VonMaximilian Arnholdschließen
Mit dem Teilen eines Palästina-Beitrags ergreift die Klimaaktivistin Greta Thunberg einseitig Partei im Nahost-Konflikt – und setzt ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Auch manche Fridays for Future-Vertreter:innen müssen dringend ihr Verhältnis zu Israel klären. Der Kommentar.
In den sozialen Medien bleibt keine Aktivität unbeobachtet. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg weiß das bestens: Der Erfolg der von ihr begründeten Klimabewegung Fridays for Future rührt auch daher, wie viele Menschen sie mit ihren Postings erreicht.
Thunberg wird also bewusst sein, welch fatale Wirkung sie erzielt, wenn sie den Aufruf einer propalästinensischen Organisation verbreitet. In ihrer Instagram-Story hat sie am Donnerstagabend einen Beitrag geteilt, der zu einem globalen Streik am Freitag aufruft – um ein Zeichen zu setzen „gegen den Genozid in Gaza“, wie es darin heißt, und für alle, die sich mit Palästina solidarisch zeigten. Es ist ein Beitrag der Gruppe „Palästina Spricht“, die auf ihrem Account auch mit bekannten israelfeindlichen Positionen auffällt – etwa dem Satz „from the river to the sea“, der Israel sein Existenzrecht abspricht.
Ein eigenes Instagram-Foto vom Freitagvormittag zeigt Thunberg und drei weitere Mitstreiterinnen mit Pappschildern und dem Spruch „Stand with Gaza“.
Greta Thunberg sollte sich um Hauptanliegen Klimaschutz kümmern
Sie sehe beim Klimawandel nur Schwarz oder Weiß, sagte Thunberg einmal. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, möchte man ihr zurufen. Denn der Nahost-Konflikt ist anders als die Klimakrise: Statt einer klaren Sachlage (wissenschaftliche Fakten) und eindeutig Schuldigen (große Emittenten) verschwimmen in Nahost die Grenzen von Freund und Feind. Klar ist nur, wer die jüngste Eskalation evoziert hat: die Attacke der Hamas.
Das hält Thunberg offensichtlich nicht davon ab, sich auf die Seite derer zu schlagen, die Israel vernichtet sehen wollen. Das erste Mal ist es auch nicht: Schon 2021 schrieb die Schwedin einen Beitrag auf Twitter, der auf den Konflikt zwischen Israel und der Hamas einzahlt. Auf die israelische Seite ging sie auch da nicht ein.
Als prominenteste Führungsfigur einer weltweiten Klimabewegung wird diese derart unreflektierte Positionierung Folgen haben. Ihren Kritiker:innen öffnet sie einmal mehr Tür und Tor. Wird sich Thunberg künftig zu Klimaschutz äußern, könnte man ihr einen Strick draus drehen: Gilt dieses Recht denn auch für alle? Ihre Glaubwürdigkeit ist schwer beschädigt.
Kein Einzelfall: Auch deutsche Fridays mit Israel-Kritik
Mit ihrer falschen Parteinahme ist sie unter Klimaaktiven kein Einzelfall: In Deutschland sorgte die ehemalige Fridays-Sprecherin Elisa Bas (22) mit der Aussage für einen Eklat, wonach vermeintlich eine „Progrom-Stimmung“ herrsche – ausgerechnet gegen Palästinenser:innen. In Bremen löste sich die ehemalige Fridays-Ortsgruppe im Streit um eine Palästina-Kundgebung sogar auf. Muss die Bewegung ihr Verhältnis zu Israel klären?
Zum Glück lässt die Bundesebene keinen Spielraum für Interpretationen. Die privat getätigten Äußerungen Bas’ stünden nicht für die Organisation, teilt Fridays for Future mit. Den Terrorangriff der Hamas auf Israel verurteile man „auf Schärfste“. Fridays for Future Deutschland positioniere sich immer wieder „klar und unmissverständlich“ gegen jeden Antisemitismus. Greta macht ihnen das nicht unbedingt leichter.
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