Ukraine-Krieg

Munitions-Mangel in der Ukraine – und der EU: Hilfe könnte aus Griechenland kommen

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Der Ukraine-Krieg lässt die Munitionsbestände im Westen schmelzen. Griechenland soll jetzt schnell aushelfen – doch dort fehlen wohl Kapazitäten.

Athen – Durch den Ukraine-Krieg sind die Munitionsbestände auch im Westen weniger geworden. Deswegen führt das griechische Rüstungsunternehmen Hellenic Defence Systems derzeit Gespräche mit internationalen Munitionsherstellern über die Teilnahme an einem Programm zur Herstellung von 155-mm-Granaten zur Unterstützung der Ukraine und zur Auffüllung der EU-Lagerbestände.

Westen muss bis zu 70 Milliarden Euro für Auffüllen von Munitionsbeständen ausgeben

Der Verbrauch von Artilleriegranaten in der Ukraine bricht alle Rekorde: EU-Beamte schätzen, dass die Kiewer Streitkräfte täglich etwa 20.000 Granaten verbrauchen, schreibt die griechische Zeitung Kathimerini. Das rasante Tempo, in dem die Munition verbraucht wird, hat die Arsenale der Mitgliedstaaten „ausgetrocknet“ und eine noch nie dagewesene Nachfrage nach großkalibriger Munition ausgelöst. Für die Rüstungsunternehmen bahnt sich ein Riesengeschäft an. Der Wert der Munition, die produziert werden muss, um die europäischen Bestände aufzufüllen, könnte sich über ein Jahrzehnt auf bis zu 70 Milliarden Euro belaufen.

Gespräche zur Munitionsproduktion laufen geheim ab

Wie das Blatt aus Griechenland weiter berichtet, finden die Verhandlungen dazu unter absoluter Geheimhaltung statt und befinden sich in einem ziemlich „reifen“ Stadium. Die Ergebnisse der Gespräche werden in naher Zukunft erwartet, da die Frist auf den 30. September gesetzt sei.

Der Westen braucht wegen des Ukraine-Krieges dringend Artilleriegranaten. (Symbolfoto)

Am 10. Mai soll in Brüssel eine geschlossene Sitzung mit Vertretern der größten EU-Rüstungsunternehmen stattgefunden haben. Während des Treffens forderte Josep Borrell, der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, die Teilnehmer auf, den nationalen Regierungen die Initiative zu übermitteln. Bis zum nächsten Frühjahr soll rasch eine Million Granaten für die Ukraine produziert werden. Auch sei es notwendig, einen europäischen Vorrat an großkalibriger Munition anzulegen.

Griechenland sucht Partner für Munitionsproduktion

Laut Kathimerini soll das griechische Rüstungsunternehmen Hellenic Defence Systems allerdings derzeit nicht in der Lage sein, die gesamte Munition selbst zu produzieren. Verschiedenen Quellen zufolge verfügt das Unternehmen derzeit über die technischen Möglichkeiten, die letzte Stufe der Produktionskette zu übernehmen, die die Ausrüstung, die Montage und die Verpackung der Munition umfasst. Das Unternehmen ist deswegen derzeit auf der Suche nach Partnern für die erste Phase, die die Herstellung des Gehäuses, der Ladung und anderer für die Munition erforderlicher Materialien umfasst.

Rubriklistenbild: © Ton Koene/Imago

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