Untersuchung der Umweltschutzorganisation

Greenpeace: Einfluss der AKWs auf Versorgungssicherheit gering

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Wie wichtig sind die AKWs für die deutsche Stromversorgung? Die Antworten auf diese Frage gehen weit auseinander

Die Umweltschutzirganisation Greenpeace hat im Hinblick auf die Frage nach verlängerten Laufzeiten die Effizienz der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke untersucht - und diese bemängelt.

Berlin - Demnach sollen die drei Kernkraftwerke in Deutschland im Zeitraum von November 2022 bis Mitte April 2023 nur mit 63 bis 75 Prozent der maximalen Leistung gelaufen sein. Damit hätten sie rund 30 Prozent weniger Strom als in den fünf Vorjahren produziert, wie aus einer Studie von Greenpeace und der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy hervorgeht.

«Im Nachhinein betrachtet war die Laufzeitverlängerung ein schlechter Deal», sagte Carolin Dähling von Green Planet Energy am Freitag in Berlin. «Wir haben sehr geringe Preiseinsparungen durch die Atomkraftwerke, wir haben sehr geringe Gaseinsparungen und wir haben eine geringe Reduktion der CO2-Emissionen», sagte sie. Gleichzeitig habe man viele Risiken und erhöhte Kosten in Kauf genommen. Die Laufzeitverlängerung sei für die Versorgungssicherheit nicht notwendig gewesen und hätte wenig positive Effekte mit sich gebracht, sagte sie.

Laut Berechnungen der Umweltorganisationen konnten im untersuchten Zeitraum von November 2022 bis April 2023 zwei Prozent der Gaskraftwerksproduktion und 0,7 Prozent produzierter Kohlekraftwerkstrom eingespart werden. Die Stromerzeugung der drei Kernkraftwerke hätte im vergangenen Winter jederzeit durch Gaskraftwerke ausgeglichen werden können, hieß es in einer Mitteilung.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hält dagegen. Der Weiterbetrieb deutscher Atomkraftwerke habe nicht nur zur Versorgungssicherheit beigetragen, sondern auch geholfen, dass teure Erdgaskraftwerke weniger zum Einsatz kamen, sagte Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Das habe sich dämpfend auf Strompreise ausgewirkt. Insgesamt seien die Effekte durch den Weiterbetrieb überschaubar gewesen, aber keinesfalls vernachlässigbar. Im Januar und Februar hatte Kernenergie nach Angaben des Branchenverbands einen Anteil von vier Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland - ein Drittel weniger als im Gesamtjahr 2022.

Durch die verminderte Stromerzeugung von Gas- und Kohlekraftwerken konnten laut der Greenpeace-Studie allerdings auch CO2-Emissionen eingespart werden. Bis April seien es 1,5 Millionen Tonnen gewesen. Das entspreche 0,7 Prozent der gesamten Emissionen in der Stromwirtschaft im vergleich zu 2022.

Am Samstag sollen die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland - Isar 2 in Bayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg - endgültig vom Netz gehen. Eigentlich sollte dies schon Ende vergangenen Jahres passieren. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine entschied die Ampel-Koalition im vergangenen Jahr jedoch, die drei Meiler über den Winter weiterlaufen zu lassen. (dpa)

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