Nach Wahlschlappen und Rücktritten

Schwarz-Grün als Ziel? Grüne leiten bei Zukunftskongress inhaltliche Neuaufstellung ein

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Die Grünen stecken in einer Krise. Mit dem Zukunftskongress der Bundestagsfraktion hat die Partei versucht, ihren Neustart einzuläuten.

Berlin - Nach zahllosen Wahlschlappen sowie Rücktritten stellen sich die Grünen inhaltlich wie personell neu auf. Zumindest die inhaltliche Neuausrichtung und Profilschärfung hat auf dem Zukunftskongress der Grünen-Bundestagsfraktion begonnen. Das Ziel der Veranstaltung war: „Ein positives, optimistisches Bild von einer besseren Zukunft“ für Deutschland zu zeichnen, wie es Fraktionschefin Britta Haßelmann zum Auftakt ausdrückte. Für die Welt von morgen brauche es schon heute zentrale Weichenstellungen, so Haßelmann.

Ein Thema, das bei den Grünen selbstverständlich nie fehlen darf, ist der Klimaschutz. Das machte Co-Fraktionschefin Katharina Dröge deutlich, die forderte, das Thema wieder „in den Mittelpunkt der Politik“ zu stellen. Ein Selbstzweck, betont Dröge, sei das nicht. Vielmehr gehe es dabei um den Schutz unserer Heimat – etwa mit Blick auf Hochwasser und Hitzewellen. Klimaschutz müsse zugleich bedeuten, „unser Leben besser zu machen“, indem beispielsweise „die Luft besser“ und „der Verkehr leiser“ werde, ergänzte sie.

Ricarda Lang und Robert Habeck bei einem Grünen-Wahlkampftermin.

Inhaltliche Neuaufstellung nach Wahl-Schlappen – wie die Grünen die Zukunft angehen wollen

Nach den Worten Dröges müssen die Grünen aber auch andere praktische Fragen beantworten, die sich viele Menschen stellen würden. Konkret nannte sie bezahlbare Wohnungen oder auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Vorgestellt wurden auf dem Kongress mehrere Zukunftsideen zu unterschiedlichen Themenbereichen. Dazu gehört eine „Deutschland-App“, die nutzerfreundlichen Zugang zu Verwaltungsangeboten bieten soll. Außerdem sind ein spezielles Entlastungspaket für die junge Generation geplant sowie ein gemeinsamer Investitionsfonds für öffentliche Infrastruktur von Bund, Ländern und Kommunen.

Ein weiteres Investitionsprogramm soll für mehr Bildungschancen sorgen. Außerdem wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass das Deutschlandticket durch spezielle Angebote für Familien attraktiver wird – ergänzt durch eine Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum. Zugleich will die Partei mehr auf Wirtschaftspolitik setzen. Der grüne Landesfinanzminister in Baden-Württemberg, Danyal Bayaz, erklärte, man brauche in der Partei mehr Wirtschaftskompetenz, gerade in Zeiten wie diesen, wo man in einer Krise stecke.

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Grünen vor Neuausrichtung: Habeck soll auf schwarz-grüne Koalition hoffen

Auch mit Blick auf mögliche Regierungskoalitionen könnten sich die Grünen in der Zukunft neu aufstellen. Medienberichten zufolge soll vor allem Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck mit einer schwarz-grünen Bundesregierung nach der Wahl im Herbst 2025 liebäugeln. Habeck wiederum soll in seiner Partei künftig eine noch zentralere Rolle einnehmen und gilt als wahrscheinlichster Anwärter auf eine grüne Kanzlerkandidatur. Allerdings schließt neben CSU-Chef Markus Söder auch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz eine Regierung mit den Grünen aktuell aus.

Merz lässt sich jedoch eine Hintertür offen, indem er betont, dass sich das auch ändern könne, wenn sich die Grünen und ihre Politik ändern würden. Auf dem Parteitag im November wollen die Grünen schließlich ihre personelle Neuaufstellung jenseits von Habeck angehen. Dann wählen die Delegierten die neuen Parteivorsitzenden. Um die Nachfolge von Ricarda Lang und Omid Nouripour bewerben sich die parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Franziska Brantner, und der Bundestagsabgeordnete Felix Banaszak. (grmo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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