Bundeskongress in Leipzig

„Gottlose Kompromisse“: Neuer Grüne-Jugend-Chef stellt sich gegen Habeck-Kurs

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Der neue Vorsitzende der Grünen Jugend - Jakob Blasel.
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Die Grüne Jugend hat eine neue Spitze. Doch Jakob Blasel und Jette Nietzard machen gleich klar, dass Habeck keine kompromisslose Gefolgschaft erwarten kann.

Leipzig – Führungswechsel bei der Grünen Jugend: Jette Nietzard und Jakob Blasel bilden jetzt das neue Führungsduo beim Parteiennachwuchs. In ihren Ansprachen setzten sie sich unter anderem für verstärkten Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit ein. Doch auf Harmonie sind die Neuen nicht aus. Sowohl die Grünen als auch die Ampel-Koalition sind zum Start der neuen Vorsitzenden deutlicher Kritik an ihrer Politik und Umsetzung ausgesetzt.

„Gottlose Kompromisse“ der Ampel: Neuer Grüne-Jugend-Chef Jakob Blasel kritisiert Regierung

Blasel studiert Rechts- und Umweltwissenschaften in Lüneburg und zählt zu den bekannteren Gesichtern der Klimabewegung Fridays for Future. Er kritisierte, dass soziale Gerechtigkeit in der Ampel-Koalition nicht auf der Tagesordnung stehe. 

Es könne nicht sein, dass die Bundesregierung bei einer sozialen und ambitionierten Wärmewende oder einer günstigen und guten Bahn versage, betonte er. „Egal, welche gottlosen Kompromisse die Ampel für angemessen hält, egal, wie sehr sie hofft, dass wir das einfach so hinnehmen, wir werden nicht wegschauen.“ 

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Den mutmaßlichen Grünen-Kanzlerkandidaten Robert Habeck kritisierte Blasel wegen seiner Bereitschaft, vom Lieferkettengesetz abzurücken: „Lieber Robert, schöne Grüße aus Leipzig: Wir tragen diese Politik nicht mit!“ Auch wandte er sich gegen die Abschottungspolitik in Europa und forderte eine „humane Asylpolitik“.

Neuer Vorstand der Grünen Jugend: Ampel und Grüne bauen „echt miese Scheiße“ – findet Nietzard

Die 25-jährige Nietzard erklärt in ihrer Bewerbung, sie stehe für das Selbstverständnis einer Parteijugend, die in die Partei hinein wirke und in Bewegungen aktiv sei. Gemeinsam werde man die Grünen nach links schieben. Nietzard ist bei den als besonders links bekannten Berliner Grünen aktiv, engagiert sich für Geflüchtete und arbeitet beim Deutschen Kinderhilfswerk. 

Die neue Spitze der Grünen Jugend - Jette Nietzard und Jakob Blasel.

Nietzard pochte ebenfalls auf ein Ende fauler Kompromisse und ein klares Eintreten für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. In der Ampel-Regierung werde „echt miese Scheiße“ gebaut und „liebe Grüne, ihr baut sie auch“, sagte sie. „Ich erwarte von euch, und insbesondere von Parteivorsitzenden, Kanzlerkandidaten und Bundestagsabgeordneten, dass ihr keine faulen Kompromisse schließt, sondern für Menschenrechte, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit einsteht“, forderte sie die Partei weiter in ihrer Bewerbungsrede auf. 

Nach Austrittswelle bei Grüner Jugend: Blasel und Nietzard treten schweres Erbe an

Die neue Führung um Blasel und Nietzard übernimmt den Posten von Svenja Appuhn und Katharina Stolla. Ende September hatte der zehnköpfige Vorstand um die ehemaligen Vorsitzenden mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, nicht erneut zu kandidieren und geschlossen aus der Partei auszutreten. Danach folgte eine große Austrittswelle.

Beim Bundeskongress in Leipzig wurde ebenso ein Leitantrag beschlossen „Schluss mit Krise – holen wir uns unsere Zukunft zurück“. Darin wendet sich die Grüne Jugend „gegen rechte Hetze, Abschiebungen und die Kluft zwischen Arm und Reich“ und fordert „eine Zukunft für alle“. In den Debatten wurde allerdings deutlich, dass das Verhältnis vieler Mitglieder der Grünen Jugend zu ihrer Partei schwierig bleibt. So legte sich die Nachwuchsorganisation nicht auf einen gemeinsamen Bundestagswahlkampf fest.(afp/dpa/jal)

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