VonFlorian Naumannschließen
Danyal Bayaz, Ehemann der bayerischen Grünen-Chefin und Finanzminister in Stuttgart, rappt bei einer Veranstaltung in L.A. Sein Chef Winfried Kretschmann kämpft auch mit der Sprache.
Los Angeles – Auch als Finanzminister muss man offenbar (nicht mehr) spröde auftreten: Baden-Württembergs Ressortchef Danyal Bayaz von den Grünen hat in Los Angeles öffentlich eine Rap-Einlage geliefert. Videos des Auftritts kursieren unter anderem bei Twitter.
Bayaz – Ehemann der bayerischen Grünen-Chefin Katharina Schulze – griff vor Publikum zum Mikrofon und rappte einen Song des aus Heidelberg stammenden Musikers Torch. Immerhin zu einem fachnahen Thema: Der Text handelte von Geld. „Ich wurde geboren in Frankfurt am Main - in der deutschen Zentralbank als 100-Mark-Schein“, lautete der Einstieg. Hintergrund der Einlage war laut Bayaz eine Wette mit Staatskanzleichef Florian Stegmann. Bemerkenswert: „Ich gebe euch die Illusion von Macht, ihr gebt Ruh‘“, lautete eine weitere Zeile in der von Bayaz‘ gerappten Strophe.
Grünen-Minister am Mic: Bayaz rappt in Los Angeles – Baden-Württemberg-Tross erntet Kritik
Stegmann habe ihn mit einem Kasten Bier gelockt, räumte der Grüne ein. „Hip-Hop lebt von Spontanität“, sagt Bayaz. Er erntete jedenfalls viel Applaus für seinen Auftritt. Allerdings gab es auch Verbesserungswünsche: „Wäre noch besser mit Beatbox vom Kretsch“, kommentierte ein User mit Blick auf Bayaz Regierungschef, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (ebenfalls Grüne).
Schon mal einen Finanzminister rappen gesehen? There you go @DerDanyal #dpareporter #losangeles pic.twitter.com/OwOFPKoPmK
— Nico Pointner (@nopeblau) October 7, 2022
Anlass der Veranstaltung war eine US-Reise Kretschmanns zur Förderung des deutsch-amerikanischen Jugendaustauschs. Der aus Baden-Württemberg stammende Rapper Max Herre trat vor den Landespolitikern auf. Kretschmann gestand, mit Jazz mehr anfangen zu können als mit Hip-Hop. Seine Kabinettsmitglieder tanzten allerdings munter mit. „Die sind auch jünger als ich“, sagte der 74-jährige Kretschmann der dpa.
Laut einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur litt die Reise allerdings über weite Strecken an einem Problem: Gäste der Veranstaltungen waren ihm zufolge vor allem Delegationsteilnehmer aus Baden-Württemberg. Ein Delegationsteilnehmer etwa habe eine Rede für den Besuch eines US-Forschungszentrums vorbereitet gehabt, er wollte den US-Amerikanern dabei Baden-Württemberg vorstellen - nur um vor Ort festzustellen, dass im Saal vor ihm fast nur mitgereiste Unternehmer und Wissenschaftler saßen. „Das ist dann natürlich Quatsch.“ Er habe die Rede verworfen und ein simples Grußwort gehalten.
104 Teilnehmer zählte der Tross aus dem „Ländle“. Auch Kritik am Ablauf wurde laut dpa geäußert, allerdings habe sich niemand namentlich zitieren lassen wollen. Mitunter wurde die Delegation als zu groß empfunden. „Dass jeder Politiker seine ganzen Leute und Sprecher mitbringt, hätte man sich sparen können“, sagte ein Teilnehmer. Kretschmann räumte schon vor Abflug gen Vereinigte Staaten ein: Ihm sei auch klar, dass die Wirkung seiner Reisen begrenzt ist.
Kretschmann auf USA-Riese: Grünen-Ministerpräsident übt im Flieger noch die Aussprache
Der Ministerpräsident selbst hat bei dem Trip ebenfalls mit Sprachkünsten zu kämpfen – und das ohne Sprechgesangseinlagen. „Ich kann halt kein Englisch, das werde ich jetzt auch nicht mehr ändern“, sagte er der dpa. Trotzdem hielt er am Mittwoch (Ortszeit) in Sacramento eine mehrminütige Rede auf Englisch. Darin dankte er seinem Freund, dem ehemaligen Gouverneur Kaliforniens, Jerry Brown.
Im Flieger hatte Kretschmann dafür noch mit einer Übersetzerin die Aussprache geübt. „Ich war schon nervös“, sagte er. Seine schwäbische Herkunft war in der Rede zwar unverkennbar, aber die Botschaft kam an. Brown lobte Kretschmann dann auch: „Es war großartig.“
Der baden-württembergische Leitspruch „wir können alles außer Hochdeutsch“ hatte in auf „Oxford-Englisch“ abgewandelter Form auch schon für einen von Kretschmanns Vorgängern, den späteren EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU), gegolten. Oettinger war in Stuttgart und vor allem in Brüssel zuweilen mit seinem Englisch aufgefallen. Ein früherer Bundesfinanzminister übte sich unterdessen ebenfalls in Humor: Peer Steinbrück lieferte bei „Markus Lanz“ einen Appell an die Deutschen - und Schmunzeleinlagen. (dpa/fn)
