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CSU will Erbschaftsteuer aufs Elternhaus kippen

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CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Parteichef Markus Söder, hier auf dem Parteitag in Augsburg.
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Wer eine Immobilie zehn Jahre hält, soll steuerfrei bleiben – so sieht es der Plan für die CSU-Klausur in Andechs vor. Auch im Heizungsstreit schlägt die Partei eine Alternative vor.

Andechs – Eigentlich erinnert sich die CSU immer gern an ihre Treffen auf dem Heiligen Berg. In Andechs gab es stets Klausuren voll Bayern-Spektakel, dazu Bilder von weißblauer Harmonie. Gut, an ein Detail denkt man ungern zurück: Die Beschlüsse aus Andechs haben nicht alle historischen Charakter. Hier stritt die CSU 2011 flammend für einen eiligen Atomausstieg, hier kämpfte Horst Seehofer 2015 wütend gegen Stromtrassen, drohte gar Klagen an.

CSU-Entwurf zur Andechs-Klausur: Kompromiss bei Erbschaftssteuer

Wenn am Mittwoch die Christsozialen wieder den Berg erklimmen, sollen ähnlich gute Bilder, aber länger haltbare Beschlüsse herauskommen. In der Klausur der Landesgruppe, also der Abgeordneten aus dem Bundestag, will die CSU ihren Kurs für die zweite Hälfte der Legislaturperiode in Berlin festzurren. Als Oppositionspartei steuert sie einen Mix an aus Ampel-Kritik und eigenen Vorschlägen. Also: Nicht nur maulen, auch bessere Ideen liefern.

Ein neues Element im Entwurf des Papiers, der unserer Zeitung vorliegt, sticht heraus. Die Abgeordneten um Alexander Dobrindt schlagen einen Kompromiss im Streit um die Erbschaftsteuer vor. Seit Monaten kämpfen bayerische Politiker für höhere Freibeträge, um Erben von Immobilien gerade im teuren Oberbayern zu entlasten. Der neue CSU-Plan: Das Elternhaus soll komplett steuerfrei übertragen werden dürfen. „Ob als Schenkung zu Lebzeiten oder im Erbfall“, schlägt die Landesgruppe vor. Dabei soll eine Bedingung gelten: „Wenn der Erbe das Haus oder die Wohnung nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre verkauft, sondern selbst einzieht oder vermietet, soll dies steuerfrei bleiben.“ Am Ziel einer regionalisierten Erbschaftsteuer hält die Partei parallel dazu fest.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Heizungsstreit: CSU will Abwrackprämie

In Andechs will die CSU auch ihren Gegenentwurf zum Heizungsgesetz herausheben. Auch hier der Zweiklang aus Ampel-Groll und Ideen: Der Habeck-Entwurf sei „vermurkst, ungerecht und respektlos“, greife „tief in das Eigentum ein, ohne dass dem eine herausgehobene CO₂-Einsparung gegenüberstehen würde“. Als eigenen Plan schlägt die Landesgruppe eine Abwrackprämie für Heizungen vor – mit einer extrem hohen Förderung. Der „freiwillige Umbau auf moderne, klimafreundliche Heizungen“ solle mit bis zu 80 Prozent gefördert werden. „Einen Zwang zum Heizungstausch in Bestandsgebäuden lehnen wir ab“, notieren Dobrindt und seine Kollegen.

Die eintägige Klausur soll auch das innenpolitische Profil schärfen. Im Fokus steht der Kampf gegen kriminelle Clans. „Sofort-Ausweisungen für ausländische Clan-Mitglieder“ stehen im Papier, dazu ein Ausbau der Präventivhaft. Gegen die Klima-Kleber der „Letzten Generation“ will die CSU den Verfassungsschutz einschalten und das Strafrecht verschärfen. Wer Rettungswege blockiert und Einsätze behindert, soll mit Freiheitsstrafen belangt werden. In der Migrationspolitik fordert die Landesgruppe einen besseren Grenzschutz und stellt sich klar hinter den EU-Plan zu Asylverfahren an den Außengrenzen. Als Gäste kommen die Parteivorsitzenden von CSU und CDU nach Andechs, Friedrich Merz und Markus Söder.

Die Wortwahl der CSU hat es dabei in sich. Nicht wegen der Lautstärke – sondern wegen eines Begriffs. „Respekt“ zieht sich durch den Entwurf, ein Wort, das Kanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner Wahlkampagne für sich gepachtet zu haben hoffte. „Respekt vor Lebensleistung“ sind die Steuerpläne überschrieben, „Respekt für Familien“ und „Respekt für Freiheit und Sicherheit“ ergänzen das. „Wir setzen dem Ampelchaos eine bürgerliche Politik des echten Respekts entgegen“, formuliert Dobrindt. (Christian Deutschländer)

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