Klimaaktivistin in Norwegen

Greta Thunberg protestiert gegen Münchner Windräder in Norwegen

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Setzt sich nicht nur für den Kampf gegen den Klimawandel ein: Greta Thunberg demonstriert mit Indigenen gegen Windparks.
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Greta Thunberg hat sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben. Doch für die schwedische Aktivistin heiligt der Zweck nicht die Mittel, wie sie nun demonstriert.

München – Wenn es um die Umwelt geht, kennt Greta Thunberg kein Pardon. Mit ihrem „Fridays for Future“-Schulstreik brachte die schwedische Klimaaktivistin eine gigantische und weltumspannende Bewegung auf den Weg. Zuletzt protestierte sie an der Seite vieler deutscher Klimaschützer gegen die Räumung des nordrhein-westfälischen Ortes Lützerath zugunsten der Kohleförderung.

Die 20-Jährige weiß längst, welch enorme Signalwirkung von ihren Auftritten ausgeht. Allein ihre Anwesenheit verhilft vielen Aktionen zu ansonsten utopischen Reichweiten. Greta schafft Aufmerksamkeit. Dabei geht es ihr aber nicht nur um den Kampf gegen den Klimawandel. Auch auf andere Missstände weist die gebürtige Stockholmerin lautstark hin.

Greta Thunberg demonstriert gegen Windparks: „Klimawende nicht als Deckmantel für Kolonialismus“

So überraschte Greta nun als Teilnehmerin eines Protests gegen Windkraftanlagen im Westen Norwegens. Gemeinsam mit Dutzenden Aktivisten der Minderheit der Samen blockierte sie den Zugang zum Energieministerium in Oslo. Ihren überraschenden Auftritt erklärte sie dem Sender TV2 so: „Wir können die sogenannte Klimawende nicht als Deckmantel für Kolonialismus benutzen.“

Weiter stellte sie klar: „Eine Klimawende, die die Menschenrechte verletzt, ist keine Klimawende, die ihres Namens würdig ist.“ Zwischen den samischen Aktivisten und den norwegischen Behörden ist ein Streit um Windparks in der Region Fosen im Westen Norwegens entbrannt. Bereits vor mehr als 500 Tagen hatte der Oberste Gerichtshof entschieden, das Projekt beschneide die Rechte der indigenen Samen, ihre Kultur der Rentierzucht zu praktizieren.

Video: Vom Schülerstreik zur Klimabewegung – das ist die Klimaschutzgruppe „Fridays for Future“

Greta Thunberg protestiert in Norwegen: Politiker wollen Windkraftanlagen nicht einfach abbauen

Die elf Richter erklärten die für den Bau der 151 Turbinen erteilten Genehmigungen einstimmig für ungültig. Daher verlangen Vertreter der Samen den Abriss der Windkraftanlagen. Doch die Behörden haben weitere Gutachten angeordnet. Energieminister Terje Aasland zeigte zwar Verständnis dafür, „dass dieser Fall eine schwere Belastung für die samischen Rentierzüchter in Fosen ist“, jedoch habe das Gericht keine Entscheidung getroffen, was mit den Windkraftanlagen passieren solle.

Derweil sagte die samische Aktivistin und Musikerin Ella Marie Haetta Isaksen TV2: „Wenn unsere Grundrechte nicht respektiert werden, dann weiß ich nicht, in welchen Staat man Vertrauen haben soll.“ Die Fronten scheinen verhärtet. Denn die norwegische Polizei griff in der Nacht auf Montag durch und holte Dutzende Aktivisten aus der Eingangshalle des Energie- und Ölministeriums, in der diese seit Tagen ausharrten.

Samen leben in Schweden, Finnland, Norwegen und im Nordwesten Russlands. Allein etwa drei Viertel der rund 100.000 Indigenen sind in Norwegen zu Hause.

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks gehören die Windkraftanlagen „zu einem guten Teil“ der SWM und damit der Stadt München. Eine SWM-Sprecherin sagt gegenüber BR24, dass die Rentierzüchter vor Baubeginn schriftlich bestätigt hätten, keine Einwände gegen den Bau der Anlagen zu haben. Nur die Höhe der Entschädigung war demnach noch offen. Diese sollte noch in einem Gerichtsverfahren geklärt werden. Das Gericht habe später festgestellt, dass in der ursprünglichen Regelung die „Minderheitenrechte der Samen nicht hinreichend gewürdigt wurden“. Dagegen habe das Gericht nicht verfügt, dass die Anlagen abgerissen werden müssen. (mg, afp)

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