Sipri-Bericht

Geschäft mit dem Krieg boomt: Weltweit steigt der Verkauf von Waffen

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Trotz Liefer-Problemen: Die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt machen deutlich mehr Umsatz. Das Sipri-Institut hat nun die Profiteure gelistet.

Berlin – Das Krisenjahr 2021 hat bei den größten Rüstungsunternehmen der Welt für reichlich Umsatz gesorgt. Trotz Störungen in den Lieferketten wegen Nachwirkungen der Corona-Pandemie – sie führten zu Verzögerungen und Engpässen – wurden die weltweiten Rüstungsverkäufe im Jahr 2021 um währungsbereinigte 1,9 Prozent auf 592 Milliarden Dollar gesteigert. Der Wert bleibt allerdings unter dem Schnitt der Vor-Corona-Jahre.

Wie sich der Ukraine-Krieg von Wladimir Putin auf die Entwicklung der Rüstungsverkäufe im Jahr 2022 auswirken wird, ist laut Experten allerdings noch völlig offen.

Rüstungsausgaben steigen: Sipri verzeichnet nach Corona-Tief deutlichen Anstieg

Die Welt befindet im Krieg – und das seit Jahren. Während die Zeit nach dem Kalten Krieg im Zeichen der Abrüstung stand, haben in den vergangenen Jahren die Umsätze in der Rüstungsbranche wieder deutlich zugenommen. Während ein Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri im Sommer noch gezeigt hat, dass weltweit auch die Zahl der Atomwaffen wieder zunimmt, zeigte der jüngste Bericht des Instituts nun eine ähnliche Entwicklung bei herkömmlichen Waffenarten.

Doch tatsächlich blieb der Trend hinter den Erwartungen zurück. „Wir hätten für 2021 ohne die anhaltenden Lieferkettenprobleme ein noch größeres Wachstum der Waffenverkäufe erwartet“, erklärte Sipri-Expertin Lucie Béraud-Sudreau.

Das deutsche Luftabwehrsystem Patriot, aufgenommen in der Ausbildungsstellung des Flugabwehrraketengeschwaders in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Grund für den vergleichsweise geringen Anstieg: Probleme bei Lieferketten, Beeinträchtigungen in der Produktion und vereinzelt Arbeitskräftemangel. Trotz dieser Schwierigkeiten wuchs der Handel weiter an. Dass sich weltweit Nationen aufrüsten, ist dabei allerdings kein neues Phänomen: Seit sieben Jahren haben die Verkaufszahlen der 100 größten Rüstungskonzerne währungsbereinigt um insgesamt 19 Prozent zugenommen.

Umsätze steigen deutlich: Entwicklung aus dem Ukraine-Krieg nicht berücksichtigt

Auf den ersten Blick ist dieser Trend der vergangenen Jahre wenig verwunderlich: Zwar standen Rüstungsbauer lange Zeit im geächteten Abseits, doch angesichts der Entwicklungen scheint die Branche wieder zu boomen. Nicht zuletzt der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mache die Aufrüstung zur Chefsache, als er im Frühjahr 2022 ein Sonderetat für die Beschaffung von Ausrüstung für die Bundeswehr ankündigte. Die jüngste Offensive in der deutschen Waffenbeschaffung und der Einfluss des Ukraine-Kriegs spielen jedoch im aktuellen Sipiri-Bericht keine Rolle. Allerdings zeigte die Corona-Pandemie weiterhin einen erheblichen Einfluss.

Sipri-Bericht: Rüstungsunternehmen 2021 trotz Lieferkettenprobleme mit Umsatzplus

Dass die Pandemiefolgen das Wachstum in der Rüstungsindustrie teilweise deutlich gesenkt haben, war bereits erwartet worden. Wie die Forschenden des Sipri-Instituts allerdings auch zu bedenken geben, wäre der Anstieg bei den Rüstungseinkäufen durch die Staaten wahrscheinlich ohne Corona-Auswirkungen noch deutlich stärker gewachsen. Um das „gewohnte“ Tempo in dem Fertigungszweig zurückzuerlangen, wird es allerdings voraussichtlich noch einige Jahre dauern.

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Die Experten von Sipri beobachteten in Europa zudem zwei auffällige Entwicklungen: Während die Umsätze bei der militärischen Luftfahrt sanken, stiegen sie beim Schiffsbau. Insgesamt wachsen die Verkäufe von Rüstungsgütern in Europa um 4,2 Prozent auf 123 Milliarden US-Dollar. Die vier größten Rüstungsbauer aus Deutschland – Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl – erzielten insgesamt Einnahmen in Höhe von 9,3 Milliarden Dollar. Derweil wird die deutsche Verteidigungsministerin, Christine Lambrecht, angezählt. Es gibt Kritik an ihrer Beschaffungspolitik für die Bundeswehr.

Größte Rüstungsbauer der Welt: USA belegen erste fünf Plätze im Ranking

Wie die Tagesschau berichtet, kommen die größten Rüstungsbauer weiterhin aus den USA und belegen im Ranking die oberen fünf Plätze. Allerdings waren die Staaten die einzige Region, in der Waffenverkäufe in 2021 im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen. Dies würde an der hohen Inflation in dem Land liegen. Für den kommenden Bericht rechnen die Experten damit, dass der Rüstungsmarkt weiter wachsen wird. „Viele europäische Länder haben steigende Militärausgaben angekündigt in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar. Ein Teil dafür ist auch für die Materialbeschaffung gedacht, deshalb werden die Verkäufe weiter ansteigen“, heißt es in dem Sipri-Bericht.

Dass der Ukraine-Krieg den Bedarf an Rüstungsgütern nach oben treiben könnte, scheint derweil wahrscheinlich. Allerdings weisen die Experten auch darauf hin, dass der Krieg auch für Schwierigkeiten in den Fertigungsketten führen könnte. Derweil geht Greenpeace davon aus, dass der Absatz von Rüstungsgütern im Zuge des Ukraine-Kriegs förmlich explodieren wird. „Die Rüstungskonzerne verdienen prächtig daran, dass Staaten mehr und mehr auf militärische Stärke setzen“, sagte Greenpeace-Sicherheitsexperte Alexander Lurz. Währenddessen würde weltweit das Risiko von weiteren Konflikten rapide ansteigen. (mit Material der DPA)

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