 70.000 Einwohnern vor. Die westliche Flanke liegt demnach völlig offen, es wirkt, als sei die russische Verteidigung dort eingebrochen. Aber: Nach der Einnahme des Dorfes Blahodatne wenige Kilometer nördlich des Stadtzentrums stoßen die Ukrainer im Nordosten bei den Salzstollen von Soledar offenbar auf heftigen Widerstand. Hier ging es zuletzt sowohl laut ukrainischen als auch laut russischen Militärbloggern nicht voran.
Cool video of the fight in Bakhmuthttps://t.co/woMhJfBHCO pic.twitter.com/SkzqKPVZBx
— Getty🇺🇦🇦🇲🇹🇼 (@region776) July 11, 2023
Ukraine-Gegenoffensive: Kiews Truppen rücken südlich und nördlich vor
- Hier greifen die ukrainischen Truppen bei und in Bachmut an: Am Dienstag (11. Juli) machte in den Sozialen Netzwerken ein Video die Runde, wonach ukrainische Soldaten angeblich in die Außenbezirke von Bachmut vorgerückt sind. Unabhängig verifizieren lässt sich die Aufnahme nicht, auch nicht, von wann diese stammen soll. Als wahrscheinlich gilt: Die ukrainischen Einheiten, die sich südlich vorkämpfen, und jene, die im Norden Kilometer um Kilometer vorstoßen, wollen sich offenbar bei Pokrovs‘ke drei Kilometer östlich von Bachmut vereinen, um so die Einkesselung abzuschließen.
Bachmut. Der Feind sitzt in der Falle. Die Stadt ist unter der Feuerkontrolle unserer Verteidigungskräfte. Der Feind wird aus seinen Stellungen gedrängt.
Ukraine-Gegenoffensive: 3. Angriffsbrigade mit Asow-Kämpfern macht Druck
- Diese ukrainischen Streitkräfte kämpfen bei Bachmut: Bei Blahodatne kämpft das 68. Jägerbataillon der ukrainischen Armee, das über Schützenpanzer sowjetischer Bauart und schnelle Kleinfahrzeuge wie Quads verfügen soll. Die Aufgabe des Bataillons besteht laut ZDF darin, mit Infanterie sogenannte Nadelstiche zu setzen und sich bei Gegenwehr wieder zurückzuziehen. Aus Richtung Süden rückt die 3. Angriffsbrigade vor, die sich großteils aus ehemaligen Kämpfern des ultranationalen und berüchtigten Asow-Regiments zusammensetzt.
- Die als frenetisch geltenden Soldaten filmen den Sturm auf die Schützengräben teils live und fügen den verbliebenen Einheiten Russlands enorme Verluste zu. So eroberte die 3. Angriffsbrigade zuerst das strategisch wichtige Dorf Kurdjumiwka, um dort einen Brückenkopf über den schmalen Fluss Krywyj Torez zu errichten. Dann wurde von ihr die strategisch bedeutende Siedlung Klischtschijiwka eingenommen und so angeblich der russische Nachschub aus der Großstadt Donezk über die T0513 abgeschnitten. Auch die 17. Panzerbrigade soll in die Kämpfe verwickelt sein, etwa mit T-72-Kampfpanzern und gelieferten CV90-Schützenpanzern aus Schweden.
- Nachdem zuletzt mehrere Anhöhen befestigt wurden, soll zudem die 77. Luftlandebrigade mit ihrer Artillerie den Russen in der Stadt richtig zusetzen. Zum Einsatz kommen laut etlicher Videos bei Twitter angeblich mindestens eine deutsche Panzerhaubitze 2000, sowjetische Mehrfachraketenwerfer „Grad“ („Hagel“) sowie Raketenwerfer Vulkan M-92 aus kroatischer Produktion. Die Artilleriehoheit soll an diesem Frontabschnitt mittlerweile bei den Ukrainern liegen, während die russische Luftwaffe hauptsächlich im Süden des Landes gebunden ist.
Two more Russians no longer have to drink from puddles... AFU 3rd Assault Brigade in the #Bakhmut AO.#OSINT #UkraineRussiaWar️ #UkraineWar #Ukraine #Counteroffensive pic.twitter.com/bIljEBv9gK
— OSINT (Uri) 🇺🇦 (@UKikaski) July 11, 2023
Ukraine-Gegenoffensive: Russische Truppen in Bachmut hoffnunglos unterlegen?
- Hat Ramsan Kadyrow tschetschenische Kämpfer geschickt? Am Montag (10. Juli) machte die Runde, Tschetschenen-Anführer Ramsan Kadyrow habe Soldaten seiner Einheit „Achmat“ nach Bachmut gesandt, um die ukrainische Gegenoffensive zurückzuschlagen. Der Kommandeur des ukrainischen Bataillons „Swoboda“ erklärte in einem TV-Interview indes, er habe keine tschetschenischen Kämpfer aufseiten der Russen gesehen. Selbst auf Fotos staatlicher russischer Agenturen aus Bachmut sind stattdessen keine Kampfpanzer mehr zu sehen.
- Weil die verbliebenen Truppen Moskaus hoffnungslos unterlegen sind? Laut ISW gebe es Hinweise, dass „fast die gesamte Kampfkraft der russischen Streitkräfte auf die Verteidigung gegen die ukrainische Gegenoffensive, vor allem in der Südukraine“ ausgerichtet sei. Fast die komplette „Streitkräftegruppe Ost“ sei demnach in den Süden gesandt worden. Weswegen die Russen in Bachmut und Soledar auf sich allein gestellt sind?
Der britische Daily Express schreibt in einer Analyse von Dienstag (11. Juli): „Die russischen Truppen sind in Bachmut gefangen.“ Jetzt hat offenbar der Häuserkampf um die völlig zerstörte Stadt begonnen. (pm)
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