Der griechische Ex-Minister Panagiotis Lafazanis überrascht mit einem perfiden Ratschlag: Deutschland könnte Inseln verkaufen, um an Geld zu kommen.
Athen/Berlin - Der griechische Ex-Minister und linke Politiker Panagiotis Lafazanis hat angesichts der Haushaltskrise in Deutschland einen eher außergewöhnlichen Lösungsvorschlag: Der Staat könnte in kurzer Zeit viel Geld machen, wenn er öffentliche Vermögenswerte verkaufen würde. Was zunächst nach einem perfiden Seitenhieb nach der griechischen Finanzkrise 2010 klingt, meint der Politiker offenbar ernst. Laut ihm gebe es eine Reihe von Maßnahmen, die Deutschland nun ergreifen könnte.
Deutschland steht vor einem Milliardenloch. Die Koalitionspartner SPD, Grünen und FDP stehen vor schweren Grundsatzentscheidungen: Verzichtet man auf die Milliardenausgaben für den Klimaschutz, hinter denen Wirtschaftsminister Robert Habeck für die Grünen steht? Oder kürzt man die Sozialausgaben, die der SPD und damit auch Bundeskanzler Olaf Scholz eigentlich wichtige Anliegen sind? Auch Steuererhöhungen für Reiche und eine Reform der Schuldenbremse im Grundgesetz sind aktuell im Gespräch, doch die dürften wiederum bei Finanzminister Christian Lindner und seiner FDP auf große Ablehnung stoßen.
Ampel-Regierung steht angesichts Haushaltskrise vor einem Milliardenloch: Griechischer Ex-Minister macht perfiden Vorschlag
Eine Antwort will nun der Politiker Panagiotis Lafazanis haben, wie aus einem Gespräch mit der Bild hervorgeht. Er sei sich sicher, dass die Ampel-Regierung „sowohl den Bürgern als auch den Unternehmen Notsteuern auferlegen“ muss, um es aus dem Milliardenloch herauszuschaffen. Dies würde aber für eine Krise im Land sorgen. Eine andere Lösung sei laut dem griechischen Politiker daher: öffentliche Vermögenswerte „wie Inseln“ zu verkaufen, „um schnell eine große Summe aufzubringen“. Auch große Unternehmen könnte der Staat zum Verkauf anbieten, so Lafazanis weiter.
Die größten Inseln in Deutschland sind Rügen, Usedom, Fehmarn und Sylt. Einheimisches Land und obendrauf beliebte Touristen-Ziele verkaufen? Es ist zweifelhaft, ob ein solcher Deal für die Ampel-Koalition überhaupt eine Option wäre. Dem Staat müsste es vermutlich weitaus schlechter gehen, um einen Verkauf von Inseln oder Unternehmen wie der Deutschen Bahn auch nur in Erwägung zu ziehen.
Griechenlands Ex-Minister rät Deutschland, Inseln und Unternehmen zu verkaufen: „Leben ist rachsüchtig“
Drastische Worte eines Politikers, der sich mit Finanzkrisen auskennt, sind die Sparmaßnahmen trotzdem. Laut Lafazanis drohe Deutschland gerade, Europa in eine „lang anhaltende Krise zu führen“. Das Mitleid des Ex-Ministers hält sich dabei in Grenzen. „Das Leben ist rachsüchtig“, sagte er der Bild. „Deutschland wird nun erleben, was es Griechenland auferlegt hat.“ Mit seinem Vorschlag, Inseln zu verkaufen, könnte es sich daher auch um einen reinen Seitenhieb handeln. Denn als Griechenland selbst in einer weitaus größeren Krise steckte, war der Verkauf von Inseln ausgerechnet ein Vorschlag der Bild-Zeitung. „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen“, titelte die Zeitung damals und verwies nun erneut auf den damaligen Artikel.
Panagiotis Lafazanis gehörte der linken Parteienbündnis SYRIZA an und saß von 2000 bis 2015 im griechischen Parlament. Der mittlerweile 72-Jährige agierte unter dem linksgerichteten Ministerpräsident Alexis Tsipras, der zu seiner Amtszeit mit Griechenland vor einem finanziellen Scherbenhaufen stand. Das Land hatte sich bis 2010 in hohe Staatsschulden geritten und daraufhin jahrelang gebraucht, um sich von der Krise halbwegs zu erholen. Die Finanzkrise hatte damals europaweite Auswirkungen und war unter anderem auf milliardenschwere Hilfspakete aus dem Internationalen Währungsfonds und von der EU angewiesen. (nz mit dpa-Material)
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