VonSandra Katheschließen
Neben der Unterstützung von Forschungsprojekten, stellen die Nationalen Gesundheitsinstitute in den USA auch Infrastruktur-Mittel bereit. Die werden nun gekürzt.
Washington, D.C. – In den USA haben die Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) eine einschneidende Kürzung ihrer Zuschüsse an medizinische Forschungseinrichtungen angekündigt. Fachleute warnen vor großen Auswirkungen, etwa auf die Forschung zu Krebs, Parkinson oder Alzheimer – und vor einer Schwächung des Wissenschaftsstandorts USA.
Auslöser der Warnungen war am Freitag die Ankündigung der NIH, die Bezuschussung von „indirekten Kosten“ von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen künftig auf maximal 15 Prozent zu kürzen. Unter diese Position fallen etwa Ausgaben in den Bereichen Ausrüstung und Verwaltung. Bislang hatten die der US-Regierung unterstellten NIH laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP teilweise bis zu 60 Prozent dieser Kosten getragen.
Medizinische Forschung in den USA: „Indirekte Kosten“ sollen vier Milliarden einsparen
So seien laut einem NBC News-Bericht von den rund 35 Milliarden US-Dollar Forschungsmitteln im Steuerjahr 2023 etwa neun Milliarden für „indirekte Kosten“ verwendet worden. Mit der Begrenzung der indirekten Kosten auf maximal 15 Prozent sollen laut der NIH-Veröffentlichung künftig rund vier Millarden US-Dollar jährlich eingespart werden.
Wie sich Forschungsstipendien bislang zusammensetzen erklärt der US-Sender anhand eines Beispiels. So würde für jedes gewährte Forschungsstipendium zusätzlich ein gewisser Prozentsatz – im Schnitt derzeit um die 27 Prozent – an zusätzlicher Förderung für die indirekten Kosten gewährt. Die genaue Summe werde individuell auf die Anforderungen der Forschungseinrichtungen und geförderten Projekte abgestimmt. Der Gedanke dahinter ist, dass neben der eigentlichen Forschung auch die bestehende Infrastruktur der jeweiligen Einrichtung gefördert werden soll.
Nach angekündigten Kürzungen: Fachleute mahnen vor Schwächung der Wissenschaft
Aus der Stellungnahme des NIH zitiert der britische Guardian, dass die Vereinigten Staaten „die beste medizinische Forschung der Welt“ haben sollten. Darum sei es jedoch „unerlässlich, sicherzustellen, dass so viele Mittel wie möglich in die Kosten der eigentlichen Forschung und nicht in deren Verwaltung“ flössen.
Die Reduzierung Infrastruktur-Anteils auf 15 Prozent geht nach der Darstellung von NBC News darauf zurück, dass der Sparberechnung der Nationalen Gesundheitsinstitute gezielt die bisherigen Bedürfnisse bestimmter privater Stiftungen zugrunde gelegt worden wären, bei denen sich die indirekten Kosten durchschnittlich auf bis zu 10 bis 15 Prozent belaufen. Bei vielen anderen Forschungseinrichtungen sei der tatsächliche Bedarf allerdings deutlich höher.
Politische Entwicklungen: US-Fachleute suchen Stellen im Ausland
Vor diesem Hintergrund haben infolge der NIH-Ankündigung schon etliche Fachleute vor schwerwiegenden Folgen der Einsparungen gewarnt. So zitiert AFP etwa den früheren Dekan der Medizinischen Fakultät der US-Elitehochschule Harvard, Jeffrey Flier, der der US-Regierung in einem Kommentar auf dem Nachrichtendienst X vorwarf „Institutionen, Forschern und der biomedizinischen Forschung zu schaden“. Auch Matt Owens, Vorsitzender des Interessenverbandes der US-Forschungseinrichtungen (COGR), nannte die Kürzungen einen „bombensicheren Weg, um lebensrettende Forschung und Innovation zu lähmen“.
Internationale Fachleute, wie Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), sehen in der NIH-Entscheidung darüber hinaus auch einen Hinweis auf mögliche Auswirkungen auf den Wissenschaftsstandort USA. In einem Gespräch mit dem Spiegel sagte Cramer, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump in den USA „Signale der Einschüchterung“ in Richtung Wisschenschaft sende und damit auch eine Abwanderung von Fachkräften auslösen könnte. Erste Anzeichen dafür machten sich bereits bemerkbar. So hätten die Forschungsgruppen seiner MPG bereits auf jüngste Ausschreibung rund doppelt so viele Bewerbungen aus den USA erhalten wie im Jahr zuvor. (saka mit AFP)
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