Auftritt in England

Greta Thunberg nutzt Bühne auf Festival und macht Klima-Warnung: „Nähern uns dem Abgrund“

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Ungewohnte Umgebung: Diesmal verbreitet Greta Thunberg ihre Warnung vor dem Klimawandel auf einem Festival in England.
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Der Klimawandel wird seit zwei Jahren von anderen Katastrophen in den Hintergrund gedrängt. Doch Greta Thunberg steuert dagegen an - auf einer Festival-Bühne.

Glastonbury - Der Zeitpunkt war wohl alles andere als zufällig gewählt. Kurz vor dem Startschuss des G7-Gipfels auf Schloss Elmau hat sich Greta Thunberg zu Wort gemeldet und einmal mehr vehement für mehr Klimaschutz geworben. Die längst weltberühmte Klimaaktivistin nutzte einen zehnminütigen Auftritt auf dem etwa 200.000 Besuchern umfassenden Glastonbury-Festival im Südwesten Englands, um ihrem Anliegen für ein Umdenken zugunsten künftiger Generationen und des Planeten im allgemeinen Ausdruck zu verleihen.

„Wir nähern uns dem Abgrund“, warnte die 19-Jährige auf der Hauptbühne - der sogenannten Pyramid Stage, von der aus an diesem Wochenende auch Billie Eilish, Paul McCartney oder Kendrick Lamar die Fans des Musik- und Kunst-Events unterhalten. Dabei trat die Initiatorin der „Fridays for Future“-Bewegung wie gewohnt energisch auf - ganz so, wie zunächst die Weltöffentlichkeit und später auch mancher Spitzenpolitiker die Schwedin kennenlernte.

Greta Thunberg beim Glastonbury-Festival: „Nicht noch einen Zentimeter näher an den Abgrund bewegen“

Greta erklärte, sie rate allen, denen Greenwashing noch nicht die Sinne vernebelt habe, dringend, sich zu behaupten. Ihr Appell laut der britischen Nachrichtenagentur PA: „Lasst nicht zu, dass wir uns noch einen Zentimeter näher an den Abgrund bewegen. Denn genau da stehen wir jetzt.“

2019 sah die Lage nicht unbedingt besser aus. Damals hielt Thunberg ihre berühmte „How dare you!“-Rede auf dem UN-Klimagipfel in New York und nahm wenige Monate später am UN-Klimagipfel in Madrid teil. Der Teenager wurde vom Time-Magazine sogar als Person des Jahres ausgezeichnet. Es schien sich einiges zu bewegen in Sachen Klimaschutz, die Schutzbedürftigkeit der Erde rückte wortgewaltig ins allgemeine Bewusstsein vor. Doch dann kam Corona und der Gesundheitsschutz jedes Einzelnen drängte den des Planeten in den Hintergrund.

Doch damit nicht genug. Auch der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verschob die Perspektiven. Der Klimawandel scheint hinten anstehen zu müssen - angesichts der Furcht vor einem militärischen Konflikt, der am Ende die ganze Welt ins Unglück stürzen könnte.

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Greta Thunberg und der Klimawandel: Rede am Tag vor Beginn des G7-Gipfels in Deutschland

Da benötigt Thunberg also schon eine etwas überraschende Bühne, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen, das ihr besonders am Herzen liegt. Einen Tag vor Beginn des 48. G7-Treffens hat sie da obendrein ein besonderes Datum erwischt. Zwar steht an den drei Tagen in Oberbayern für die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen der westlichen Welt auch die Klimapolitik auf der Agenda.

Aktuell scheinen sich aber andere Themen mehr aufzudrängen - die Inflation infolge der gestiegenen Rohstoffpreise, die ziemlich sicher in eine weitere Runde gehende Pandemie oder Wladimir Putins auf Abschreckung und Gewalt aufbauender Expansionsplan. Auch all diese Problemfelder erfordern die Aufmerksamkeit der Mächtigen.

Greta Thunberg mit Klima-Botschaft: Es geht um die Pariser Klimaziele und die Zukunft der Erde

Bekannt ist trotz allem, dass die Maßnahmen der Staaten bei weitem nicht ausreichen, um das vereinbarte Pariser Klimaziel, die Erderhitzung bei maximal 1,5 Grad zu stoppen, zu erreichen. Klimaforscher sind sich einig, dass nur so die katastrophalsten Folgen des Klimawandels verhindert werden können. Die da sind: Extremwetter, ein steigender Meeresspiegel oder ein Anstieg der Durchschnittstemperatur. All dies kann dazu führen, dass bestimmte Teile der Welt in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr bewohnbar sind.

Um dem entgegenzuwirken, nutzt Thunberg weiter jede sich bietende Bühne. Gerade, wenn sich die Gelegenheit bietet, den G7-Staaten unmittelbar vor einem lange geplanten Gipfel ins Gewissen zu reden. (mg)

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