VonFabian Hartmannschließen
Russische Regionen an der ukrainischen Grenze haben Angriffe durch kremlfeindliche Gruppen gemeldet. Diese fordern einen Gefangenenaustausch.
Belgorod – Ein Zusammenschluss kremlfeindlicher Gruppierungen fordert ein Treffen mit dem Gouverneur der russischen Region Belgorod, um über einen Austausch mit Gefangenen der ukrainischen Armee zu sprechen. Den Verbündeten gehören paramilitärische Gruppen, das Russische Freiwilligenkorps (RDK), die „Legion Freiheit Russlands“ und das Sibirische Bataillon an, wie das Nachrichtenportal Newsweek berichtet. Die Gruppen kämpfen zwar auf Seiten der Ukrainer, bestehen aber aus russischen Nationalisten.
Die Partisanen hatten einen massiven Angriff auf Putins Truppen angekündigt und waren am Dienstag von der Ukraine aus in die grenznahen russischen Regionen Belgorod und Kursk eingedrungen. Bereits im vergangenen Jahr führten mit der Ukraine verbündete russische Rebellen ähnliche Operationen durch, die zur Evakuierung der Bewohnerinnen und Bewohner grenznaher Gebiete und zu einem Gefecht mit den russischen Streitkräften führten, das mit dem Rückzug der Gruppen in die Ukraine endete.
Nach dem Einmarsch am Dienstag erklärte Andriy Yusov, Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR, dass russische Freiwilligengruppen keine Befehle aus Kiew erhielten und auf russischem Territorium „absolut autonom“ agierten, berichtet Newsweek.
Kremlfeindliche Gruppen greifen russische Grenzgebiete an – Forderung an Putin
Ein am Dienstag vom pro-ukrainischen Account „WarTranslated“ auf X, ehemals Twitter, gepostetes Video soll zeigen, wie die Legion „Freies Russland“ das Dorf Tjotkino in der Oblast Kursk befreit. Wie der Pressedienst der Legion berichtet, sah man die russischen Besatzer fliehen und ihre Fahrzeuge und Stellungen aufgeben.
Free Russia Legion liberated the village of Tyotkino in Kursk Oblast. Russian occupiers were seen running away, abandoning their vehicles and positions, as reported by Legion's press service.https://t.co/XSqMafcTba pic.twitter.com/NGRvTdwRpc
— WarTranslated (Dmitri) (@wartranslated) March 12, 2024
Unabhängige russische Medien verwiesen unterdessen auf Mitteilungen der RDK sowie der „Legion Freiheit Russlands“, die am Donnerstagmorgen in sozialen Medien Angriffe auf die Gebiete Belgorod, Kursk und Brjansk ankündigten. „Die Befreiung der russischen Regionen von Putins Terrorregime ist in diesem Moment im Gange. Putins Truppen in den Oblasten Belgorod und Kursk werden in vollem Umfang angegriffen“, zitiert etwa die Deutsche Presse-Agentur (dpa) die Aussagen der Milizen vom Donnerstagmorgen. „Wir fordern die Bevollmächtigten dieser Oblaste auf, unverzüglich die Evakuierung der Zivilisten anzuordnen.“
Bereits am Donnerstagmittag meldeten die kremlfeindlichen Milizen dann erste Erfolge: „Während Putins Soldaten damit beschäftigt sind, die Häuser der Zivilbevölkerung zu zerstören, haben die Artilleristen der Legion meisterhaft zwei Munitionslager der Putin-Truppen in Tjotkino zerstört. Sie brennen wunderschön“, teilte die Legion Freiheit Russlands mit und veröffentlichte ein Video, das die Angaben stützen soll. Der ukrainische Nachrichtendienst Ukrainska Prawda veröffentlichte auf seinem Account auf der Plattform X ein entsprechendes Video, das den erfolgreichen Angriff der Rebellen zeigen soll.
Russland propagiert, Angriff der Partisanen auf Belgorod abgewehrt zu haben
Auch von russischer Seite gab es in der Folge Berichte über erneute Kampfhandlungen im Grenzgebiet zur Ukraine. Ukrainische Soldaten hätten versucht, in die russische Region Belgorod einzudringen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Der Angriff sei allerdings abgewehrt worden und „bis zu 195 Soldaten“ seien dabei getötet worden. Auch fünf Panzer und vier gepanzerte Fahrzeuge seien bei den Kämpfen angeblich zerstört worden, hieß es weiter.
Unabhängig überprüfen ließ sich das allerdings nicht. Auch russische Militärblogger berichteten von militärische Auseinandersetzungen – demnach nicht nur in Belgorod, sondern auch im Nachbargebiet Kursk. In einem vorübergehend und mittlerweile nicht mehr verfügbaren Video des pro-ukrainischen X-Accounts „WarTranslated“, erklärte ein ungenanntes Mitglied des Freiwilligenkorps RDK, das russische Verteidigungsministerium (MOD) habe gelogen, als es behauptete, es habe das Korps nach der Operation vom Dienstag eliminiert. Außerdem warf es dem russischen Verteidigungsministerium vor, „die Massen nicht richtig informiert“ zu haben.
Der Clip zeigt auch ein angebliches Interview mit einem russischen Soldaten, der sagte, er sei am Freitag bei einem Minenräumeinsatz gefangen genommen worden und habe als einziges Mitglied seiner Gruppe überlebt, nachdem sein Fahrzeug unter Beschuss geraten war. Im Video sind daraufhin unscharfe Bilder von Soldaten zu sehen, die die Gruppe nach eigenen Angaben gefangen genommen hat. Anschließend fordern die Rebellen darin ein Treffen mit dem Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, um das Schicksal der Gefangenen zu besprechen.
Russische Grenzstadt Belgorod meldet Beschuss – Schulen und Einkaufszentren geschlossen
Auch am zweiten Tag der viel kritisierten russischen Präsidentschaftswahl am Samstag meldete die russische Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine Beschuss. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow erklärte n-tv zufolge, bei einem ukrainischen Raketenangriff auf die russische Grenzstadt seien zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt worden. Auch das russische Verteidigungsministerium sprach von Raketenangriffen und teilte mit, dass alle acht Geschosse abgewehrt worden seien.
In der Folge entschied die Stadt Belgorod, Einkaufszentren und Schulen aufgrund der Angriffe zu schließen. Die Schulen der Grenzstadt und in acht Bezirken der Region sollen demzufolge auch am Montag und Dienstag geschlossen bleiben. Es ist nichts erste Mal, dass Schulen in Belgorod infolge von Angriffen geschlossen bleiben müssen.
Am Samstag dann kündigten pro-ukrainische russische Partisanen eine „massive Attacke“ auf russische Militäreinrichtungen an, wie das ukrainische Nachrichtenportal Nexta auf X meldete. „Heute um 17 Uhr wird eine massive Attacke auf Militäreinrichtungen und Positionen der russischen Armee in Belgorod gestartet“, habe die Legion „Freiheit für Russland“ angekündigt. Jeder, der noch nicht die Region verlassen habe, solle sich „sofort in Sicherheit bringen.“ (fh)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Press Office of the Belgorod Reg

