Klimawandel

Klimakosten könnten Hunderte Milliarden verschlingen – Grüne machen Druck

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Bis zu 900 Milliarden Euro könnte der Klimawandel Deutschland kosten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Montag vorgestellt wurde.

Berlin – Bereits in der Vergangenheit hat der Klimawandel immense Schäden in Deutschland angerichtet. Die Waldbrände in der Sächsischen Schweiz in den Sommermonaten des vergangenen Jahres sind nur ein Beispiel. Unermesslich sind die Folgen des Klimawandels für Mensch und Natur. Erinnert sei an die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021, die 134 Menschenleben forderte.

Die Kosten dagegen, die nach den jüngsten Klimaschutzprotesten bis zur Mitte dieses Jahrhunderts auf Deutschland zukommen können, wurden in einer Studie berechnet: 900 Milliarden Euro sind das Ergebnis der Untersuchung, die die Bundesministerien für Umwelt sowie Wirtschaft und Klimaschutz am Montag (6. März) in Berlin vorgestellt haben.

Waldbrände als Folge des Klimawandels in der Sächsischen Schweiz: Die Bundespolizei fliegt im Sommer 2022 freiwillige Feuerwehrleute per Hubschrauber in den Nationalpark.

Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sagte, auch wenn immer von Klimaschutz gesprochen werde, schütze man damit vorrangig die Menschen auf der Erde, etwa vor Naturkatastrophen. Sein Parteikollege, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Stefan Wenzel (Grüne), formulierte es so:  „Nichthandeln ist viel teurer als Handeln.“ Weiter sagte er: „Klimaveränderungen haben schon heute sehr schwere ökonomische Folgen, und diese Folgen können noch massiv anwachsen“.

Kosten durch Klimawandel im günstigsten Fall bei 280 Milliarden Euro bis 2050

In der Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Prognos AG mit dem Titel „Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland“ werden unterschiedliche Szenarien durchgespielt. Die Szenarien, für den Zeitraum von 2022 bis 2050, unterscheiden sich laut der Forscher in ihrer Heftigkeit je nach Ausmaß der Erderhitzung. Sie rechnen im günstigsten Fall mit Kosten von 280 Milliarden Euro bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Allerdings sollen die Ergebnisse der Studie nicht als Prognose dienen, sondern lediglich einen Eindruck vermitteln, was passieren könnte – bestimmte Annahmen vorausgesetzt.

Durchschnittliche jährliche Kosten von Extremwetterereignissen, beispielsweise durch Hitze oder Hochwasser könnten sich um das Anderthalb- bis Fünffache erhöhen. Dabei beziehen sich die Forscher auf die vergangenen 20 Jahre bis 2050. Das entspräche im Jahr 2050 einem Verlust des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 bis 1,8 Prozent. Selbst im günstigsten Fall würde demnach die Wirtschaft schrumpfen.

Klimaschutzmaßnahmen könnten Kosten um bis zu 100 Prozent reduzieren

Es sei denn, so sagen die Forscher, es würden Maßnahmen getroffen, die den Klimawandel bremsen. Dazu zählten etwa mehr Grün in den Städten. Laut der Studie könnten diese Maßnahmen, die zum Klimaschutz beitragen, die Kosten um 60 bis 100 Prozent reduzieren.

Gleichzeitig stellen die ermittelten Werte nach Darstellung der Forscher Untergrenzen dar, da sich nicht alle Folgen des Klimawandels in Kosten messen und im Modell darstellen ließen. Hinzu kommen beispielsweise der Verlust von Lebensqualität und Artenvielfalt sowie Todesfälle. „Es ist also damit zu rechnen, dass die Kosten des Klimawandels noch wesentlich höher ausfallen können, als durch die Szenarien im Modellzusammenhang ermittelt“, heißt es in der Studie. (cd/dpa)

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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