Nuklearübung „Grom“

Russland kündigt Atomtests an – „Sicherstellen, dass das tatsächlich nur eine Übung ist“

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Inmitten des Ukraine-Kriegs will Russland sein Atomwaffen-Arsenal bei großangelegten Übungen testen. Die Nato ist in Habachtstellung. 

Moskau/Washington - Russland will in den kommenden Tagen wohl großangelegte Atomtests starten. Darüber habe der Kreml die US-Regierung in Kenntnis gesetzt, berichtet der türkische Nachrichtensender „TRT World“. Russland sei zu dieser Information verpflichtet, um zu verhindern, dass die Atom-Übungen als echter Atomwaffeneinsatz missinterpretiert werden.

Die russischen Atomtests mit dem Titel „Grom“ sind prinzipiell nichts Ungewöhnliches: Wladimir Putins Armee testet alljährlich um diese Zeit ihre strategischen nuklearen Waffen auf einem Atomtestgelände in Nordrussland. Auch der Start ballistischer Raketen gehört regelmäßig zu diesen Übungen.

Doch in Zeiten, in denen Russland einen Krieg gegen die Ukraine führt und immer wieder offen mit Atomwaffen droht, hat die Ankündigung des Nuklearmanövers eine andere Qualität. Sind die Atomtests eine reine Übung - oder eine implizite Demonstration seiner Macht an den Adressaten Ukraine sowie den Westen insgesamt?

Der Start eines Marschflugkörpers von einem ballistischen Kurzstrecken-Raketensystem bei der russischen Militärübung „Grom“ im Jahr 2019.

Russland will Atomtests starten: „Zusätzliche Herausforderung“ für den Westen

Ein westlicher Beamter, der anonym bleiben will, sagte laut dem US-Sender CNBC der Nachrichtenagentur Reuters, die russischen Atomübungen seien „eine zusätzliche Herausforderung“ für den Westen. Man müsse sicherstellen, „dass das, was da geschehen wird, tatsächlich nur eine Übung ist und nicht etwas anderes“.

Russland könne jedoch absichtlich die Taktik fahren, genau das im Unklaren zu lassen. Ein US-Verteidigungsbeamter sagte laut dem Bericht gegenüber Reuters, das russische „Herumhantieren“ mit Atomwaffen, um die USA und deren Alliierte unter Druck zu setzen, sei „unverantwortlich“.

Russland will Atomtests durchführen: Nato in Habachtstellung

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg versicherte, das westliche Bündnis werde die jährlichen russischen Atomübungen sehr genau beobachten - so wie man es seit Jahrzehnten tue. Auch John Kirby, US-Sicherheitsberater im Weißen Haus, gab sich gelassen: „Während Russland wahrscheinlich denkt, diese Übung werde helfen, die Macht widerzuspiegeln - vor allem im Licht der aktuellen Ereignisse - wissen wir, dass Russlands nukleare Einheiten um diese Zeit im Jahr immer großangelegt üben“, wird er zitiert.

Nato beginnt demnächst mit Atomwaffen-Manöver „Steadfeast Noon“

Zuletzt führte Russland im Februar 2022 „Grom“-Atomtests durch - kurz, bevor der Einmarsch in die Ukraine folgte. Auch die Nato beginnt kommende Woche mit ihren jährlichen Nuklearübungen „Steadfast Noon“. Bis zu 60 Flugzeuge nehmen dann an Trainingsflügen über Belgien, Großbritannien und der Nordsee teil. B-52-Langstreckenbomber sind ebenfalls an dem Manöver beteiligt.

Die Nato betont, dass die bis zum 30. Oktober laufende „routinemäßige Trainingsaktivität“ schon lange vor dem Ukraine-Krieg geplant gewesen sei. Auch die Bundeswehr ist bei „Steadfast Noon“ dabei, Details gibt das Verteidigungsministerium jedoch nicht bekannt. (smu mit Material von AFP)

Rubriklistenbild: © Russian Defence Ministry/TASS/Imago

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