Neuer Ampel-Zoff

Grünen-Verbotsliste zu Süßigkeiten-Werbung: Özdemirs Pläne lassen FDP toben

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Welche Produkte dürfen bei Kindern beworben werden? In der Ampel herrscht darüber Uneinigkeit. Özdemir plant wohl große Einschränkungen. Die FDP reagiert mit Kritik.

Berlin - In der Ampel-Koalition braut sich der nächste Sturm auf. Grund dafür: Grünen-Minister Cem Özdemir plant, die Werbung von ungesunden Lebensmittel stark einzuschränken. Das geplante Verbot gelte für sämtliche Werbung zwischen 6 und 23 Uhr, „die ihrer Art nach besonders dazu geeignet ist, Kinder zum Konsum zu veranlassen oder darin zu bestärken“, heißt es in einem Bericht der Bild, der offenbar ein Entwurf des Ministeriums vorliegt.

Die Beschränkungen sollen dabei für manche Produkte offenbar generell greifen - etwa für Schokolade, Müsliriegel, Kekse und Kuchen. Auch Energydrinks und Speiseeis sollen wohl prinzipiell davon betroffen sein.

Eingeschränkt werden soll außerdem offenbar Werbung für Milch und Säfte mit zugefügten Zucker oder extra Süßungsmittel. Özdemir hat den Entwurf angeblich ohne Rücksprache in die Ressortabstimmung gegeben, berichtet das Blatt. .

Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel: Dafür „gibt es keine Mehrheit“

Die FDP-Fraktionsvize Carina Konrad reagierte unmissverständlich auf Özdemirs Pläne: „Pauschale Verbote von Werbung, die die Kinder regelrecht abschirmen sollen, übergehen die wahren Kernprobleme von ungesunder Ernährung und sind keine Lösung. Für eine solche Politik gibt es keine Mehrheit“, sagte die FDP-Politikerin laut Bild.

Aus der Sicht der Liberalen sollte man an anderen Stellen ansetzen. Es brauche mehr Ernährungscoaches an Schulen, Seminare zur Medienkompetenz für Kinder und Eltern sowie mehr Engagement von Produzenten und Supermärkten, meint Konrad.

Auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr kritisiert die Vorschläge aus dem Landwirtschaftsministerium: „Grundsätzliche Verbote würden dazu führen, dass Kinder abgeschirmt, aber nicht aufgeklärt werden. Das geht am Kern des Problems vorbei“, meint Dürr dem Spiegel zufolge.

Werbeverbote für Ungesundes: Süßwarenindustrie merkt verfassungsrechtliche Bedenken an

Die von Özdemir geplanten Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel bei Kindern bedeuten nach Ansicht der Süßwarenindustrie ein Totalverbot von Süßwarenwerbung. „Die Vorschläge von Bundesminister Özdemir sind aus unserer Sicht nicht verhältnismäßig und zudem verfassungsrechtlich bedenklich“, kritisierte der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) laut einer Mitteilung.

Der BDSI halte die geplanten Werbeverbote für nicht zielführend, um die Übergewichtsrate bei Kindern zu verringern. Es existierten keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit von Werbeverboten auf die Entwicklung von kindlichem Übergewicht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Carsten Bernoth.

Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel: Milch und Säfte können auch betroffen sein

Der Grünen-Politiker Özdemir hatte die Gesetzespläne am Montag vorgestellt, die zu gesünderer Ernährung und weniger Übergewicht beitragen sollen. Mit Blick auf Unter-14-Jährige sind Werbeverbote für Produkte mit zu viel Zucker, Fett und Salz in „allen für Kinder relevanten Medien“ vorgesehen. Dabei soll sich die Feststellung eines zu hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehaltes an WHO-Nährwertberechnungen orientieren. Unzulässig werden soll auch Werbung auf Plakaten für ungesunde Produkte im Umkreis von 100 Metern um Schulen und Kitas.

Die konkreten Bestimmungen sollen in der Regierung abgestimmt werden. Zu Milch und Säften erläuterte das Ministerium, sie dürften weiter an Kinder gerichtet beworben werden, wenn sie keinen zugesetzten Zucker und keine Süßungsmittel enthalten. Milch beinhalte Nährstoffe wie Calcium und Jod, die für Kinder in der Wachstumsphase wichtig seien. Obst- und Gemüsesäfte könnten Vitamine liefern. Da sie von Natur aus Zucker enthielten, sei es wichtig, dass nicht noch zusätzlich Zucker oder Süßungsmittel hinzugefügt würden. (lp/dpa)

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa/Archivbild

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