VonJoachim Willeschließen
Mehr als 20 Großkonzerne schreiben CO2-freien Schiffstransport aus und wollen so Anreize setzen für die zeitnahe Entwicklung von Öko-Kraftstoff.
Rund 90 Prozent des Welthandels werden auf dem Seeweg transportiert. Die Flotte – ob Frachter, Containerschiffe oder Tanker – wird mit Schweröl angetrieben, einem extrem umwelt- und klimaschädlichen Treibstoff. Täglich verkehren auf den Weltmeeren an die 100 000 Schiffe. Der Schiffsverkehr insgesamt ist für mehr als 2,5 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, Tendenz steigend. Mehr als 20 bekannte Großkonzerne haben nun eine Initiative gestartet, um den Schiffstransport klimafreundlicher zu machen.
Die Unternehmen, darunter Amazon, Ikea, Levi Strauss & Co, Nike und Tchibo, starteten eine Ausschreibung über den Transport von 600 000 Standardcontainern auf Schiffen, die mit emissionsfreien Treibstoffen betrieben werden. Dies entspricht nach Angaben der Initiatoren über drei Jahre gerechnet einer Einsparung von rund einer Million Tonnen CO2-Emissionen – in etwa die Menge, die von 215 000 Verbrenner-Autos ausgestoßen wird. Die Ausschreibung läuft über die Organisation „Zemba“ (Zero Emission Maritime Buyers Alliance).
Zemba ist eine „Käufergemeinschaft“ im Schifffahrtssektor, die im vergangenen März von den Unternehmen Amazon, Patagonia und Tchibo sowie dem US-Thinktank Aspen Institute gegründet wurde. Deren Ziel ist es, die Einführung von emissionsfreien Transportlösungen zu beschleunigen.
Zemba hat Reedereien aufgefordert, Transporte anzubieten, bei denen mindestens 90 Prozent weniger Treibhausgase entstehen als bisher. Die Schiffe mit Öko-Antrieb, das heißt „neuen, sauberen Brennstoffen“, sollen ab 2025 fahren. Die Gemeinschaft bietet dafür einen Aufpreis an, der die zusätzlichen Kosten abdecken soll.
Der Schlüssel zu einer „Dekarbonisierung“ des Schiffsverkehrs ist die Nutzung von kohlenstoffarmen Treibstoffen, die bisher allerdings noch nicht im großen Stil produziert werden. In Frage kommen vor allem Wasserstoff und dessen Derivate wie Ammoniak, die mit erneuerbaren Energien erzeugt werden, sowie Flüssiggas, das aus biologischen Rohstoffen gewonnen wird. Die Ausschreibung soll die Herstellung dieser Treibstoffe anreizen.
FR|Klima
Wo stehen wir im Kampf gegen den Klimawandel? Ein zentrale Frage für die Frankfurter Rundschau auf allen Kanälen.
Im Onlinedossier FR|Klima bündeln wir unsere Analysen, Interviews und Kommentare. Jetzt anklicken!
Unser exklusiver FR|Klima-Newsletter bietet dazu einen umfassenden, wöchentlichen Überblick - jeden Freitag. Jetzt anmelden!
Der FR|Klima-Podcast „Kipp und klar“ erscheint im zweiwöchentlichen Rhythmus. Jetzt anhören!
Zwar gibt es bereits Schiffe mit reinem Elektroantrieb und Energiespeicherung in Batterien, das sind allerdings vor allem Fähren und Ausflugsboote. Für Schwertransporte ist diese Lösung nicht ausreichend. Beim Hamburger Kaffee-Konzern Tchibo, einem der Initiatoren des Projekts, heißt es dazu, mit Zemba sei es möglich, erste Schritte in Richtung umweltfreundliche Seefracht zu gehen. „Wir sind entschlossen, eine Führungsrolle zu übernehmen, indem wir einen grünen Aufpreis für emissionsfreie Transportkapazitäten vereinbaren“, sagte Manager Alexander Ralfs. Ziel sei es, eine „bezahlbare, skalierbare und langfristige Lösung“ für emissionsfreien Schiffsverkehr zu schaffen.
Auch Tchibo ist stark vom Seeverkehr abhängig. Laut Konzernangaben werden alle Kaffees und rund 80 Prozent der angebotenen Non-Food-Waren per Containerschiff transportiert. Das sei „ein großer Treiber von Emissionen“, so das Unternehmen. Der Kaffee-Konzern betont, einzelne Unternehmen könnten die Dekarbonisierung des Schiffstransports nicht im Alleingang stemmen. Es brauche eine Gruppe, die diesen Prozess anstoße und bereit sei, dafür Kosten und Risiken zu tragen. So wolle man Reedereien ermutigen, in Partnerschaften mit Kraftstofflieferanten „grüne Antriebstechnologie marktreif zu entwickeln und flächendeckend einzusetzen“, sagte Ralfs. Die Kraftstoffproduzenten bekämen die nötigen Sicherheiten für den Absatz grüner Treibstoffe.
