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Der Auftritt Gerhard Schröders im Wirtschaftsausschuss des Bundestags war keine Sternstunde des deutschen Parlamentarismus. Als Staffage für eine billige Lobbyisten-Show sollten sich unsere Abgeordneten zu schade sein. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
München - Wer glaubt, dass der böse Wolf der Richtige ist für die die Leitung der Geißlein-Aufzuchtstation, hält auch Gerhard Schröder für einen prima Sachverständigen dafür, wie die Bundesregierung am besten mit Amerikas Sanktionsdrohungen wegen der Ostsee-Gaspipeline umgehen solle.
Der Chef des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, Klaus Ernst von der Linkspartei, hatte den Ex-Kanzler ins Parlament eingeladen, weil er sich vom Duzfreund Putins und Chefaufseher des russischen Ölkonzerns Rosneft einen, so wörtlich, „wichtigen Beitrag zur Bewertung der US-amerikanischen Sanktionen“ erhoffte. Den bekam er dann auch. Der dringende Rat des mitsamt Gattin angereisten „unabhängigen Experten“ Schröder lautete kurzgefasst: Ja zu Sanktionen - aber bitte gegen die USA.
Schröder vor dem Wirtschaftsausschuss: Auftritt beleidigt den ganzen Bundestag und den Steuerzahler
So absurd war dieses Schmierenstück, dass es selbst manchen Linken-Mitgliedern zu viel wurde. „Ein Eigentor, an Peinlichkeit nicht zu überbieten“, befand etwa der Energieexperte Lorenz Gösta Beutin. Dass Putins Zahlungsempfänger Schröder in Berlin sagte, was man in Moskau von ihm erwartete - geschenkt.
Den Wirtschaftsausschuss allerdings zur Kulisse einer billigen Lobbyisten-Show zu machen, beleidigt den ganzen Bundestag und die ihn tragenden Steuerzahler. Für solche Spielchen braucht es nicht das größte und teuerste Parlament der demokratischen Welt, das sich mit Händen und Füßen gegen seine Verkleinerung wehrt.
Bei seinen Wahlkampfauftritten ging US-Präsident Trump auf Deutschland los. Zuletzt verteidigte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gaspipeline und setzte ein Zeichen.
