Kardinal Marx kritisiert Union im Fall Brosius-Gersdorf: „Spiel der AfD nicht mitmachen“
VonDayan Djajadisastra
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Nach der geplatzten Richterwahl fordert Kardinal Marx mehr Respekt in der Debatte. Er warnt vor Spaltung in der Politik.
München – Kardinal Reinhard Marx hat sich zur Diskussion um die SPD‑Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf für das Bundesverfassungsgericht geäußert. Dabei kritisierte er vor allem das Vorgehen der Union scharf. „Es ist unglücklich, wie die Debatte gelaufen ist, und dass sie zur persönlichen Beschädigung einer Kandidatin geführt wurde“, sagte Marx in einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten.
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Laut dem Kardinal profitiere von der Diskussion allein die AfD. „Kräfte wie diese Partei seien auf Spaltung und auf Zersetzung aus. Wir sollten ihr Spiel nicht mitmachen“, sagte Kardinal Marx.
Zum Hintergrund: Am 11. Juli flog die Wahl zweier Richterinnen und eines Richters fürs Bundesverfassungsgericht kurzfristig von der Tagesordnung des Bundestags. In der Unionsfraktion hatten sich zuvor immer lautere Bedenken gegen die SPD‑Kandidatin Frauke Brosius‑Gersdorf geregt. Die eigene Fraktionsführung konnte die vereinbarte Unterstützung plötzlich nicht mehr garantieren. Aus der SPD kam daraufhin scharfe Kritik an Alexander Dobrindt (CSU) und Dorothee Bär (CSU), die der Juristin öffentlich den Rückzug nahegelegt hatten.
In der Debatte hatte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch auch der katholischen Kirche vorgeworfen Öl ins Feuer, zu gießen. „Überhaupt bin ich sehr empört, wie sich prominente Bischöfe und Kardinäle in diese Sache eingeschaltet haben“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Kirche dürfe politisch sein, „sich aber an dieser Hetze zu beteiligen, ist unchristlich“.
Auslöser von Mierschs Empörung waren Äußerungen des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl. Er hatte die Haltung der Juristin zum Lebensrecht ungeborener Kinder als „innenpolitischen Skandal“ bezeichnet. Nach seiner scharfen Kritik an Frauke Brosius‑Gersdorf hatte der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl das Gespräch mit der Juristin gesucht und seine Worte zurückgenommen. Beide hätten in einem Telefonat „von gegenseitigem Respekt“ gesprochen, teilte das Erzbistum mit.
Kardinal Marx kritisiert scharf den Umgang mit Brosius‑Gersdorf
Mit Blick auf die gescheiterte Richterwahl erklärte nun der Münchner Kardinal Marx: „Die Verantwortlichen müssen sich schon fragen, wie das überhaupt passieren konnte. Bei der Wahl von Verfassungsrichtern ist möglichst großer Konsens gefragt.“
Zur Position Brosius‑Gersdorfs beim Thema Schwangerschaftsabbruch sagte der Kardinal laut Nürnberger Nachrichten: „Es ist nicht verboten, diese Meinung zu haben. Wir haben eine ganz andere, für die wir eintreten.“ Er wolle keine Aufhebung des Paragrafen 218, sagte der Kardinal. „Die jetzige Fassung ist ein Kompromiss, der zu einem gesellschaftlichen Frieden geführt hat. Das sollte nicht gefährdet werden.“
Zum allgemeinen Debattenklima betonte Marx: „Man muss versuchen, auf den anderen einzugehen. Wir sehen aber, wie oft verbal aufeinander eingeschlagen wird. Das hat sich verstärkt. Wir als Kirche sollten dafür stehen, dass Debatten mit Argumenten in der Sache ausgetragen werden – und mit Respekt vor der Person. Ohne persönliche Herabsetzungen.“