VonFlorian Naumannschließen
Robert Habeck braucht dringend einen neuen Energiewende-Architekten. Möglich, dass er dabei auf einen alten Weggefährten aus dem Norden schielt.
Berlin/Bremen - Robert Habeck hat am Mittwoch (17. Mai) seine Allzweckwaffe in der Energiewende entlassen: Nach wochenlangen Vetternwirtschaftsdebatten muss Staatssekretär Patrick Graichen nun doch gehen. Viel spricht dafür, dass für die Grünen die Misere damit noch nicht beendet ist – doch unabhängig davon braucht Habecks Ministerium jetzt einen neuen Energiewende-Architekten.
Möglicherweise wird es ein alter Bekannter aus dem hohen Norden: Laut einem Bericht der Bild gilt Klaus Müller als einer der Favoriten für Graichens bisherigen Posten. Das Blatt will erfahren haben, dass bereits Verhandlungen laufen. Aktuell leitet Müller die Bundesnetzagentur. Er war aber für die Grünen auch schon Umwelt- und Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein.
Habecks neuer Graichen? Klaus Müller hat eine Vergangenheit im Norden
Das ist freilich eine Weile her: Von 2000 bis 2005 amtierte Müller unter Heide Simonis. Aus dieser Zeit dürften er und Habeck sich gut kennen. Der heutige Vizekanzler war damals Grünen-Landeschef in Schleswig-Holstein. Müller führte indes schon 1996 auf grüner Seite die Gespräche in den rot-grünen Koalitionsverhandlungen im Norden – als 25-Jähriger.
Auch fachliche Faktoren könnten für Müller sprechen. Als Chef der Bundesnetzagentur hatte er bereits kräftig mit der Gas-Krise im Ukraine-Krieg zu tun. Und auch für Habecks Heizungs-Gesetzespläne hat sich Müller bereits öffentlich ausgesprochen. „Bei privaten Haushalten gibt es große Potenziale, Gas zu sparen, die Zeit für Gasheizungen läuft ab“, sagte er zuletzt der Rheinischen Post.
Eine Quelle aus Reihen der Grünen unterstrich im Gespräch mit der Bild angeblich diese Überlegungen. Müller sei „tief im Thema“ und könne „ohne lange Einarbeitung die Aufgaben“ übernehmen, zitierte die Boulevardzeitung ihren nicht namentlich genannten Gesprächspartner. Gleichwohl gab es dem Bericht zufolge am Mittwochabend noch keine Einigung.
Habeck-Retter aus dem Norden: Müller war Verbraucherschützer – und „erklärt“ gerne
Womöglich spricht auch eine andere Erwägung für den in Kiel zum Volkswirtschaftler ausgebildeten Müller. Von 2014 bis 2022 leitete er die Verbraucherzentrale Bundesverband. In dieser Funktion hat er sich für die „Verbraucher“ im Land eingesetzt. Denkbar also, dass Müller besser den Standpunkt und die Sorgen der Heizungsbesitzer in Deutschland verstehen und kommunizieren kann, als das Habeck und den Grünen bislang gelungen ist.
An heikle Thematiken hat sich Müller in den vergangenen Monaten bereits herangewagt. Er dachte laut über die Möglichkeit nach, das Laden von E-Autos zu drosseln – um einem Blackout in Deutschland vorzubeugen. „Alle kommen nach Hause und wollen nach der Arbeit ihr E-Auto aufladen“, beschrieb Müller im Manager Magazin ein mögliches Szenario. „Da gilt es, Netzüberlastungen vorzubeugen.“ Auch die E-Mobilität ist ein heiß umkämpftes Thema.
In einem Gespräch mit der dpa warb Müller auch schon einmal für das „Erklären“ in der Politik – und verwies dabei auf Simonis als Lehrmeisterin. „Sie war immer eine, die gesagt hat: Ihr müsst das erklären, was Ihr tut. Wenn Ihr den Menschen nicht erklärt, was Ihr tut, wenn Ihr nicht transparent in Eurem Handeln seid, dann verliert Ihr sie.“ Kommunikation dürfte für Habecks Ministerium um Dauerkreuzfeuer um die Heizungspläne eine Schlüsselfähigkeit bleiben. (fn mit Material von dpa)
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